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Psychologie & Gesundheit

Macht Kamelmilch lange Beine?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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iStockphoto

Sie schmeckt nicht nur Kamelbabys. Die Milch des Wüstentiers ist auch für Menschen gut. Bekommen unsere Kühe bald Konkurrenz?

Sieht ganz so aus – jedenfalls bei diesem Jungen, der in einer Wüste im Norden Kenias lebt und sich täglich seine Portion Milch direkt an der »Tankstelle« holt. Wissenschaftlich lässt sich die Langbeintheorie natürlich nicht halten, doch andere – handfestere – Gründe haben jetzt weltweit das Interesse der Ernährungswissenschaftler an Kamelmilch geweckt.

Mit ihrem geringen Fettgehalt (höchstens zwei Prozent), dem hohen Eisenanteil (zehnmal so hoch wie in Kuhmilch) und dem knappen Laktoseanteil (weniger als fünf Prozent) ist sie nicht nur besonders gesund, sondern vermutlich auch die lang gesuchte Alternative für Kinder, die an Kuhmilchallergie leiden. In der Soroko-Universitätsklinik in Israel wurden jetzt schwer allergiekranke Babys innerhalb kürzester Zeit dank Kamelmilch von ihren Symptomen befreit.

Doch die UN-Ernährungsorganisation FA0 setzt noch größere Hoffnungen in diese Milch. Wissenschaftler haben darin Antikörper nachgewiesen, die wirksam sein sollen gegen Krebs, Alzheimer und Hepatitis C, außerdem sollen sie vorbeugend gegen Diabetes und Herzerkrankungen wirken. Der FAO-Milchwissenschaftler Anthony Bennett schätzt das globale Marktpotenzial schon jetzt auf mindestens acht Milliarden Dollar. Allerdings bremst ein technisches Problem vorerst die weltweite Versorgung mit dem Naturdrink aus der Wüste.

Untersuchungen der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich zeigten, dass Kamelmilch sich schwerer haltbar machen lässt als Kuhmilch. Angesichts der langen Transportwege werden wir wohl in naher Zukunft eher Trockenmilch als das Frischprodukt beziehen können. Kamelmilchschokolade aber gibt es schon heute in Österreich zu kaufen.

Und wer doch mal frisch gezapfte Kamelmilch kosten möchte, bekommt sie im Schwarzwald. In Rotfelden (bei Nagold) züchtet der Bauer Wilhelm Breitling seit über 30 Jahren Kamele. Die Milcherträge gehen zum größten Teil an Wissenschaftler, doch auch Besucher dürfen gerne mal probieren. Wie die Milch schmeckt? Ein bisschen salzig, aber sonst ganz gut.

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