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Biowaffen
Mit der Bibel gegen Gift
Rizin ist extrem giftig – und es hat das Potenzial zur Terrorwaffe. Noch gibt es kein Gegengift – aber die Bibel hat Forscher jetzt auf die richtige Spur gebracht.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Der bulgarische Journalist und Schriftsteller Georgi Markow ahnt nichts Böses, als er an diesem Tag im Spätsommer 1978 auf der Waterloo Bridge in London auf seinen Bus wartet. Plötzlich fühlt er ein leichtes Piksen in der Wade; ein Spaziergänger hat wohl versehentlich seinen Regenschirm zu weit angehoben. Was Markow nicht weiß: Der vermeintliche Spaziergänger ist in Wirklichkeit ein sowjetischer Geheimagent. Und der Regenschirm vergiftet.
Markow ist dem obersten Parteifunktionär und Diktator Bulgariens ein Dorn im Auge, jetzt soll er beseitigt werden. Und zwar mit äußerster Raffinesse: Der Regenschirm, mit dem der Spion den Schriftsteller in die Wade sticht, ist so präpariert, dass er ein winziges Platinkügelchen in dessen Wade injiziert. Das Kügelchen ist randvoll mit Rizin, einem hochgiftigen Stoff: Noch in derselben Nacht bekommt der Schriftsteller hohes Fieber. Seine Atmung wird schwer, der Kreislauf kollabiert – typische Anzeichen einer Rizin-Vergiftung. Die Ärzte sind ratlos. Sie erkennen Markows kritischen Zustand, finden aber den Grund nicht heraus. Wenige Tage später stirbt er an Herzstillstand. Das tödliche Kügelchen finden die Ärzte erst bei der Obduktion.
Das Attentat auf Markow zählt zu den schaurigsten Geschichten des Kalten Krieges. Vor allem die Sowjets, aber auch die USA experimentierten in ihren Labors mit tödlichen Bakterien, Viren und Giften zur biologischen Kriegsführung. Und nicht nur sie: Ende der 1990er Jahre fanden die Waffeninspektoren der UNO im Irak zwar keine Atomwaffen, aber biologische und chemische Kampfstoffe in rauen Mengen – darunter auch Rizin-Lösung, die vermutlich in Artilleriegeschosse abgefüllt werden sollte. Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 kehrte die Biowaffen-Bedrohung wieder zurück.
Der Giftstoff Rizin, der den bulgarischen Schriftsteller das Leben kostete, zählt zu den Kampfstoffen, die sich relativ leicht beschaffen lassen und deswegen besonders attraktiv für Terroristen sind: So fand die britische Polizei in der Wohnung des 2003 in London verhafteten Algeriers Kamel Bourgass eine Anleitung zur Gewinnung von Rizin. Der Terrorist sollte im Auftrag von Al Quaida Anschläge in London und anderen englischen Städten verüben. Dazu wollte er das hochkonzentrierte Gift auf Türgriffen von Autos und Häusern verteilen. Und auch rechtsextreme Terroristen schätzen das Gift: In den USA kursierte es ein Zeit lang vor allem in der Neonazi-Szene.
Rizin gilt als eines der gefährlichsten natürlichen Gifte überhaupt. Schon nach kurzer Zeit treten erste Symptome auf: Der Vergiftete erbricht sich, bekommt blutigen Durchfall, der Puls beschleunigt sich bis hin zum Kreislaufkollaps. Die inneren Organe, allen voran Niere und Leber, werden angegriffen und zerstört. Wenn man das Gift geschluckt hat, können bis zum Tod unter Umständen zwei bis drei Tage vergehen. Inhaliert das Opfer das Gift jedoch oder wird es ihm injiziert wie im Fall von Markow, treten die ersten Symptome schon nach wenigen Stunden auf. Die Dosis, die zum Tod führt, ist dann viel niedriger und verursacht schon nach wenigen Stunden einen Atemstillstand. Der Vergiftete erstickt.
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