Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Friedrich der Große
Mensch, Friedrich!
Alle reden vom »Alten« Fritz. Aber was geschah in der Zeit, in der Friedrich »groß« wurde? P.M. HISTORY analysiert gemeinsam mit Psychologen die Jugend, die den späteren König prägte
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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"Mein Leben ist seit meiner Jugend eine Kette von Leiden. Selbst mitten in den Freuden, die ich genieße, taucht das Bild meines Vaters auf, um sie zu vermindern"
Zwei Menschen haben bei diesem Pomp auch andere Gedanken im Kopf. Denn für den preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und seinen Sohn, den Kronprinzen Friedrich, ist das Fest nur eine Kulisse – für ihr persönliches Zerwürfnis. Der König, gequält von Gichtanfällen und gerade einem Brand entkommen, demütigt den 18-jährigen Sprössling. Er verprügelt ihn in aller Öffentlichkeit, zerrt ihn an den Haaren in den Staub, zwingt ihn so, völlig derangiert eine Parade abzunehmen und höhnt hinterher: Wenn er so von seinem Vater misshandelt worden wäre, hätte er sich »totgeschossen«. Aber Friedrich habe ja keine Ehre im Leib und lasse sich alles gefallen. Als hätte das noch nicht gereicht, legt der Vater dem Sohn nahe, er solle doch zugunsten des erst achtjährigen Bruders August Wilhelm auf den Thron verzichten...
»Der Vater war ein cholerischer, puristischer Machtmensch, sehr verarmt im emotionalen Bereich«, analysiert die Berliner Diplom-Psychologin Konstanze Münstermann den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm. »Friedrich wurde von ihm brutal in seiner Würde verletzt. Der wollte den Vater auch mal töten und war ihm doch in Liebe verbunden. Das hat ihn gehalten. Das ist der so genannte Ödipus-Komplex.« Für die Psychotherapeutin (siehe auch Interview Seite 45) macht es die wahre Größe Friedrichs aus, dass er, trotz der Tortur seiner Kindheit, überlebte und regieren konnte. Andere hätten das Spießrutenlaufen von Kindesbeinen an nicht ausgehalten.
Friedrich kommt am 24. Januar 1712 als viertes Kind von Friedrich Wilhelm I. und seiner Frau Sophie Dorothea zur Welt. Weil seine zwei älteren Brüder sterben, ist er der Thronerbe. Den Vater beschreibt der französische Philosoph Voltaire als »wahren Vandalen, der während seiner ganzen Regierungszeit nur darauf bedacht war, Geld anzuhäufen und mit so geringen Kosten wie möglich die schönsten Truppen Europas zu unterhalten«. Zeitgenossen schildern den Soldatenkönig zudem als »jähzornig, gewalttätig, geizig und bigott«, der Calvinist sei ein »frommer Sadist«. Ein Biograf schreibt, »Friedrich wurde in eine herzlose Familie ohne Zusammenhalt hineingeboren.« Denn die Königin, die aus dem hochadligen Haus Hannover stammt, behandelt ihren Gatten eher respektlos, macht sich mit den Kindern über den König lustig. Der nannte zwar seine Frau »Fiekchen« (Kosename von Sophie) und hatte sie wohl nie betrogen – er machte sich aber auch nicht viel aus ihr.
Friedrichs ältere Schwester Wilhelmine, zeit seines Lebens seine engste Vertraute, beschrieb die Mutter Sophie Dorothea so: »Die Königin ist niemals schön gewesen. Sie ist pockennarbig, und ihre Züge sind keineswegs klassisch (...). Ihre edle und majestätische Haltung flößt allen, die sie sehen, Ehrerbietung ein. Sie hat ein gutes und mildreiches Herz, sie liebt die schönen Künste und die Wissenschaften, ohne sich allzu sehr mit ihnen befasst zu haben (...). Ihr Ehrgeiz ist maßlos, sie ist grenzenlos eifersüchtig, argwöhnischen und rachsüchtigen Gemüts, und verzeiht nie, wo sie sich für beleidigt hält.«
Die Königin ist ständig schwanger, bringt 14 Kinder zur Welt und kann sich allein schon deshalb nicht so um Friedrich kümmern, wie es nötig wäre, um die Zumutungen des Vaters auszuhalten. Wie schlimm ihm mitgespielt wurde, hat Friedrich später noch im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) seinem Vorleser Henri de Catt erzählt. Er wache nachts schweißgebadet auf, weil er von seinem Vater geträumt habe: »Mein Leben ist seit meiner zartesten Jugend bis zu diesem Augenblick eine Kette von Leiden gewesen. Für einige Freuden habe ich tausend Mühen erfahren, und selbst mitten in den Freuden, die ich genieße, taucht das Bild meines Vaters auf, um sie zu vermindern. Wie rau ist er gen mich gewesen! Sie können sich davon keine Vorstellung machen.«
P.M. HISTORY 2/2012
Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen P.M. HISTORY »Friedrich der Große« – noch bis 9. Februar 2012 im Zeitschriftenhandel.
- Bruderkrieg
- Blüte der Künste
- 1800 bis 1813

























