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Terrorismus
Mein Nachbar, der Terrorist
Politsch oder religiös motivierte Extremisten greifen auch bei uns verstärkt zur Gewalt: Diese Gefahr ist real, aber im Alltag noch nicht so offensichtlich - anders als in den 70er- und 80er-Jahren
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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1105647/imagebrowser/view/imagecache/1105647/artikelbild1105646Totgesagte leben länger. Das gilt offenbar nicht nur für Personen, sondern manchmal auch für politische Strömungen. Als am 1. Juli 2011 der aktuelle Verfassungsschutzbericht vorgestellt wurde, warnte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) vor einer neuen Dimension linker Gewalt. Ihn beunruhigte nicht nur, dass die Zahlen Linksextremistischer Straftaten im ersten Quartal 2011 auf einen Höchststand geklettert waren. Vor allem deren Radikalität machte ihm Sorgen: linke Gewalttäter stünden mittlerweile »an der Schwelle zu einem neuen Linksterrorismus«, sagte er der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Wenn Autonome Autos anzünden oder Polizisten angreifen, nähmen sie in Kauf, dass dabei Menschen ums Leben kommen. Tödliche Gewalt von Links – da werden Erinnerungen an die 1970er- und 80er-Jahre wach, als die Terroristen der »Rote Armee Fraktion« die Bundesrepublik in Atem hielten.
Steht uns jetzt eine neue RAF ins Haus? Dabei hatte es noch zehn Tage vor der Veröffentlichung des Verfassungsschutzberichts so ausgesehen, als sei dieses Kapitel endgültig abgeschlossen: Am 20. Juni war das letzte inhaftierte RAF-Mitglied vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Birgit Hogefeld hatte wegen Beteiligung an der kaltblütigen Hinrichtung eines US-Soldaten und anderer Verbrechen insgesamt 18 Jahre in Haft gesessen. die Anschläge der RAF hatten zweifellos eine andere Qualität als das, was Linksextremisten zuletzt in Berlin oder Hamburg gezeigt haben – meint etwa der grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. In einem Interview mit P.M. Perspektive (3/2011) betonte er zwar, deren Aktionen »nicht bagatellisieren« zu wollen, bestand aber darauf, dass die Gewalt »nicht vergleichbar mit organisiertem Terrorismus wie in den 70er- und 80er-Jahren« sei. Uwe Schünemann ist anderer Ansicht: Für ihn zeige gerade die geschichte der RAF, dass »der Weg vom Brandanschlag zu gezielten Mordanschlägen nicht weit ist«.
Wer die Besorgnis von Verfassungsschützern und Innenministern vor neuen Terroristen jedweder Couleur nachvollziehen will, muss sich nur die Geschichte des Terrors in der deutschen Nachkriegsgeschichte ins gedächtnis rufen. Dabei trat die RAF beileibe nicht als einziger Akteur in Erscheinung. Dennoch steht sie bis heute als Synonym für die extremste Form politisch motivierter Gewalt in unserem Land. Mit Brand- und Sprengstoffanschlägen, Banküberfällen, Entführungen und Mordattentaten hatte sie 23 Jahre lang für Angst und Schrecken gesorgt. Ob konservativer Politiker, Führungskraft aus Wirtschaft und Finanzwelt oder »imperialistischer« US-Soldat: sie alle standen potenziell im Fadenkreuz. Die RAF-Terroristen töteten 33 Menschen und verloren 21 aus ihren eigenen Reihen. Sie selbst verstanden sich als »kommunistische, antiimperialistische Stadtguerilla« nach südamerikanischem Vorbild. Die Terrorwelle, die 1968 mit zwei Brandanschlägen auf Frankfurter Warenhäuser begann, fand im »Deutschen Herbst« 1977 ihren blutigen Höhepunkt: Dramatische Szenen spielen sich am 5. September ab, als ein RAF-Kommando mit hunderten Schüssen zwei Mercedeslimousinen durchsiebt. Die Attentäter erschießen vier Begleiter des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, er selbst wird entführt. Ziel der Aktion ist es, die inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe freizupressen. Als sich die Bundesregierung auf dieses Spiel nicht einlassen will, entführt ein Kommando der verbündeten Organisation »Volksfront zur Befreiung Palästinas« (PFlP) die Lufthansamaschine »Landshut«.
P.M. HISTORY 09/2011
Lesen Sie den ganzen Artikel in P.M. HISTORY 09/2011 »Die dunkle Weltmacht TERROR« - noch bis 15. September im Zeitschriftenhandel
- 1977
- Justizskandal
- »Mich kann man leicht mundtot machen ...«






















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