Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Kosmos
Kurs auf den Urknall
SOFIA, das fliegende Hochleistungs-Teleskop, soll einige der größten Geheimnisse des Kosmos lüften. Seine Infrarot-Bilder werden uns die Entstehung der ersten Galaxien nach dem Big Bang miterleben lassen.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Kurz vor dem Start schnalle ich mich ordnungsgemäß auf meinem Sitz fest. Eine tragbare Sauerstoffmaske und eine Schwimmweste sind in Griffweite. Während die vier Triebwerke aufwärmen, färbt sich draußen der Himmel über der kalifornischen Buschlandschaft orangerot. Bald wird die Sonne untergehen. Ich sitze in einem einzigartigen NASA-Flugzeug: Die Maschine ist eine riesige fliegende Sternwarte. Hinten im Heck steckt ein 20 Tonnen schweres Teleskop – ein Meisterstück deutscher Optik. Als einer der ersten Journalisten weltweit darf ich an einem SOFIA-Forschungsflug teilnehmen. Dabei sind auch zwei Lehrer aus München und Berlin, die mit ihren Berichten ihre Schüler für die Naturwissenschaften begeistern wollen. SOFIA, das »Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy«, ist ein Teleskop für Infrarot-Licht, gemeinschaftlich betrieben vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der NASA. Es soll mindestens 20 Jahre lang fliegen und einige der kniffligsten Geheimnisse des Universums lüften helfen. Mit Kinderkrankheiten muss man bei diesen ersten Forschungsflügen noch rechnen, weil die Praxiserfahrung fehlt. Das Zusammenspiel von Teleskop und Instrumenten wird erst im Laufe der Zeit reibungslos funktionieren. Noch am Vortag war es durchaus fraglich, ob eine Panne bei der Teleskopsteuertechnik rechtzeitig behoben werden könnte. Die Techniker waren über Nacht im Einsatz und reparierten ein defektes Gasdruckventil. Als Basis unseres Spezialflugzeugs dient eine Boeing 747SP (»Special Performance«) mit besonders großer Reichweite und Leistung. Die Maschine absolvierte ihren Jungfernflug bereits 1977. In ihrem »früheren Leben« war sie ein gewöhnliches Verkehrsflugzeug, das jahrzehntelang für zwei verschiedene Fluggesellschaften um die Welt flog. 1997 wurde es von der NASA erworben und steht nach radikalem Umbau nun in Diensten der Weltraumforschung. Wir sitzen zwar dort, wo bei einem Passagierflug die Luxusklasse wäre, Bequemlichkeit suchen wir allerdings vergeblich. Im Inneren der Maschine wurde auf alles verzichtet, was nicht notwendig ist.
Küche, Bordunterhaltung und charmante Flugbegleiter gibt es nicht. Innenverschalung und Verkleidungen wurden entfernt. Unter dem Dach der Kabine liegen Verstrebungen, Seilzüge, Kabel und Sauerstoffleitungen frei. Jede freie Ecke in der Maschine ist mit Ausrüstung vollgestopft, aber ich finde das Chaos durchaus gemütlich. Zehn Stunden lang soll unser Nachtflug dauern. Zwischen unseren Beinen sind Kühlboxen festgeschnallt. Jeder Passagier an Bord hat seinen eigenen Proviant dabei. Die Wetterdaten stimmen zuversichtlich, endlich heißt es: grünes Licht für »Basic Science 2 Flight 2«. Fast pünktlich zum Sonnenuntergang heben wir ab und klettern schneller und steiler als eine Verkehrsmaschine. Einige enge Schleifen, dann dreht die 747SP nach Nordosten ab. Der Navigator erklärt: »Fliegerisch ist das nicht optimal, aber für die Astronomen ist es besser, weil sie so die maximale Beobachtungszeit haben.« Jede einzelne Minute ist kostbar bei diesem fünfzehn Kilometer hohen Flug. Warum so hoch? Weil es hier oben weniger störende Einflüsse gibt. Astronomische Beobachtungen bestehen fast ausschließlich aus dem Empfang elektromagnetischer Wellen aus den Tiefen des Alls. Jahrtausendelang konnte die Menschheit nur den winzigen sichtbaren Teil des gesamten Spektrums beobachten. Das war ungefähr so, als würde man ein großes Gemälde nur durch einen Strohhalm betrachten, ohne einen Gesamteindruck gewinnen zu können. Geräte für detaillierte Beobachtungen in unsichtbaren Spektralbereichen wurden erst im 20. Jahrhundert entwickelt. Die funktionieren aber nur außerhalb der Erdatmosphäre optimal, da die Gashülle viele Wellenbereiche verschluckt. Unser Flug wird 90 Prozent der Luft und fast allen Wasserdampf unter sich lassen – fast ideale Beobachtungsbedingungen für ein Infrarot-Teleskop. Ich hatte mir vorgestellt, dass das Öffnen der riesigen Teleskoptür mitten im Flug zu hören sein müsste: Wir fliegen praktisch mit einem Loch im Flugzeugrumpf, das fast die Größe einer Garagentür hat. Jeder, der einmal auf der Autobahn das Fenster geöffnet hat, kennt den Wirbel-Effekt. Nur, dass wir hier mit zehnfachem Tempo, 990 km/h, unterwegs sind. Verblüfft erfahre ich, dass die Tür längst offen ist. Den Luftstrom lenken Aerodynamiker mit Leitflächen so gut am Loch vorbei, dass um das Teleskop eine ruhige Zone entsteht.
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