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Waterloo
Napoleons letzte Schlacht
Heute ist das Schlachtfeld in Belgien in unserem Wortschatz zum Inbegriff von enttäuschter Hoffnung und vernichtender Niederlage geworden. Aber was geschah am 18. Juni 1815 wirklich – als Napoleon sein »Waterloo« erlebte?
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Die hügelige Ebene südlich von Brüssel war mit Verwundeten, Sterbenden und Toten bedeckt. An den durchsiebten Mauern von La Haye Sainte und Frichemont stapelten sich die Gefallenen in hohen Wällen. Die Getreidefelder waren zertrampelt und von blutigem Schlamm durchtränkt. Die ganze vorherige Nacht und den folgenden Nachmittag hatte es in Strömen geregnet, die Erde war aufgeweicht, Geschütze und Nachschub steckten im zähen Morast. In der Ebene um das Gehöft La Belle-Alliance hatte die »Alte Garde«, die kaiserliche Elitetruppe Napoleons, den Imperator und die letzten Überlebenden seines Stabes in die Mitte ihres Karrees genommen und verzweifelten Widerstand geleistet.
Doch es war vergebens gewesen: Um 21 Uhr waren die Verbündeten der Gegenseite, der Herzog von Wellington und der Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht Fürst Blücher, in Napoleons ehemaliges Hauptquartier eingezogen. Am Ende dieses 18. Juni 1815 hatten die alliierten englischen und preußischen Truppen zusammen weit über 30000 Tote zu beklagen gehabt. Auf der gegnerischen Seite unter Napoleon Bonaparte waren rund 42000 Soldaten gefallen. Sie war eine der blutigsten Schlachten der Befreiungskriege, doch aus Sicht der Alliierten hatte sie sich durchaus gelohnt: Europa war endlich von der Hegemonie Frankreichs befreit.
Die bange Frage war jedoch, ob der Sieg dieses Mal ein endgültiger sein würde. Nach der Einnahme von Paris durch die Verbündeten am 31. März des vorangegangenen Jahres hatte der Kaiser der Franzosen schon einmal kapitulieren müssen. Seine Verbannung auf die Insel Elba war indes keineswegs so endgültig gewesen, wie die Sieger es sich vorgestellt hatten. Während sie noch in Wien verhandelten, um die Beute stritten und auf großen Bällen und bei Paraden ihren Triumph feierten, war Napoleon im März 1815 heimlich nach Frankreich zurückgekehrt. Seiner nächtlichen Landung in Marseille war ein einzigartiger Siegeszug gefolgt: Er hatte die verstreuten Truppen wieder gesammelt und war in Richtung Hauptstadt marschiert. Am 1. Juni war der Verbannte erneut als Kaiser in Paris eingezogen, und in kürzester Zeit stand eine Armee von knapp 350000 Mann bereit, um die Sieger herauszufordern und Europa abermals nach den Vorstellungen Napoleons zu gestalten.
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