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Raumfahrt

Per Lift ins All

Satelliten aussetzen und Raumstationen versorgen – bisher der Job von Shuttles. Jetzt will die NASA sie ersetzen – durch High-Tech-Fahrstühle, die 36000 Kilometer weit in den Weltraum reichen. Ein gewagtes Projekt.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Spacelift, WeltraumfahrstuhlSpacelift, Weltraumfahrstuhl
Mit solch einem Weltraumlift könnten in Zukunft Lasten in den Erdorbit transportiert werden
Nasa

Der Raketenpionier Wernher von Braun sagte einmal: »In Zukunft müssen sich die Utopien beeilen, wenn sie nicht von der Realität eingeholt werden wollen.« Dieses Credo hat sich eine kleine amerikanische Technologieschmiede wohl auf die Fahnen geschrieben. Jedenfalls drückt die LiftPort Group in Bremerton (Washington) mächtig aufs Tempo, um eine Utopie Wirklichkeit werden zu lassen, die sich eigentlich noch im Brutkasten befindet: Das Unternehmen will spätestens am 27. Oktober 2031 den ersten »Weltraum-Fahrstuhl« in Betrieb nehmen.

Der Lift ins All soll aus einem gespannten Kabel bestehen, an dem sich Transportplattformen, so genannte Crawler, bis in 35786 Kilometer Höhe hangeln. Wenn dieses fantastische System funktionieren sollte, würden Raketen und Shuttles zum Transport von Satelliten in die geostationäre Umlaufbahn überflüssig. Die Kosten für die unbemannte Raumfahrt würden erheblich sinken.

Erste (irdische) Tests wurden bereits durchgeführt: Am 12. November 2004 ließ die LiftPort Group bei einer Vorführung am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) einen Roboter an einem Seil 90 Meter in die Höhe klettern. Selbst ein aufkommender Schneesturm konnte der Konstruktion nur wenig anhaben. Am 20. September 2005 erreichte die Fahrstuhlkonstruktion bei einem weiteren Versuch schon rund 300 Meter. Dabei waren die Seilenden am Boden und an einem Ballon verankert.

Die NASA beobachtet die Entwicklungen und Forschungen in diesem Bereich mit wachsendem Interesse. 2006 schrieb die amerikanische Raumfahrtbehörde sogar den Wettbewerb »Space Elevator 2010« für Konstrukteure von Weltraum-Fahrstühlen aus. Die Aufgabe: Ein maximal 25 Kilogramm schwerer Roboter sollte in weniger als einer Minute an einem Seil mindestens 50 Meter hoch klettern – das Preisgeld von 400000 Dollar stand dem zu, dessen Robo dabei die schwerste Last beförderte. 14 Konstrukteurteams nahmen an dem Wettbewerb teil – auf den dritten Platz kamen Deutsche: der Maschinenbauingenieur und Berufsschullehrer Jörn Lutat vom Max-Born-Berufskolleg in Recklinghausen, der zusammen mit seinen Schülern den »Turbocrawler« gebaut hatte.

Was die NASA möchte, ist jedoch mehr – sehr viel mehr! Einen Fahrstuhl zu bauen, der Material (und vielleicht eines Tages auch Menschen) in den Orbit bringt, ist eine gigantische technologische Herausforderung. Die Hauptprobleme dabei: die Herstellung eines fast 36000 Kilometer langen Kabels, die Befestigung seiner beiden Enden auf der Erde und im All sowie der Antrieb des Crawlers.

Auf einem wissenschaftlichen Workshop am »Marshall Space Flight Center« (MSFC) der NASA in Huntsville (Alabama) hat die Raumfahrtbehörde kürzlich ihre Visionen zur Lösung dieser Probleme vorgestellt. So ist zur Befestigung des Weltall-Lifts auf der Erde der Bau einer künstlichen Insel am Äquator vorgesehen. Dieser Standort ist deswegen so günstig, weil es hier praktisch keine Hurrikans und Tornados gibt; außerdem liegt der Äquator exakt unterhalb der geostationären Umlaufbahn. Auf der Insel soll nach den aktuellen Plänen ein 50 Kilometer hoher Turm errichtet werden – er würde bis in die oberen Schichten der Erdatmosphäre ragen und damit das höchste Bauwerk aller Zeiten darstellen. An seiner Spitze will man das untere Ende des Kabels für den Crawler verankern. Das obere Ende soll an einer Raumstation oder einem Satelliten befestigt werden – oder, wie einige Fantasten vorschlagen, an einem eingefangenen Asteroiden. Es gibt aber auch Pläne, auf ein solches Gegengewicht im Orbit zu verzichten und das Kabel so weit zu verlängern, dass es sich aufgrund der mit der Entfernung von der Erde zunehmenden Fliehkraft praktisch von selbst strafft.

Sechs solcher Kabelstränge will die NASA von der künstlichen Insel aus ins All verlegen – dadurch würde ein kontinuierlicher Liftverkehr in beiden Richtungen möglich. Drei der Kabel sollen dem Transport von Fracht (und eventuell Menschen) dienen, die drei anderen sollen Wartungsfahrzeugen vorbehalten sein, die beispielsweise Reparaturmaterial zur Internationalen Raumstation ISS bringen.

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Autor/in: Ingo Lackerbauer


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