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Teufelsbibel

Legende und Wahrheit

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Der »Codex Gigas« gibt seit dem Mittelalter Rätsel auf: Wer hat ihn gestaltet – der Satan persönlich oder ein armer Büßer? Buchautor Richard Dübell erzählt in P.M. HISTORY von der Faszination »Teufelsbibel« und den historischen Hintergründen seines neuen Romans.

Der Mönch war verzweifelt. Er hatte gesündigt, und nun verweigerte Gott ihm die Buße. Seine Seele würde für alle Ewigkeiten verdammt sein. Zur Strafe eingemauert in seiner Zelle, allein mit sich und der Erinnerung an die Sünden, die er begangen hatte, wurde ihm bewusst, dass er verloren war – und dass Gott gnadenlos blieb.

Der Mensch war als fehlerhaftes Wesen geschaffen worden, verführbar, strauchelnd. Doch Gott hatte seinen Geschöpfen die Buße ermöglicht, damit sie sich von ihren Fehlern reinwaschen konnten. Der Mönch – manche Quellen geben seinen Namen mit Hermanus an – war nicht der einzige Sünder in den vielen Bruderschaften, die im Europa des frühen 13. Jahrhunderts bestanden. Hermanus kannte die Geschichte des Mönchs, der im Leben ein ebenso eifriger Kopist wie Sünder gewesen war. Als er unerlöst starb, wurden all seine Schriftstücke gegen seine Sünden aufgewogen, und es stellte sich heraus, dass er ein Dokument mehr angefertigt als Sünden begangen hatte. Seiner Seele wurde erlaubt, in den Körper zurückzukehren und seine Buße zu vollenden. Hermanus hatte sich an diese Überlieferung geklammert. Er hatte sich erboten, all das Wissen, das er sich angeeignet hatte, in einem einzigen Buch zusammenzufassen, einer Bibel der Gelehrsamkeit, einer frommen Enzyklopädie, einem neuen Weltwunder in Form eines Buches.
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