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Xenoglossie

Mit fremder Zunge

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Wie kommt es, dass Menschen in einer Sprache reden, die sie gar nicht kennen? Manche von ihnen erzählen dabei sogar Einzelheiten aus einem anderen Leben.

Gespannte Stille herrscht im Wohnzimmer des amerikanischen Pfarrers Carroll Jay. Der Geistliche, der sich auf Hypnose versteht, hat seine Frau Dolores in tiefen Schlaf versetzt. Bei früheren Sitzungen, die eigentlich ihre Kopfschmerzen heilen sollten, sprach die Hausfrau aus Elkton im US-Bundesstaat Virginia auf einmal Deutsch – eine Sprache, die sie im Wachzustand gar nicht beherrscht. Und sie teilte Erstaunliches mit: Sie heiße Gretchen Gottlieb und lebe am Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland.

Ob sie heute, am 11. Mai 1973, in der Hypnose wieder in diese Rolle schlüpfen wird? Das möchte auch der kanadische Psychiatrieprofessor Ian Stevenson wissen, der angereist ist, um Gretchens Geschichte auf den Grund zu gehen. Als sie sich im Dämmerschlaf der Hypnose befindet, fragt er sie auf Deutsch: »Wie alt bist du, Gretchen?« Und die amerikanische Pfarrersfrau antwortet, ebenfalls auf Deutsch: »Vierzehn.«
»Wo wohnst du jetzt?« – »In Eberswalde.«
»Wo ist Eberswalde?« – »Deutschland.«
»Was tut der Vater?« Gretchen atmet tief ein. Dann seufzt sie leise: »Ist Bürgermeister.«
»Ist dein Vater gut?« – »Ja, gut zu mir.«

Nach mehreren weiteren Hypnose-Sitzungen ist Stevenson sicher: Dolores Jay muss schon einmal gelebt haben. Nicht zuletzt ihre Deutschkenntnisse überzeugen ihn davon.
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Autor/in: Katharina Kramer


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