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Special: »Der Da Vinci Code«
Opus Dei
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Thriller-Autor Dan Brown lässt sie sogar Morde begehen. Keine andere Kirchenorganisation ist so umstritten und geheimnisumwittert: Kritiker halten »Opus Dei« für eine Art religiöse Mafia, die den Vatikan und unsere Gesellschaft unterwandert. Was will das »Werk Gottes« tatsächlich? Und wie weit reicht seine Macht?
Der Mann ist zum Fürchten. Ein Finsterling trotz seiner weißen Haut, weißen Haare und farblosen Augen. Vor nichts schreckt er zurück, solange es dem Werk dient. Lüge, Gewalt, Mord? Seine Seele ist in Frieden. Nach einer bösen Tat geißelt er sich den Rücken blutig, um sein spirituelles Konto wieder auszugleichen. Ganz besonders in diesen schmerzlichen Ekstasen fühlt er sich angekommen. Im Schoß der Gemeinschaft. Im Kern des Christentums. Bei Opus Dei.
Der fanatische Silas, Hauptfigur in Dan Browns Thriller »Da Vinci Code«, ist eine Fiktion. Die Organisation, für die er arbeitet, ist es nicht. Opus Dei existiert wirklich, wurde 1928 gegründet, von »El Padre«. Hinter dem Titel, der unbeabsichtigt, aber ungut an einen Mafia-Paten erinnert, steckt der spanische Priester Josemaria Escrivá de Balaguer (1902 – 1975). Ein Mann, dem Katholiken nun Kirchen errichten dürfen, seit Papst Johannes Paul II. ihn im Eilverfahren 2002 im Beisein von 200000 Gläubigen heilig gesprochen hat.
Es ist kein Zufall, dass der erfahrene Bestseller-Schreiber Dan Brown ausgerechnet Opus Dei zur Dunkelmacht in seinem Plot gemacht hat. Schon in den 1970er Jahren geriet die konservative Organisation ins Visier einer kritischen Öffentlichkeit in Deutschland, darunter auch Kirchenleute. Seitdem ist dem hehren Klub mit dem werbewirksamen Namen »Werk Gottes« ein hässlicher Beigeschmack geblieben, der Berührungsangst macht. Doch nicht nur. Das Wort Opus Dei löst bei vielen Menschen auch jenen ambivalenten Gefühlsmix aus Faszination und Furcht, Abscheu und diffuser Sehnsucht aus, der Fantasien anheizt und aus Büchern Bestseller machen kann. Fragt sich nur: Was ist überhaupt dran an den Munkeleien über diese Geheimorganisation? Verfolgt Opus Dei tatsächlich gefährliche Ziele? Sind ihre Köpfe die heimlichen »Mullahs im Vatikan«, wie schon spöttisch behauptet wird?
Der Gründungsvater: Selbstgeisselung als Bussübung
Zuerst zu El Padre, dem Gründungsvater: Er kommt nord-östlich von Madrid zur Welt und fühlt sich sehr bald zum Höchsten berufen – durch ein göttliches Zeichen. Die Fußspur eines unbeschuhten Karmeliters im Schnee weckt in ihm den Wunsch, Priester zu werden. Schon früh, heißt es, fällt er durch seine ausgeprägte Neigung zu »Bußübungen« auf. Gemeint ist damit vor allem die Selbstgeißelung, eine mittelalterlich anmutende Praktik der fleischlichen Abtötung – zur Kontrolle des Geschlechtstriebs.
Mit seinem 1928 gegründeten »Werk Gottes« will der Kirchenmann mit dem messerscharfen Scheitel eine Organisation schaffen, die katholische Laien bei ihrer »Nachfolge Christi« unterstützt. Besonderheit seiner Idee: Nicht Rückzug in klösterliche Versenkung ist das Ideal, sondern rührige Aktivität in der Welt, geheiligt durch ständige Hingabe an Gott. Von Anfang an ist klar: Hier geht es nicht um eine Erneuerung durch Modernisierung und Anpassung an eine sich verändernde Welt, hier ist kompromisslose Unterwerfung unter kirchliche Glaubenssätze und Traditionen angesagt – die Durchsetzung eines erzkonservativen, autoritären Kirchenbilds.
Zwei Jahre nach der Gründung in Madrid erweitert Escrivá den zuerst streng männlichen Bund mit einer Abteilung für Frauen. Später kommt die Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz dazu, weshalb die Organisation heute mit vollem Titel »Prälatur vom Heiligen Kreuz und vom Werk Gottes« heißt. Die für Laien unschuldig klingende Personal-Prälatur spielt übrigens eine zentrale Rolle im Machtgefüge von Opus Dei. Davon später mehr.
Wer sich auf die Suche nach den Strukturen des Werks Escrivás macht, stößt auf eine erstaunliche Parallelwelt, die sich wie ein weitmaschiges, aber nicht mehr zu durchschauendes Netz in der Welt auszubreiten scheint. Die Organisation arbeitet lautlos, ist verschwiegen und in den vergangenen zwanzig Jahren überraschend mächtig geworden.
Doch zunächst ein paar nüchterne Fakten: Weltweit zählt Opus Dei zwar nur etwa 86000 feste Mitglieder, doch die Zahl der Sympathisanten dürfte in die Millionen gehen. Filialen der spirituellen Firma gibt es in 62 (oder mehr) Ländern, Mitglieder aber leben in 90 Ländern. Darüber hinaus leiten Opus-Dei-Mitglieder neun Universitäten und Hochschulen. Die bekannteste ist die Universität von Navarra im nordspanischen Pamplona. Ihr angeschlossen: die IESE, eine hochkarätige Business School, aufgezogen nach dem Vorbild der Harvard-Universität. Darüber hinaus unterhalten Opus-Dei-Organisationen zahllose Bildungsstätten, Seminarhäuser, Studentenwohnheime, Jugendzentren.
Zu den Mitgliedern zählen etwa 15000 so genannte »Numerarier/innen« (»die Gezählten«), die keusch und entsagungsvoll in Gemeinschaften leben, darunter 2000 Priester. Die Numerarier bilden mit ihren diversen Neben- und Untergruppen den Adel der straff gegliederten Organisation. Zölibatär leben auch die etwa 2000 »Assoziierten«, die meist keine akademische Ausbildung haben. Die »Supernumerarier« (»die Hinzugezählten«) sind das Fußvolk; sie dürfen heiraten und leben mit ihrer Familie. Nur die Priester tragen Soutanen, alle anderen Mitglieder kleiden sich ganz normal. Menschen wie du und ich?
Falsch. Opus Dei beteuert zwar, jedem gläubigen Katholiken offen zu stehen, die statistisch meist vertretene Berufsgruppe in ihren Reihen seien die Hausfrauen. Doch in Wirklichkeit werden gezielt akademische und wirtschaftliche Eliten angesprochen. Auch diese aristokratische Aura macht einen Teil der Faszination von Opus Dei aus und ist ganz im Sinne des Erfinders. Escrivá riet seinen ersten Anhängern ausdrücklich, sich bei der Rekrutierung neuer Mitglieder ganz auf »Erbadel, Geist, Geld und Positionen« zu konzentrieren.
Die Nachfolger haben sich den Elitegedanken Escrivás sehr zu Herzen genommen. Nur die Besten sind gut genug. Jedes Opus-Dei-Mitglied ist ausdrücklich zur Anwerbung neuer Anhänger verpflichtet. Doch auf die Straße, wie etwa die Zeugen Jehovas, geht Opus Dei nicht. Die Kandidaten werden im eigenen sozialen Umfeld gesucht – so bleibt man unter sich. Für frisches Blut sorgen jüngere Mitglieder. Sie sprechen gezielt besonders begabte Mitschüler (offiziell aber keine Kinder unter 16 Jahren) und Kommilitonen an. Einmal im Jahr, am 18. März, wird die so genannte »Josephsliste« erstellt, mit den Namen jener Kandidaten, die bis zum März des Folgejahres gewonnen werden sollen. Über Seminare, Gruppen, Exerzitien, Gespräche oder Freizeitangebote (in Jugendclubs) führt Opus Dei die Neulinge dann in kleinen Schritten an das große Werk heran.
Die Methode: Macht durch Kontrolle
Warum nur die Besten? Weil der »Einstieg von oben« in die Gesellschaft mehr Reichtum, Macht und Einfluss verspricht? Die Organisation hat gelernt, solche und andere Vorwürfe mit sanftem Erstaunen und präziser Argumentation abzuwiegeln. Energisch wird der Verdacht der Geheimhaltung zurückgewiesen. Lieber redet Opus Dei von Diskretion – ein so viel angenehmeres Wort in einer lärmigen Welt. Aus purer Diskretion (und natürlich Datenschutzgründen) würden – so eine offizielle Stellungnahme – die Namen der Opus-Dei-Anhänger nicht preisgegeben; und aus »kollektiver Bescheidenheit« hielten die Mitglieder ihrerseits ihre Zugehörigkeit geheim. Ansonsten könne sich aber jeder umfassend über die Aktivitäten des Werks informieren.
Stimmt: Es gibt Websites mit seitenlangen Selbstdarstellungen der Organisation und Porträts von Opus-Dei-Vorzeigefamilien. Aber es stimmt auch, dass junge Menschen, die zur »Firma« stoßen, dazu ermuntert werden, mit ihren Eltern erst einmal nicht darüber zu sprechen; Seminare werden in eigenen Bildungsstätten und in Privatwohnungen abgehalten. Und es stimmt auch, dass wesentliche Schriften über die Strategien von Opus Dei strengstens unter Verschluss gehalten werden.
Was hat die Organisation zu verbergen? Nichts, beteuern ihre Sprachrohre sanft empört. Schließlich sei das Werk Escrivás, »Der Weg«, mit den »999 Appellen des Vaters« für jeden zugänglich. Das 600-Seiten-Werk ist tatsächlich bei Amazon für 14 Euro zu bestellen. Hier drei Leseproben. Appell 592: »Vergiss nicht, was Du bist ... ein Kehrichteimer ...Weißt Du nicht, dass Du ein Eimer für Abfälle bist?« Appell 941: »Gehorchen ... sicherer Weg. Den Vorgesetzten mit rückhaltlosem Vertrauen gehorchen ... Weg der Heiligkeit.« (Im spanischen Original »Camino« freilich heißt es »blind gehorchen«, aber das mag man deutschen Lesern heute nicht mehr zumuten.) Appell 208: »Gesegnet sei der Schmerz. Geliebt sei der Schmerz. Verherrlicht sei der Schmerz.«
Der Schmerz. Ein zentrales Anliegen bei Opus Dei. Detailliert schildert Autor Dan Brown in »Da Vinci Code« wie sich der Opus-Dei-Mann Silas den Bußgürtel um den Oberschenkel schnallt, »ein ledernes Band mit aufgenieteten Stacheln aus Metall, die sich zur ständigen Erinnerung an die Leiden Christi schmerzhaft ins Fleisch bohren ... mit schmerzverzerrtem Gesicht zog er den Bußgürtel noch ein Loch enger, atmete tief aus und genoss den läuternden Schmerz.«
Eine Erfindung des Autors? Nein. Das tägliche Tragen des Bußgürtels für zwei Stunden sowie die samstägliche Selbstgeißelung stehen tatsächlich auf dem Stundenplan. Für die zöibatären Mitglieder gelten beide Übungen als so wichtig für den Weg zu Gott wie die »heroische Minute« – das unverzügliche Aufspringen aus dem Bett, wenn der Wecker klingelt, das Schlafen auf Holzpritschen, die finanzielle Genügsamkeit. (Vater Escrivá: »Wenn Du begriffen hast, dass der Leib Dein Feind ist, warum fasst Du ihn dann so weich an?«) Stellungnahme der Organisation zur Frage der körperfeindlichen »Bußübungen«: Die Selbstgeißelung sei nicht annähernd so schlimm wie die Torturen, die sich Menschen heute mit ihrem Diätwahn zufügen oder auf den Folterbänken der Fitness-Studios.
Einer der Hauptvorwürfe, die immer wieder von Kritikern kommen: Opus Dei arbeite mit sektenartigen, totalitären Methoden. Zum Beispiel mit Dauerkontrolle (im Opus-Dei-Jargon: geistliche Begleitung), Film- und Bücherverboten (im Jargon »Lektüreberatung«) bis hin zu Briefzensur und finanzieller Bevormundung. Den Vorwurf einer »Gehirnwäsche« von Mitgliedern lässt der amerikanische Autor John Allen in seinem soeben erschienenen Buch »Opus Dei – Mythos und Realität« allerdings nicht gelten: »Die meisten Mitglieder, die die Struktur als zu einengend empfinden, treten einfach wieder aus.«
Suche nach Halt und Kontur, Suche nach einem spirituellen Kontext, Suche nach Grenzerfahrung und Heldentum, Suche nach Zugehörigkeit – es gibt sicher viele Gründe, warum Menschen zu Opus Dei gehen. Wir haben sie zu respektieren, denn Toleranz auch gegenüber schwer nachvollziehbaren Gewissensentscheidungen gehört zu den Grundpfeilern einer demokratischen Gesellschaft. Doch sensibel reagieren wir zu Recht, wenn Menschen von Autoritätspersonen indoktriniert und umgepolt werden, sich zu stummen, ergebenen Werkzeugen machen lassen und keinen Weg mehr hinausfinden. Dass so etwas auch bei Opus Dei vorkommen kann, hört man von manchen Ex-Mitgliedern, darunter auch von solchen, die in der Hierarchie ganz oben gestanden haben. Etwa die Spanierin Maria Carmen del Tapia, die einige Jahre in unmittelbarer Nähe Escrivás gearbeitet hatte. Ihr Wunsch auszutreten wurde intern als schwere spirituelle Krise gedeutet; deshalb hielt man die Frau – nach deren Angaben – im römischen Hauptquartier acht Monate lang unter Hausarrest. Ein Fall von »Santa Coacción« – »heiligem Zwang«?
Das Ziel: der Gottesstaat?
Vermutlich. »Sollen wir nicht«, so Opus-Dei-Gründer Escrivá, »den heiliger Zwang anwenden, um das Leben vieler zu retten, die idiotischerweise unbedingt den Selbstmord ihrer Seele verüben wollen?« – Es gehe nur um die spirituelle Fürsorge für die Menschen, die sich dem Werk anvertrauen – so bescheiden formuliert Opus Dei offiziell seine Absichten. Doch weder dem Gründer Josemaria Escrivá noch dem heutigen Opus-Dei-Chef Bischof Javier Echevarría ist offenbar allein die Rettung von Einzelseelen wichtig. Immer ging und geht es um viel mehr. Um was?
In seinem »Da Vinci Code« beschreibt Dan Brown, wie sich die Geheimgesellschaft anschickt, die Macht im Vatikan zu erobern. Tatsächlich ist dieser Prozess längst in Gang gekommen. Der Aufstieg in Schlüsselpositionen im Zentrum der katholischen Christenheit begann unter Johannes Paul II. (1920 – 2005). Der polnische Papst tat Opus Dei gleich zwei maximale Gefallen. Erstens: Er erhob die Organisation zur »Personal-Prälatur«. Kenner der kirchlichen Machtszene wissen, welch einzigartiges Privileg dahintersteckt: Opus Dei kann weltweit an den lokalen kirchlichen Autoritäten, also an den Diözesen, vorbei agieren. Zweites Bonbon: Durch die Heiligsprechung von Vater Escrivá disziplinierte der Papst viele kircheninterne Opus-Dei-Kritiker (wie den deutschen Kardinal Karl Lehmann, der nunmehr Escrivá als Vorbild preist). Ein Heiliger ist heilig. Basta.
Auch der neue Papst Benedikt XVI., Ehrendoktor der spanischen Opus-Dei-Universität, zeigt bisher keine Ambitionen, sich dem Aufstieg von Opus Dei entgegenzustellen. Im Gegenteil. Den vatikanischen Pressesprecher Joaquín Navarro Valls, ein hohes Opus-Dei-Mitglied, hat er im Amt belassen und Georg Gänswein, Ex-Dozent der römischen Opus-Dei-Universität, zu seinem Sekretär berufen. Und vier Monate nach seiner Wahl erschien er an der Außenseite des Petersdoms, wo seit kurzem eine fünf Meter hohe Marmorskulptur von Vater Escrivá steht. Eine Initiative des Vorgänger-Papstes, doch Papst Benedikt ließ es sich nicht nehmen, das Denkmal persönlich einzuweihen.
Dass die Machtzentrale des Vatikans möglicherweise mehr und mehr von dem ominösen Geheimklub Opus Dei durchdrungen wird, ist für viele Katholiken schmerzlich und schwer zu schlucken. Den großen Rest der Welt aber interessiert es erst mal nicht. Der Vatikan war ja noch nie ein leuchtendes Beispiel für eine liberale Gesinnung. Ein bisschen mehr oder weniger konservativ, ein bisschen mehr oder weniger Opus Dei in den Kulissen des Petersdoms — spielt das denn überhaupt eine Rolle?
Hellhörig werden selbst kirchenferne Gemüter, wenn sichtbar wird, dass Opus Dei keineswegs nur den Vatikan im Visier hat, sondern nach globalem Einfluss strebt. Erklärtes Ziel des Opus Dei: »Wir haben den großen Ehrgeiz, die Institutionen der Völker, der Wissenschaft, der Kultur, der Politik, der Kunst zu heiligen und zu christianisieren.« Steht hinter dieser Vision nicht letztlich die Idee von einem Gottesstaat? Das würde bedeuten, dass alle Bereiche des Lebens (Wissenschaft, Kultur, Politik usw.) den Geboten und Verboten der Kirchenfürsten unterworfen wären – eine Rückkehr zu einem mittelalterlichen Denken, bei dem angeblich göttliches Recht über die Rechte der Menschen gestellt wird. Das wäre eine klare Absage an die Trennung von Kirche und Staat, an die moderne Demokratie, an die offene Gesellschaft.
Wenn dies das Ziel ist, dann kann es nur mit modernen Mitteln erreicht werden. Und die Opus-Dei-Mitglieder und Sympathisanten wissen sehr wohl, dass in der globalisierten Welt nichts geht ohne wirtschaftliches Networking – und eine bestausgebildete Elite. Wie weit sich ihr Geflecht aus Bankenbeteiligungen, Stiftungen, Tarnorganisationen verzweigt, lässt sich nicht mehr durchschauen. Aber Fakt ist: Über 27000 Absolventen der IESE (der Opus Dei Business School) sind schon in 92 Ländern aktiv, meldet die Website der hochkarätigen Kaderschmiede. Man muss nicht lange rätseln, wo sie aktiv sind. In den Führungsetagen.
Gerüchte: dubiose Transaktionen und Scheingewinne
Offiziell bestreitet die Organisation jede ökonomische Aktivität. Ihr derzeitiges Vermögen wird auf 2,8 Milliarden Dollar geschätzt – laut dem Opus-Dei-freundlichen Autor John Allen entspricht das aber nicht mehr als jenem einer mittelgroßen amerikanischen Diözese. Dennoch ist der Name Opus Dei im Zusammenhang mit dem einen oder anderen Wirtschaftsskandal bereits ungut aufgefallen. Zum Beispiel im Fall von Jose Maria Ruiz Mateos. 1980 besaß der Opus-Dei-Mann ein weltweit agierendes Firmenkonglomerat aus rund 600 Unternehmen mit 60000 Beschäftigten. Wegen dubioser Transaktionen und Scheingewinne wurde er schließlich verhaftet; an seinen Geschäften, so sagte er aus, habe Opus Dei kräftig mitverdient.
Verbindungen hatte Mateos auch mit dem Bankenimperium des Italieners Roberto Calvi, der wegen seiner Geschäfte mit dem Vatikan der »Bankier Gottes« genannt wurde, 1982 spektakulär Pleite ging und erhängt unter einer Brücke in London gefunden wurde. Mit Calvis Banco Ambrosiano geriet auch die Vatikanbank IOR ins Zwielicht. Sie war mit Abstand der größte Minderheitsaktionär des zusammengebrochenen Geldkonzerns. Die italienische Bankenkontrolle machte den Vatikan mit haftbar; er erklärte sich zur raschen Zahlung von 250 Millionen Dollar bereit. Dabei sollen ihm, so Calvis Familie, Opus-Dei-Banker aus der Klemme geholfen haben – was die gegenseitige Sympathie vermutlich nur noch mehr gestärkt hätte.
Wie immer wäscht die Organisation auch in solchen Fällen ihre Hände in Unschuld. Übernimmt keinerlei Verantwortung für eventuelle unmoralische Geldgeschäfte ihrer Mitglieder. Juris-tisch ist ihr bisher auch noch nie eine Verwicklung nachgewiesen worden. Dazu Ex-Opus-Mitglied Widmar Puhl, der in der Informationsabteilung des deutschen Opus Dei gearbeitet hat: »Die Organisation ist reich und versteckt diesen Reichtum hinter juristischen Tricks. Und da beginnt ein regelrechtes Verwirrspiel mit Tarnorganisationen.«
Die Zukunft: diskret und effizient
Die Angst vor einer wirtschaftlichen Verschwörung, vor einer schleichenden Übernahme der Chefetagen und damit der Macht durch eine Geheimgesellschaft ist kein neues Thema. Sie taucht immer wieder in der Geschichte und an vielen unterschiedlichen Ecken auf, so auch im Zusammenhang mit den Freimaurern oder den mysteriösen Weisen von Zion (die es nie gab!). Verschwörungstheorien, auch das lehrt die Geschichte, sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Gleichwohl müssen wir wachsam sein, wenn sich Organisationen in unserer offenen, demokratischen Gesellschaft nach außen abschotten und ihre Absichten verbergen. Auch die Gefährdung von Menschen durch seelische Infektion ist eine berechtigte Sorge. Doch in erster Linie kommt es auch im Fall dieser erzkatholischen Geheimgesellschaft auf einen nüchternen Umgang an. Denn: Eine Institution zu dämonisieren verhilft dieser indirekt nur zu noch mehr Macht.
So hat auch Bestsellerautor Dan Browns schaurige Fiktion von den Machenschaften der Organisation schon Wirkung gezeigt. Freudig registriert Opus-Dei-Pressesprecher Marc Caroggio: Der Wirbel um den »Da Vinci Code« habe in den USA dazu geführt, dass innerhalb von wenigen Wochen eine Million Menschen die Homepage der Organisation anklickten. Der gleichnamige Film mit Tom Hanks und Audrey Tautou wird den globalen Hype vermutlich noch mehr anheizen. Eine indirekte Werbung für Jesus, sagt Marc Carroggio – und meint damit: für das Werk Gottes. Als einzige offizielle Reaktion der Organisation auf die Imagebesudelung durch Dan Brown stellt er großmütig ein Friedensangebot in Aussicht. Ein Friedensangebot? Das bedeutet wohl: Die Opus-Dei-Führung setzt darauf, dass sich der aufgewirbelte Staub früher oder später legt – und »Gottes Werk« in bewährter Diskretion effizient weitergeführt werden kann.
Auf dem Weg‚ zu einer toleranten und freiheitlichen Gesellschaft wird die Menschheit immer wieder Gegenströmungen erleben. Opus Dei ist eine davon.
- Vatikan
- Totenkult
- Beruf »Heiliger Vater«

























