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Flugverkehr

Mehr Sicherheit! Auch auf Kosten unserer Freiheit?

Nach den vereitelten Anschlägen schrillen die Alarmglocken lauter denn je. Noch mehr Sicherheit wird gefordert. Vor allem im Flugverkehr. Wir berichten über die Pläne der Experten. Dabei stellt sich die Frage: Ab wann wird Sicherheit im Flugverkehr zur Last?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Seit »9/11« entwickeln Forscher und Unternehmen in aller Welt neue Sicherheitstechnologien – und Konzepte, den Flugverkehr terrorsicher zu machen
iStockphoto

Sie waren die netten Jungs von nebenan, perfekt in ihr soziales Umfeld integriert, immer höflich, zuvorkommend – und unauffällig. Doch im Geheimen verfolgten die Männer einen teuflischen Plan: Zehn Passagiermaschinen mit Destination USA sollten während des Fluges gesprengt werden – eine konzertierte Terrorwelle, die die Welt wohl ähnlich erschüttert hätte wie die Anschläge vom 11. September 2001.

Die Attentäter von London hatten alles bis ins kleinste Detail geplant. Der Flüssigsprengstoff, den sie einsetzen wollten, wäre höchstwahrscheinlich bei keiner Sicherheitskontrolle am Flughafen aufgefallen. Nur monatelanger Ermittlungsarbeit war es zu verdanken, dass der Plan der islamistischen Fanatiker im August dieses Jahres letztlich doch vereitelt werden konnte.

Nach den verhinderten Anschlägen von London fragt man sich einmal mehr: Was ist eigentlich so schwierig daran, Flugzeuge und deren Passagiere vor Terroristen zu schützen? Welche neuen Technologien könnten verhindern, dass Attentäter Sprengstoffe und Waffen an Bord bringen? Ist absolute Sicherheit im Flugverkehr überhaupt möglich?

Seit »9/11« entwickeln Forscher und Unternehmen in aller Welt neue Sicherheitstechnologien – und Konzepte, die Flugzeuge terrorsicher machen sollen. Das Spektrum reicht von biometrischen Erkennungsverfahren über ausgeklügelte Sprengstoff-Detektoren bis hin zu Raketenabwehrsystemen für Passagiermaschinen.

Im Rahmen des Projekts SAFEE (»Security of Aircraft in the Future European
Environment«) arbeiten auch europäische Wissenschaftler, Techniker und Konstrukteure daran, das Fliegen sicherer zu machen. Ziel des 2004 gestarteten Programms ist es, Passagierflugzeuge quasi zur »fliegenden Festung« auszubauen.

Eine Vielzahl elektronischer Sicherheitslösungen fließt in das Projekt ein. Sie sollen es Terroristen unmöglich machen, in ein Flugzeug zu gelangen bzw. dessen Kontrolle an sich zu reißen. Sicherheitspakete wie SAFEE, Raketenabwehrsysteme für Passagierflugzeuge, biometrische Überwachungen an Flughäfen, Terahertz-Scanner, flächendeckende Kontrollen von Sportflughäfen und Privatflugzeugen oder etwa Vernebelungssysteme für Atomkraftwerke – all diese Hightech-Sicherheitsmaßnahmen sollten jedoch den Blick auf das Wesentliche nicht versperren.

»Sicherheit ist nie perfekt, sie ist immer ein Kompromiss«, meint der angesehene US-Sicherheitsexperte Bruce Schneier: »Wenn man denkt, dass man bestimmte Materialien von einem Flugzeug fernhalten könnte, ist das gefährlicher Selbstbetrug. Man darf auch nicht vergessen, dass sich die Terroristen unsere Sicherheitsmaßnahmen genau ansehen. Pistolen und Messer sind an Bord verboten, also nehmen sie Teppichschneider. Wir verbieten Teppichschneider und Korkenzieher – also verstecken sie ihre Bomben in ihren Schuhen. Dann röntgen wir Schuhe, und die Terroristen nehmen Flüssigkeiten und Gels mit an Bord. Verbieten wir die, fällt ihnen garantiert noch etwas anderes ein.«

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Autor/in: Ingo Lackerbauer

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