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1812: Feldzug nach Moskau

Napoleons Krieg gegen den Zaren

Vor 200 Jahren marschierte der Kaiser der Franzosen mit einer riesigen Armee nach Osten, um Russland auf seine Seite zu zwingen. Doch Bonaparte wurde vernichtend geschlagen. Wie konnte das passieren?

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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In Herrscherpose ließ sich Napoleon gern darstellen - doch am Ende scheiterte er
Templermeister / pixelio.de

Vor genau 200 Jahren schickte Napoleon die Grande Armée nach Russland und damit ins Verderben. Vordergründig betrachtet, scheiterte der Kaiser der Franzosen an der Größe des Zarenreichs und dem einsetzenden russischen Winter. Doch es gibt auch eine tiefergehende Ursache der Katastrophe: das Minderwertigkeitsgefühl des korsischen Emporkömmlings.

Die Grande Armée trug ihren Namen zu recht: Mehr Soldaten hatte noch kein europäischer Herrscher aufgestellt, mehr Nationen waren noch nie ge-meinsam ins Feld gezogen. Das Heer, das Napoleon Bonaparte nach Osten schickte, zählte mehr als eine halbe Million Mann – unter ihnen Franzosen und Belgier, Holländer, Italiener und Schweizer, Bayern, Baden, Württemberger, Westfalen und Sachsen. Am 24. Juni 1812 überschritt die Streitmacht die Memel und betrat damit russischen Boden. Napoleon war sich seiner Sache sicher: In wenigen Wochen würde das Heer des Zaren geschlagen sein. Dann musste sich auch Russland der Wirtschaftsblockade anschließen, die Frankreich gegen seinen Erzfeind England verhängt hatte; das Inselreich würde in die Knie gezwungen und ganz Europa unter der Herrschaft der Bonapartes in Frieden leben.

Auf die Warnungen seiner Berater hatte Napoleon nicht hören wollen. Der Kaiser der Franzosen fühlte sich von der »Vorsehung« auserwählt, sein Ziel zu erreichen: »Ich habe meine Bestimmung noch nicht erfüllt: Ich will beenden, was ich kaum begonnen, aus allen Völkern Europas muss ich ein Volk und aus Paris die Hauptstadt der Welt machen.« Wer sich seinem Willen widersetzte, musste mit Konsequenzen rechnen: Gegen den russischen Zaren Alexander, der es gewagt hatte, die Wirtschaftsblockade zu unterlaufen und britische Waren zu importieren, mobilisierte Napoleon alle seine Verbündeten.

Doch der Traum vom schnellen Sieg wurde zum europäischen Trauma. Wochenlang marschierten die Einheiten, die Napoleons Bündnispartner geschickt hatten, gen Osten, ohne auf eine feindliche Streitmacht zu treffen. Alles, was Napoleons Männer sahen, waren verlassene und niedergebrannte Höfe und Dörfer. Bis vor kurzem gingen die Experten davon aus, dass die Verwüstungen das Ergebnis der russischen Strategie waren. Der Zar habe eine Politik der verbrannten Erde verfolgt. Doch mittlerweile melden sich immer mehr Zweifler zu Wort: Der amerikanische Historiker Adam Zamoyski, der ein Buch mit dem kurzen Titel »1812« über den Feldzug geschrieben hat, vermutet, es habe überhaupt keine Strategie gegeben. Seine Recherchen haben ergeben, dass sich der Zar und seine Generäle auf kein gemeinsames Vorgehen einigen konnten – und daher immer mehr in die Defensive gerieten.

Die russischen Truppen waren außerdem zu verstreut, um sich formieren zu können. Sie vermieden jede Konfrontation und zogen sich immer weiter zurück. Dabei raubten sie nicht nur die Dörfer aus und nahmen alle Vorräte mit, sondern warnten auch die Bewohner vor den bevorstehenden barbarischen Übergriffen der herannahenden Feinde. Die Bauern flohen daraufhin mit ihrem Vieh in die Wälder. Sicher ist: Napoleons Taktik, die Truppen im Land zu ernähren, funktionierte in Russland nicht. Die Soldaten hungerten, verendete Pferde säumten die Straßen, viele Rekruten desertierten oder nahmen sich das Leben. Schätzungen zufolge schrumpfte die Grande Armée innerhalb weniger Wochen auf ein Viertel ihrer ursprünglichen Größe zusammen.

Diejenigen, die ihrem Kaiser noch weiter folgten, murrten: Es gab kaum Schlachten zu schlagen und noch weniger Siege zu feiern (siehe Kasten auf Seite 18). Erst hundert Kilometer vor Moskau sammelten die Russen alle ihre Kräfte, um den Vormarsch der Grande Armée zu stoppen. Am 7. September kam es bei Borodino zu einem blutigen Gefecht, in dessen Verlauf 70000 Soldaten starben oder schwer verletzt wurden. Einer der französischen Generäle berichtete, kein Schlachtfeld habe je einen so schauderhaften Anblick dargeboten. Die russische Armee musste am Ende zurückweichen, war aber nicht geschlagen. Obwohl Napoleon den Sieg für sich beanspruchte, war die Stimmung in seinem Lager bedrückt, die Soldaten waren ausgehungert und abgekämpft. Nur noch die Hoffnung auf die Schätze und die kulinarischen Genüsse, die sie in Moskau vorzufinden glaubten, trieb sie voran. Ihr Kaiser ritt voraus, fest überzeugt, dass Zar Alexander um Frieden bitten würde, sobald seine Grande Armée vor dem Kreml, dem alten Zentrum des Reichs, stünde.

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Autor/in: Monika Weiner

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