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Geschichte & Politik
Konnten Kanonenkugeln explodieren?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Der 20. August 1615 sollte den Bürgern Braunschweigs noch lang in Erinnerung bleiben. Belagerer wollten der Stadt ans Leder und eröffneten aus Kanonen das Feuer. In die Ostfassade des Doms schlug mit lautem Knall eine Kanonenkugel ein – und blieb einfach stecken.
Ganz anders also, als es uns die meisten Schlachtszenen mit ihren explodierenden Kanonenkugeln vorführen! Tatsächlich feuerten Kanonen in ihrer Geschichte vor allem massive Kugeln aus Stein oder Eisen ab, die zwar für Angst und Schrecken sorgten – aber nicht wegen einer Explosion. Wenn die schweren Projektile in dichte Infanterieformationen krachten, hüpften sie oft wie ein tödlicher Fußball durch die Reihen der Soldaten.
Besonders gefürchtet waren sogenannte Kettenkugeln, die durch eine massive Eisenkette verbunden waren. Chaotisch wirbelten die beiden Teile des Geschosses um die Kette und brachen so die Formation und die Moral des Feindes. Um beim Einschlag so spektakulär in die Luft zu fliegen, wie es Filme inszenieren, fehlte klassischen Kanonenkugeln ein wichtiges Element: der Aufschlagzünder.
Eine derartige Technik war den Kugelgießern der Renaissance noch unbekannt, obwohl sie
bereits Hohlkugeln mit Sprengladungen konstruierten, die das Feuer einer Zündschnur explodieren ließen. Weil die so scharf gemachten Kanonenkugeln aber oft schon im Lauf oder auch gar nicht explodierten, hielt sich ihre Beliebtheit in Grenzen. Die Bürger Braunschweigs wird es gefreut haben, dass sie mit dem Schrecken davonkamen: Noch heute ziert die Kanonenkugel aus dem frühen 17. Jahrhundert ihre Domfassade.
Fragt: Rolf Boschert
























