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Verhängnisvolle Affäre

Lola Montez: Solo für Ludwig I.

Wie schaffte es die exzentrische Tänzerin, dem bayerischen König den Kopf zu verdrehen? Am Ende der skandalösen Beziehung war die Regentschaft Ludwigs nur noch ein Scherbenhaufen

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Lola Montez machte Bayerns König Ludwig I. schöne Augen (Ausschnitt aus einem Gemälde von Joseph Karl Stieler)
Mutter Erde / Wikipedia

Lola tanzt. In einem reich bestickten schwarzen Kleid schwingt sie über die Bühne des Münchener Hoftheaters. Sinnlich wiegt sie sich im langsamen Dreivierteltakt des Boleros, die zarten Arme hoch erhoben, aufreizend mit Kastagnetten klappernd. Es ist der 10. Oktober 1846, und die spanische Tänzerin Lola Montez gibt ihr Debüt in München. Zwei Nummern sind es nur, in den Pausen zwischen den Akten der Oper »Der verwunschene Prinz« von Johann von Plötz, der Bolero und ein explosiver Cachucha, aber Lola weiß sich in Szene zu setzen. Das Publikum ist mäßig begeistert. König Ludwig I. von Bayern hingegen, der an diesem Abend seinen 36. Hochzeitstag im Theater feiert, ist hingerissen. Verwunschen, werden manche später sagen. Denn das nun beginnende Verhältnis zwischen der Tänzerin Lola Montez und dem alternden Herrscher wird schwerwiegende Folgen haben.

 

Die Montez ist Mitte zwanzig und schon europaweit bekannt – nicht nur als exotische Tänzerin. Sie behauptet, aus einer spanischen Adelsfamilie zu stammen und im Theater von Sevilla ihre Kunst erlernt zu haben. Doch schon kurz nach ihrem Debüt in London am 3. Juni 1843 kommen Zweifel an der Geschichte auf. Als Hochstaplerin wird sie davongejagt. Ihrem Ruhm tut dies keinen Abbruch. Sie tanzt ihren Bolero vor Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. und dem russischen Zaren Nikolaus I. in Berlin. Aus Berlin, später auch aus dem kleinen Fürstentum Reuß-Ebersdorf (heute in Thüringen), Baden-Baden und Warschau, wird Lola vertrieben. Sie gilt als »liderliches Weib«, ist weniger für ihre Kunst berühmt als für ihre Affären und exzentrischen Auftritte.

Spanierin ist sie keine, aber auch sonst hat sie kein wahres Heimatland. Ihre Abstammung ist bis heute nicht geklärt. Höchstwahrscheinlich wird sie zwischen 1818 und 1821 im irischen Limerick als Kind einer irischen Gutsbesitzertocher und eines englischen Soldaten geboren und heißt Eliza Gilbert. Der Vater wird nach Indien versetzt, bevor Eliza laufen kann. Sie kommt später nach England ins Internat und heiratet als Teenager einen britischen Offizier, um einer arrangierten Ehe zuvorzukommen. Wieder geht es nach Indien, sie verlässt dort ihren Mann und kehrt mittellos nach Europa zurück. Als spanische Tänzerin Lola Montez erfindet Eliza sich neu. Sie ist das »It-Girl« ihrer Epoche. Lola geht auf alle großen Bälle und Gesellschaften, sucht das Rampenlicht und die Nähe prominenter Männer. Mit dem Weimarer Hofkapellmeister und Pianisten Franz Liszt, damals ein Star und Frauenschwarm, ist sie kurz zusammen. Komponist Richard Wagner widersteht ihr und konstatiert, sie habe »ausnehmend unverschämte Augen«. Sie ist schön, tüchtig in der Selbstvermarktung, klug, und es ist ihr fast nichts peinlich, so urteilen ihre Zeitgenossen. Aber ihren Gastgebern und Gönnern wird sie stets schnell peinlich, weshalb sie von Stadt zu Stadt ziehen muss.

Bayerns Hauptstadt München ist zu dieser Zeit das ideale Forum für Lola, schreibt ihr Biograf James Morton. München hat den Ruf einer Kunstmetropole, in der es sich im Vergleich zu anderen europäischen Städten ausgesprochen preisgünstig leben lässt, und in der es mit der Moral nicht so streng gesehen wird. Genauso viele uneheliche wie eheliche Kinder würden dort geboren, berichtet etwa der Kolumnist William Bennett im »New York Herald«.

Lola Montez will hier 1846 einen Neuanfang wagen, denn ihre Karriere befindet sich an einem Tiefpunkt, von ihrem Privatleben ganz zu schweigen. Sie hat kein Engagement, als sie in München ankommt, aber einen Plan: Sie will König Ludwig I. erobern.

Der volksnahe, großzügige Herrscher über das kleine Königreich an der Isar ist weithin bekannt als Liebhaber und Gönner schöner Künste und attraktiver Frauen. Seine Vision ist es, München in ein »Isar-Athen« zu verwandeln, mit neuen Prachtbauten im griechischen Stil, die der Hofarchitekt Leo von Klenze entwirft. »Ich gehöre zur alten und neuen Zeit und in zwei Jahrhunderte«, sagt Ludwig einmal von sich selbst. Er hat von seinen Vorfahren das barocke Prachtschloss Nymphenburg geerbt, das im Stil von Versailles, dem Schloss des französischen Sonnenkönigs, gebaut wurde und die absolutistischen Allmachtsfantasien des Hauses Wittelsbach widerspiegelt. Die Porzellanmanufaktur Nymphenburg ist bei Ludwigs Regierungsantritt eine der wenigen vorindustriellen Fertigungsbetriebe in Altbayern. Ludwig baut die »Glyptothek«, die erste öffentliche Antikensammlung Deutschlands, und die »Alte Pinakothek«, in der er die Gemäldesammlung seines Hauses dem Volk zugänglich macht.

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Autor/in: Felicia Englmann

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