Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Frauenheld

Napoleons Eroberungen

Obwohl körperlich wenig attraktiv, hatte Napoleon auf der Höhe seiner Karriere enormen Erfolg bei den Frauen. Neben zahllosen amourösen Eroberungen, mit denen er sich beweisen musste, gab es zwei Ehefrauen und eine ernsthafte Liaison mit Folgen. Seine Beziehungen zu Frauen waren jedoch immer mit politischem Kalkül verknüpft.

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
Hier geht's zum aktuellen Heft »

»Der Kaiser!«, schallt es durch den großen Saal. Die Türen fliegen auf. Die Gespräche verstummen. Man bildet ein Spalier. Hindurch schreitet ein Mann, der gerade einmal 1,58 Meter misst. Um seinen Mangel an Körpergröße auszugleichen, hebt er seine Brust und widersteht nur mühevoll der Versuchung, auf Zehenspitzen zu gehen. Sein Körper wirkt ein wenig aufgedunsen und plump. Seine 38 Jahre sieht man ihm an. Die gelbliche Farbe seiner Haut lässt vermuten, dass er kränkelt. Aus seinem Gesicht ragt eine eckige Hakennase hervor, und seine Augen bohren sich mit beängstigendem Starrblick in einzelne Gäste. Eigentlich sieht er nicht aus wie der Inbegriff des glorreichen Helden – und dennoch: Die Frauenherzen fliegen auch an diesem Warschauer Gala-abend des Jahres 1807 im Eiltempo auf ihn zu.

Vor wenigen Wochen sind Napoleons Truppen nach erfolgreichem Preußenfeldzug unter dem Jubel der Bevölkerung in Warschau eingezogen. Die Polen setzen in den Bezwinger der Preußen, Österreicher und Russen, die sich den polnischen Staat untereinander aufgeteilt haben, ihre Hoffnung: Er wird das unabhängige Polen wieder herstellen!

Auf dem Galaabend zu Napoleons Ehren folgen Hunderte von Frauenaugen jedem seiner Schritte: »Ich erlebte eine Art Betäubung«, berichtet eine der Anwesenden, »wie wenn man ein Wunder sieht. Es schien mir, als schwebe ein Heiligenschein um sein Haupt. Der einzige Gedanke, den ich hegen konnte, war, dass ein solches Wesen unmöglich sterblich sein könnte.« Der Adrenalinspiegel steigt, wenn der Feldherr das Wort an einzelne Damen richtet: »Wenn er mit Frauen sprach, war ihm ein Lächeln eigen, das seinem Gesicht alles Strenge nahm, das der durchdringende Blick ihm verleihen konnte.«

Napoleons durchdringender Blick verharrt an jenem Abend jedoch nur auf einer einzigen Frau: Zwischen all den Damen in aufwändiger Garderobe trägt sie lediglich ein weißes Atlaskleid mit weißem Tüllüberwurf.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 1.5 (2 Bewertungen)
Autor/in: Katharina Kramer


Mehr zum Thema: