Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Bücher, die die Welt veränderten
Martin Luther: Die 95 Thesen
Martin Luther wäre wohl Jurist geworden – wenn nicht im Juli 1505 auf dem Weg nach Erfurt ein Blitz neben ihm eingeschlagen wäre.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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In diesem Augenblick verspürte er die Gegenwart Gottes so stark, dass er sich ins nächste Augustiner-Kloster aufmachte und dort Mönch wurde. Der fromme Ordensbruder tat beständig Buße, um einem strengen Gott gefällig zu sein. Im Lauf der Jahre wurde er Pfarrer und Hochschullehrer für Theologie – doch insgeheim haderte er mit Gott: Er wünschte sich einen gnädigen und nicht einen strafenden Schöpfer. Da kam ihm 1512 erneut eine Erleuchtung zu Hilfe. In seinem Zimmer im Klosterturm wurde ihm auf einmal klar: Gott ist die Gnade schlechthin.
Auch am Sinn der Sakramente hatte Luther zu zweifeln begonnen: Er durchsuchte die Bibel nach Hinweisen, die ihre Notwendigkeit untermauerten, fand jedoch keine. Aber noch mehr brachte ihn eine andere Praxis der Kirche in Rage: der Ablasshandel, ein sehr profitables Geschäft. Für eine bestimmte Geldsumme verkauften manche Pfarrer die Vergebung von Sünden. Auch hierfür fand Luther in der Heiligen Schrift keine Rechtfertigung. Als ihm eine Fibel für angehende Ablasshändler – vom Mainzer Bischof Albrecht selbst geschrieben – in die Hände fiel, war er nicht mehr zu bremsen.
Der erzürnte Augustiner-Mönch verfasste 95 provokative Thesen, um diesen Handel theologisch zu widerlegen. »Es irren deshalb diejenigen Ablassprediger, die sagen, durch des Papstes Ablässe werde der Mensch von aller Strafe los und ledig, frei und selig …«, schrieb er in diesem Werk. Eine Vergebung der Sünden sei lediglich durch die Gnade Gottes möglich.
Die Legende besagt, dass Luther seine in Latein verfassten Thesen am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg, damals eine Kleinstadt mit 2000 Seelen, ausgehängt hat. Mit seinen Thesen wollte er aber keine Revolution entfachen, sondern einen theologischen Disput anregen. Reaktionen blieben jedoch aus. Nach zwei Wochen fertigte er Kopien seiner Thesen an und schickte sie an Freunde – die waren begeistert. Luther hatte den Puls der Zeit getroffen. Bald kursierte in ganz Deutschland eine gedruckte deutsche Übersetzung der 95 Thesen. Über Nacht wurde Martin Luther zu einer Berühmtheit. Kurfürsten, Adlige und einfache Menschen sahen in seiner Schrift einen Aufruf zur Erneuerung der Kirche.
Luther selbst hatte mit einer solchen Wirkung überhaupt nicht gerechnet. Papst Leo X., der dem kultivierten Geschlecht der Medici entstammte, ebenfalls nicht. Nur allmählich verstand er die Bedeutung von Luthers Thesen: Sie waren ein ernst zu nehmender Aufstand gegen die alleinige Macht der römischen Kirche. Heute ist es noch klarer, was geschehen war: Ein Zeitalter, das Mittelalter, ging mit einem Mal zu Ende. Die Herausgabe der »95 Thesen« markierte nicht nur die Geburtsstunde eines neuen Glaubens, sondern der Neuzeit schlechthin.
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