Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Durch die digitale Vernetzung der einzelnen Bereiche in Großkliniken werden individuelle Diagnosen und Therapien immer effektiver. Die Zeit, die dabei gewonnen wird, soll den Kranken und ihrer persönlichen Betreuung zugute kommen. Denn: Patienten, die sich wohl fühlen, werden nachweislich schneller gesund.
Auf dem Weg zur Cafeteria: Dem Mann, der in Trainingsanzug und Pantoffeln über den Flur läuft, stockt plötzlich der Atem. Dann geht alles ganz schnell – mitten im lichtdurchfluteten Foyer des Krankenhauses schwinden ihm die Sinne, er bricht zusammen.
Schon zwei Minuten später kniet eine von der nächstliegenden Station herbeigerufene Ärztin neben dem bewusstlosen Mann. Er atmet nicht mehr. Sofort alarmiert die Ärztin das Beatmungs- und Re-animationsteam im Haus und zieht ein kleines Gerät aus ihrer Kitteltasche, kaum größer als ein Handy. Der Minicomputer reagiert mit einem Piepston, als die Frau ihn in die Nähe des Handgelenks des bewegungslosen Mannes bringt. Am Unterarm des Patienten befindet sich ein schmales Kunststoffarmband, in das ein Funketikett integriert ist. Der Minicomputer hat die auf dem Etikett gespeicherte Patientennummer per Funk erkannt: Nach wenigen Sekunden kann die Ärztin damit die komplette Akte des Patienten auf dem Touchscreen abrufen. Sie erfährt, dass der Mann wegen eines Blutgerinnsels im rechten Unterschenkel, einer Thrombose, in der Klinik ist. Seine plötzliche Bewusstlosigkeit und der Atemstillstand lassen vermuten, dass er eine Lungenembolie erlitten hat – ein Teil des Gerinnsels hat sich gelöst und verstopft nun ein Blutgefäß in der Lunge. Diese typische Komplikation bei Thrombose-Patienten kann tödlich sein.
Dank der Informationen aus dem Minicomputer kann die Ärztin schnell reagieren: Der Patient wird sofort beatmet und auf die Intensivstation gebracht. Dort ist man per Funk längst informiert. Ein Blick auf den Computer-Bildschirm, schon weiß auch der Dienst habende Intensiv-Arzt Bescheid über den anrollenden Patienten und seine Krankengeschichte. Als der Mann auf der Station eintrifft, steht die medikamentöse Lyse-Therapie bereit, mit deren Hilfe der Blutpfropf in der Lunge des Patienten aufgelöst werden kann. Die rasche Behandlung steigert die Überlebens-chancen erheblich. Wenn alles gut geht, kann der Mann die Intensivstation in wenigen Tagen wieder verlassen.
Diese Szene ist keineswegs eine realitätsfremde Wunschvorstellung. An der Uniklinik Jena wurden die leistungsfähigen Minicomputer für die Kitteltasche, so genannte PDAs, längst erfolgreich getestet. »Ärzte können damit jederzeit alle Patientendaten, auch Bilder und die neuesten Laborbefunde, abrufen. Soll ein Patient verlegt werden, kann die Krankenschwes-ter die Umbuchung mit dem PDA direkt online regeln«, sagt Dr. Axel Ellmer, Produktmanager des Berliner Unternehmens GSD für Systemforschung und Dienstleis-tungen im Gesundheitswesen.
Den Weg zur elektronischen Patientenakte haben viele Krankenhäuser schon heute beschritten. Papierberge in den Schränken der Klinikverwaltung und meterweise Ausdrucke von Labordaten, wie sie das Pflegepersonal heute noch vielerorts bei jeder Visite über die Krankenhausflure wuchten muss, werden in ein paar Jahren der Vergangenheit angehören. Stattdessen sind dann mobile Computer und PDAs im Einsatz, alles schnurlos und online vernetzt. Wenn in ein paar Jahren auch an jedem Krankenbett ein Multifunktionsbildschirm steht, kann der Arzt aktuelle Befunde oder Aufnahmen dort direkt abrufen und dem Patienten erklären. Clevere Computerprogramme, wie beispielsweise »Soarian« von Siemens, werden künftig die Daten koordinieren – ob es nun um die Abrechnung mit der Krankenkasse geht, einen Diätplan, den der Patient einhalten soll, oder seine aktuellen Blutdruckwerte.
Basierend auf einem System von GSD arbeitet der deutsche Krankenhaus-Konzern Helios schon heute mit elektronischen Küchenhilfen. Per digitale Vernetzung wird die Essensausgabe optimiert. So erhält jeder Patient die für ihn richtige Kost. Und so passiert es auch nicht mehr, dass überflüssige Mahlzeiten, etwa an frisch operierte Patienten, ausgeteilt werden.
Röntgen-, Ultraschall- und Tomografieaufnahmen werden schon heute in vielen Kliniken digitalisiert. Als ein deutsches Vorzeigeprojekt gilt das Hamburger Marienkrankenhaus: Hier hat die Firma Siemens die Abteilung für Radiologie komplett vernetzt. So können Bilddaten nur wenige Minuten nach ihrer Aufnahme überall im Krankenhaus vom Arzt abgerufen werden. Das spart Zeit, die Leben retten kann. »Früher lagen die Befundzeiten teilweise bei 48 Stunden – heute schaffen wir das in 15 Minuten«, sagt Holger Reims von Siemens Medical Solutions.
Schon bald Realität sind auch Armbänder für Patienten, in denen Funketiketten eingebaut sind. In einem New Yorker Krankenhaus – ein Pilotprojekt der Firma Siemens – tun sie bereits ihren Dienst, und in diesen Wochen starten die Tests auch in Deutschland. Mit Einverständnis der Patienten wird auf dem Funketikett eine individuelle Codenummer gespeichert. Nur wer – wie der zuständige Arzt – ein gültiges Passwort besitzt, kann mithilfe dieser Nummer die persönlichen Patientendaten einsehen, die im Krankenhaus zentral und verschlüsselt gespeichert sind.
Innovative Informationstechnologie am Handgelenk bald auch für Ärzte: Getestet werden Armbanduhren mit integriertem Chip, die es in Kombination mit einer PIN-Nummer erlauben werden, elektronische Rezepte auszustellen. Außerdem können biometrische Erkennungsmerkmale in Zukunft sicher dafür sorgen, dass nur autorisierte Personen Zugang zu Patientendaten erhalten. Vorteil: Der Arzt kann von überall – auch von zu Hause aus – kontrollieren, wie es um seine Patienten steht.
Besserer Arbeitsfluss und höhere Effizienz – das verspricht man sich von der Klinik der Zukunft, in der innovative Computer-Technologien eine immer wichtigere Rolle spielen. Deshalb fördert jetzt auch die bundesweite Initiative »Partner für Innovation« gezielt die Vernetzung im Klinikbereich: Unter dem Motto »Digitales Krankenhaus« werden einige deutsche Krankenhäuser modellhaft mit innovativen Systemen ausgerüstet. Diese Kliniken sollen künftig national und international als Vorbilder dienen.
Bei so viel Vernetzung und Digitalisierung – könnte der einzelne Patient mit seinen individuellen Bedürfnissen da womöglich auf der Strecke bleiben? Erhofft wird das Gegenteil, denn die Vernetzung soll vor allem eines: mehr Zeit schaffen. Zeit, die dem Patienten zugute kommen kann, denn das Pflegepersonal ist entlastet, und die Ärzte haben einen besseren Überblick. Überhaupt soll in der Klinik der Zukunft der Patient nicht nur medizinisch gut versorgt werden. Vielmehr soll er sich – trotz Krankheit – möglichst wohl fühlen. In angenehmer Atmosphäre wird man nämlich schneller gesund, wie internationale Studien belegen. Damit der Patient sich »zu Hause« fühlt oder zumindest so wohl wie in einem gemütlichen Hotel, wird das künftige Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg, dessen neues Hauptgebäude im Jahr 2008 die Pforten öffnet, anders aussehen als alle Vorgänger: Mehr als ein Dutzend Licht- und Innenhöfe ersetzen das Neonlicht; in den Patientenzimmern wird Eichenparkett statt PVC verlegt, aus dem Krankenbett soll eine gemütliche Schlafstätte ohne sichtbare Kabel, Schalter und Hebel werden. Entworfen wurde das neue Hamburger Klinikum vom Münchner Architektenbüro Nickl & Partner. Die Grundidee formuliert Projektleiter Matthias Bjørnsen so: »In der neuen Klinik soll der Mensch behandelt werden, nicht die Krankheit.«
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