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Mercedes E-Klasse Coupé: Es muss nicht immer Cabrio sein
Zugegeben, in die gängige Nomenklatur des Marketings mit den ewig dynamischen jungen Kunden, den hedonistischen Singles und bestverdienenden Mitdreißigern, passt das Coupé nicht. Es sind eher die Best-Ager, jene Genussmenschen, die sich den Luxus an Zeit und Geld leisten können, die sich nichts mehr beweisen müssen, die Wertiges zu schätzen wissen. Dabei ist das E-Klasse Coupé noch ein sehr junges Auto und hat vor gut einem Jahr jene Baureihe bei Mercedes abgelöst, der nur ein extrem kurzes Modellleben beschieden war.
Gerade Mal zwei Generationen waren dem CLK mit Coupé und Cabrio vergönnt, bis sie von der E-Klasse abgelöst wurden. Sicherlich hat auch dazu beigetragen, dass die Basis des CLK auf der C-Klasse stand, das Interieur sich aber an der nächsthöheren Klasse orientierte. Anfangs noch mit der B-Säule versehen, war der Modellreihe auch deshalb wenig Fortune beschieden, da das viertürige Coupé, der CLS Blicke und Käufer an sich zog und zeitweise das meistverkaufte Modell der Oberklasse war. Sein Facelift steht jetzt an, das S-Klasse Coupé will im Herbst kommen und das E-Klasse Cabriolet wird in wenigen Wochen in den Verkaufsräumen präsent sein. Modellflut der Coupés bei Mercedes, Stau in der Pipeline der Präsentationen. Grund genug, dem Coupé jenen Respekt zu zollen, den es verdient.
Form follows function, niemals besser scheint dies mit der gestreckten, bogenförmigen Coupélinie gelungen, als bei dem der E-Klasse. „Gone with the wind“, mit 0,24cw Weltmeister im Windkanal. Beeindruckende Bella Figura macht das vier-Meter-siebzig-Auto seitlich von hinten, da wirkt es dynamisch und kraftvoll, wenn es die ausgestellten hinteren Kotflügel strafft, wie der Bodybuilder den Bizeps. Und doch behält es die leichte Eleganz des schwebenden Dachs, die Coupés eigen sein sollte. Das geht der Business-Limousine E-Klasse ab. Welch Wunder auch, schließlich muss sie vier Türen und wichtiger noch, den im Fond Sitzenden auch ausreichend Beinfreiheit bieten und viel Stauraum bereit halten. Da darf sich das Coupé den Luxus gönnen, weniger ist mehr.
Für Fahrer und Co ist Platz übersatt vorhanden. Das Interieur strahlt sie mit jener Wertigkeit an, die einen schnell vergessen lässt, dass E-Klasse auch Taxi bedeutet. Keine Spur davon. Da hat enorm geholfen, dem Coupé ein eigenes Cockpit zu spendieren, jedenfalls die Instrumente so zu gestalten, dass die Unterschiede deutlich und die Einmaligkeit herausgestellt wird. Auch in die Sitzanlage ist mehr Komfort gepackt als bei der Limo. Der Charakter des Zweisitzers wird durch die integrierten Kopfstützen in hochgezogener Rückenlehne unterstützt. Der automatische Gurtbringer ist ebenso angenehm, wie das Straffen des Gurtbands nach dem Verankern im Schloss.
Das könnte gar als Aufforderung gedeutet werden, es doch ein wenig flotter angehen zu lassen. Das Zeug dazu hat der Wagen; die fahrdynamischen Unterschiede zur Limousine sind erfahrbar. Gewöhnungsbedürftig ist zwar das ausladende Lenkrad mit einem Radius, der an die Zeiten vor Erfindung der Servohydraulik erinnern mag, aber korrekt und zielgenau ist die elektrische Lenkung mit wechselndem Übersetzungsgrad dennoch. Sie spielt ihre Lage und Einlenkkräfte angenehm zurück.
Während der Testfahrten entpuppte sich der 350 CGI mit dem Blue Efficiency mit der Siebengang-Automatik als angenehm sparsam, ohne an Agilität einbüßen zu müssen. Lange Autobahnstrecken mit Tempi, die zwischen 120 und 170 km/h pendelten, verlangten einen Verbrauch von deutlich unter 9 Liter Super. Im reinen Stadtverkehr bei eisigen Wintertemperaturen durften es dann auch mal 12 Liter sein. In Summe aber wurden 9,2 Liter konsumiert. Für eine knapp 300 PS Maschine (genau 292 PS, Benzindirekteinspritzer, Vierventiler) von 1,66 Tonnen Gewicht ein formidabler Wert.
Wenn heutzutage die Fahrwerksingenieure so stolz auf ihre Entwicklungen sind und mit elektrisch verstellbaren Dämpfern und elektronischer Ansteuerung per Knopfdruck aus einer Sänfte einen brettharten Sportwagen machen können, so schert das den Coupéfahrer wenig. Sein Anspruch ist, das muss das Auto für mich machen. „Wozu leistet man sich denn Personal?“ So ist es auch eine Form von Luxus, sich darum nicht kümmern zu müssen. Je nach Fahrweise sorgen aufmerksame unsichtbare Geister dafür, dass schnell durchfahrenes Kurvengeschlängel mit der notwendigen Stabilität und straff durchhetzt werden kann.
Dass dann auch das volle Programm an Assistenzsystemen im Coupé angeboten wird, mag zwar Mercedes die Kasse füllen, aber ihre Notwendigkeit erschließt sich nicht immer. So lange die Geschwindigkeitsschilder zwar gelesen und im Tacho eingespielt werden, aber ihre zeitlich eingeschränkte oder witterungsbedingte Gültigkeit nicht erkannt wird, ist ein solches System noch nicht ausgereift. Auch bleibt unverständlich, warum der Bordcomputer ab einer bestimmten angezeigten Restreichweite das Rechnen aufgibt und sich keine Kilometerangaben entlocken lässt, obwohl die Fahrweise sich drastisch geändert hat. Aus 15 Kilometer können dann leicht noch 30 werden. Hingegen sind die radiounabhängigen Verkehrsdurchsagen für die gewählte Fahrstrecke von solch zuverlässiger und guter Qualität, dass gerne auf die endlos langen und wenig aktuellen Durchsagen der Verkehrssender verzichtet wird.
Fazit: So ist das E-Klasse Coupe der Einstieg in die Luxuskategorie von Mercedes, das sich jene gönnen, die sich etwas Gutes tun, standesgemäß unterwegs sein wollen, ohne auf den Cent schielen zu müssen. So definiert sich dann Luxus auch, nicht alle wollen, können es sich leisten. Und wem das E-Klasse Coupé zu plebeisch, dem bietet Mercedes mehr. An Luxuscoupés herrscht bei den Stuttgartern kein Mangel.























