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Ein Augustinermönch zieht nach Rom
Luthers Reise in den Sündenpfuhl
Er zog los, um zu büßen – und fand in Rom Dekadenz statt Demut, Sünden statt Seligkeit. Doch seine Italienreise prägte den Prediger weniger, als man bisher glaubte.
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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An einem kalten Novembermorgen des Jahres 1510 verließen zwei Mönche das Augustinerkloster in Erfurt. Zielstrebig, die Hände in den Kutten vergraben, den Blick gesenkt, wie es den Vorschriften entsprach, ließen die frommen Männer Bauern, Händler, Bettler und Tagelöhner, die um diese frühe Stunde schon auf den Beinen waren, hinter sich und gingen aus der Stadt. Ihr Ziel: das ferne Rom. Denn unter den Augustinern war Streit über die Auslegung der eigenen Ordensregeln ausgebrochen. In Rom sollten die beiden sich einer harten Haltung des Papstes versichern, da man eine Aufweichung der strengen Regeln zu verhindern suchte. Der ältere der Mönche trug eine entsprechende Petition bei sich.
Bruder Martinus war froh, ihn begleiten zu dürfen – war das doch eine einmalige Gelegenheit, eine Wallfahrt in die Heilige Stadt zu unternehmen. Dennoch war er keiner dieser ausgelassenen Pilger, die scherzten, lachten und es kaum erwarten konnten, in Rom schnell von allen Sünden freigesprochen zu werden. Luther nahm die Wallfahrt ernst, er war überzeugt, dass der Mensch im Grunde seiner Seele sündig ist und dass er nur durch echte Buße und Reue der Strafe Gottes entgehen kann. Während der Herbstregen Bruder Martinus ins Gesicht peitschte und der Wind an seiner nassen Kutte zerrte, kreisten seine Gedanken um das, was vor ihm lag: die Gebete, die er an den verschiedenen heiligen Stätten sprechen, die Buße, die er tun würde, und schließlich die Generalbeichte, die er nutzen wollte, um »eine ganze Beichte von Jugend auf zu tun und fromm zu werden«.
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