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Weltwunder Nr. 4

Kunst im Visier von Attentätern

Der Artemistempel in Ephesos: Ein Mann namens Herostratos ließ das Heiligtum in Flammen aufgehen, um seinen Namen unsterblich zu machen. Der Neubau wurde erneut ein Weltwunder – und die Freveltat des Kunstzerstörers fand seitdem Nachahmer. Welches sind ihre Motive?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Die insgesamt 106 rund 19 Meter hohen ionischen Marmorsäulen des Tempels von Ephesos standen auf einer Grundfläche von etwa 57 mal 117 Metern, einer Fläche, die fast der Größe eines heutigen Fußballfeldes nach FIFA-Norm entspricht.Die insgesamt 106 rund 19 Meter hohen ionischen Marmorsäulen des Tempels von Ephesos standen auf einer Grundfläche von etwa 57 mal 117 Metern, einer Fläche, die fast der Größe eines heutigen Fußballfeldes nach FIFA-Norm entspricht.
Die insgesamt 106 rund 19 Meter hohen ionischen Marmorsäulen des Tempels von Ephesos standen auf einer Grundfläche von etwa 57 mal 117 Metern, einer Fläche, die fast der Größe eines heutigen Fußballfeldes nach FIFA-Norm entspricht.
iStockphoto

Der nächtliche Himmel über Ephesos war ganz plötzlich in ein rötliches Licht getaucht. Aus dem Dachstuhl des ehrwürdigen Tempels der Artemis schlugen Flammen; das über 200 Jahre alte Zedernholz brannte wie Zunder, der Marmor bröckelte in der glühenden Hitze. Die Bürger der reichen Hafenstadt an der Westküste Kleinasiens sahen entsetzt, wie der größte Tempel der antiken Welt in sich zusammenstürzte. Über hundert Jahre hatte man an ihm gebaut, der reiche König Kroisos (»Krösus«) von Lydien hatte einen Teil der Kosten spendiert. Die insgesamt 106 rund 19 Meter hohen ionischen Marmorsäulen standen auf einer Grundfläche von etwa 57 mal 117 Metern, einer Fläche, die fast der Größe eines heutigen Fußballfeldes nach FIFA-Norm entspricht.

Und nun wurde das herrliche Bauwerk zum größten Teil ein Raub der Flammen – ein Verbrecher hatte es angezündet. Es war die Nacht zum 21. Juli des Jahres 356 v. Chr., in der auch Alexander der Große das Licht der Welt erblickt haben soll.

Kein Wunder, dass der Tempel niedergebrannt sei, soll der Historiker Hegesias von Magnesia bemerkt haben, Artemis habe ja gerade bei Alexanders Geburt im fernen Pella zu tun gehabt und so ihr Heiligtum nicht gleichzeitig schützen können. Denn Artemis wurde auch als Geburtsgöttin verehrt und gehörte zu den zwölf höchsten Gottheiten in der griechischen Mythologie.

Die Wahrsager in Ephesos, berichtet der römische Schriftsteller Plutarch (um 45–125), hielten den Tempelbrand für das Vorzeichen eines weiteren Unglücks: »Sie rannten herum, schlugen sich ins Gesicht und schrien, dieser Tag habe Verderben und großes Unheil für Asien gezeugt.« Indes war der Brandstifter im Dunkel der Nacht entkommen. Doch man fasste ihn schnell. Es war ein gewisser Herostratos aus Ephesos, ein geltungssüchtiger Psychopath. Er wollte berühmt und durch seine Tat unsterblich werden, gestand er.

Die Epheser ließen ihn hinrichten und verboten für alle Zukunft, seinen Namen zu nennen. Doch schon bald plauderte der griechische Geschichtsschreiber Theopompos von Chios (um 378–300 v. Chr.) Tat und Täter aus. So wurde Herostratos tatsächlich unsterblich und bis heute zum Synonym für einen Menschen, der aus Geltungssucht Kulturgüter zerstört (Herostratentum). »Die Einäscherung des Artemis-Tempels war Gewalt gegen Kultur«, stellt der Historiker Alexander Demandt in seinem Buch »Vandalismus« fest. »Und das Heiligtum war ein Kunstwerk und ein Denkmal zugleich.«

Auch das 20. Jahrhundert kennt zahlreiche Taten von Herostraten. Da wäre etwa das spektakuläre Säureattentat von Walter Menzl auf das weltberühmte Rubensgemälde »Höllensturz der Verdammten« in der Münchner Alten Pinakothek im Februar 1959. Bereits vor der Tat hatte der Attentäter Bekennerschreiben an die Presse geschickt: Er glaube sich zur Rettung der Menschheit ausersehen. Und die Vernichtung des Gemäldes solle die Welt auf ihn aufmerksam machen.

Am Pfingstsonntag, dem 21. Mai 1972, schlug ein Mann im Vatikan mit einem Hammer auf Michelangelos »Pietà« ein und schrie: »Ich bin Jesus Christus, Christus ist von den Toten auferstanden.« Die Tat des ungarischen Emigranten László Toth wurde vielfach kommentiert, oft auch, dass den (geistesgestörten) Täter ein verzweifeltes Streben nach Anerkennung trieb. Auch der arbeitslose Lehrer, der am
14. September 1975 im Amsterdamer Rijksmuseum mit einem Messer auf Rembrandts »Nachtwache« einstach, hielt sich für den Sohn Gottes.

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