Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Architektur
Möbel machen Städte
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Litfaßsäulen, Straßenlampen, Bushaltestellen & Co.: Wer entscheidet eigentlich, wie das Mobiliar unserer Städte aussieht?
Ledercouch und Wäschespinne, Designer-Lampe und Yucca-Palme, Flachbildschirm-TV und Katzenklo – nichts davon steht zufällig bei uns zu Hause herum. Irgendwann haben wir unsere vier Wände mit diesen Gebrauchs- und Wohlfühlmöbeln angefüllt. Im öffentlichen Raum verhält es sich nicht anders. Auch das Leben in unseren Städten funktioniert nur, wenn Straßen und Plätze möbliert sind.
Zu einer richtigen Bus- oder Straßenbahnhaltestelle gehört ein Fahrgastunterstand. In München stehen 1250 Stück davon: transparente Objekte aus einem leichten Stahlrahmen mit rundem Zinkdach und Glaswänden, zur Straße hin offen und an einer Seite mit einem Schaukasten für Werbeplakate ausgestattet. Die Sitze sind aus Drahtgeflecht. Wer mit dem Bus durch die Stadt fährt, sieht um die Wartehäuschen herum noch allerlei anderes Mobiliar stehen: Papierkörbe, Zeitungs-Verkaufsboxen, Briefkästen, Telefonsäulen, Recycling-Container, Streusand-Kisten, Ampeln, Verkehrszeichen, Fahrradständer, Plakatwände. Ein Sammelsurium aus Formen, Farben und Materialien, das wie die anarchische Möblierung einer Studenten-WG wirkt. In allen Städten der Republik sieht es ähnlich aus. Denn in allen Städten sind die Interessen am und im öffentlichen Raum ähnlich.
Die Kommune selbst muss den Autoverkehr auf ihren Straßen organisieren, Nahverkehrsbetriebe, Stadtwerke, Telekom, Post und Energieversorger ihre Infrastrukturen aufbauen. Wenn etwa die Post zur Kostenersparnis immer mehr Filialen schließt, stellt sie zum Ersatz immer mehr grellgelbe Paket-Stationen in den öffentlichen Raum. Wenn die Bürger mit High-speed-Glasfasernetzen zur Telekommunikation versorgt werden sollen, postiert die Telekom dafür in einer bundesweiten Aktion neben den alten Telefonschaltkästen die noch größeren Hightech-Schaltkästen. Für eine 500000-Einwohner-Stadt wie Hannover etwa bedeutet das 1800 neue hässliche Plastikschränke auf der Straße. Vollends zu einer Art Villa Kunterbunt wird eine Kommune, wenn auch noch Firmen Werbung treiben oder Zigarettenautomaten aufhängen und Restaurants im Sommer Freischankflächen einrichten.
Die Stadtmöblierung ist keine Erfindung der Moderne. Die ersten Möbel, die in den Städten aufgestellt wurden und seither vor allem nachts das Stadtbild beherrschen, waren Leuchtkörper. Im Jahr 1680 erging in Berlin die Anordnung, Laternen an ortsfesten Pfählen aufzuhängen. Heute sorgen hier 226800 Leuchten für Helligkeit auf einem Straßennetz von 5400 Kilometern. Das Wachstum der Stadt hatte zur Folge, dass Berlin heute mit 119 verschiedenen Leuchtentypen möbliert ist. Darunter der »Charlottenburger Kandelaber« aus dem Jahr 1904; die »Speer-Leuchte« des Jahres 1939, die dem nationalsozialistischen Lichtdesign in Berlin dienen sollte; die Kofferleuchte »Großer Klassiker« von 1965 mit ihrem Zehn-Meter-Mast; die Designer-Leuchte »Ypsilon 7200«, die seit 1998 aufgestellt wird.
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