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Knipst du noch, oder fotografierst du schon?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Knipst du noch, oder fotografierst du schon?Knipst du noch, oder fotografierst du schon?

Jetzt werden digitale Spiegelreflexkameras auch für Hobby-Fotografen erschwinglich. Doch für »Profi«-Objektive muss man noch tief in die Tasche greifen.

Die Pyramiden von Gizeh liegen im schönsten Morgenlicht. Ich stehe davor und schaue ins Objektiv der Spiegelreflexkamera meiner Schwester. Zwei Tage später, nach Entwicklung der Filme, lächle ich vom Fotoabzug – mit geschlossenen Augen. Pech für mich.

Doch bislang klammert sich meine Schwester an ihr bleischweres Analogmodell. Digitale Schnapschusskameras nimmt sie bis jetzt nicht ernst. Doch dieser Urlaubssommer in Ägypten brachte die Wende. Auf dem hochauflösenden Display meiner digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR) kann ich jedes Foto sofort betrachten. Ist es misslungen, mache ich ein zweites von dem gleichen Motiv oder wechsle das Objektiv. Das ist nämlich inzwischen bei den »dicken« Digis genauso möglich wie bei der gu-ten alten Nikon F80 – im Gegensatz zu den »mageren« Kompakten. Meine Erinnerungsfotos beweisen: Schon allein durch die Vielfalt an Wechselobjektiven machen DSLR-Kameras einfach bessere Fotos als die kleinen digitalen Kompaktgeräte.

Die digitale Spiegelreflexkamera hat sich binnen weniger Jahre vom Luxuswerkzeug für Profis zum Lieblings-Gadget der Hobbyfotografen entwickelt. Man kann davon ausgehen, dass 2006 in Deutschland mehr als 500000 verkauft werden. Das jedenfalls meldet der Photoindustrie Verband e.V. Bei keinem anderen Kameratyp sind die Wachstumsraten so hoch. Die alten Spiegelreflex-Tugenden Bildqualität und Vielseitigkeit überzeugen auch digital. Kein Wunder, dass immer höhere Auflösungen zu amateurgerechten Preisen den Durchbruch brachten. Neben den Stammspielern Canon, Fuji, Nikon und Olympus gehen neue Anbieter wie Panasonic und Sony ins Rennen um die Gunst der Kunden, zum Teil in Kooperation von Optik- und Elektronik-Spezialisten.

Glaubt man den Herstellern, dann wächst das Interesse der Hobbyfotografen an Modellen mit immer mehr Millionen Pixeln.

So stellte Canon vor kurzem die EOS 400D (799 Euro) vor. Die neue digitale Spiegelreflexkamera kommt mit einem 10,1-Megapixel-Sensor daher. Ich frage mich nur, wofür braucht man eigentlich als Amateur 10 Megapixel? Für ein Poster in Lebensgröße? Der Wettstreit um Pixelmillionen allein ist sinnlos. Erst das Zusammenspiel von Objektiv, Bildwandlerchip und kamerainterner Software entscheidet über die Bildqualität. So wäre es wünschenswert, wenn man in Zukunft bessere und preisgünstigere Objektive zu den Pixelriesen anbieten würde. Heute kostet nämlich ein gutes Objektiv oft genauso viel wie die Kamera selbst (oder sogar deutlich mehr). Hat man gute Objektive, reichen 6 bis 8 Megapixel wohl noch für längere Zeit – zumindest für den privaten Gebrauch.

Mitunter bringen mehr Pixel sogar weniger Bildqualität, weil die Bilder »rauschen«. Denn je mehr Pixel die Digitalkamera auf ihrem Bildwandler (bei gleich bleibender Chipfläche) abbildet, desto kleiner sind die einzelnen Bildpunkte. Kleine Punkte fangen weniger Licht ein. Das schwächere Signal muss verstärkt werden, damit ein brauchbares Bild entsteht. Die Folge: Auch das Bildrauschen nimmt zu. Die Bilder wirken oft unruhig und etwas grisselig. Vor allem bei schwacher Beleuchtung.

Anders ist es bei dem derzeitigen Weltmeister der digitalen Profi-Spiegelreflexkameras. In die Hasselblad-Kamera H2D-39 ist ein Bildsensor mit 39 Megapixeln verbaut. Dieser soll – laut Hasselblad – mehr als doppelt so groß (36,7 3 49 mm) wie gebräuchliche Sensoren sein. Hier garantiert schon der CCD-Sensor eine besonders gute Bildqualität und damit Bilder ohne Moiré-Effekt. Das hat jedoch seinen Preis: knapp 30000 Euro.

Der Einstieg in die Welt der digitalen Spiegelreflexkameras ist heute jedoch schon weit unter 1000 Euro möglich. So bot der Supermarkt Plus vor kurzem mit der »Pentax *ist DL« eine Spiegelreflex-Digitalkamera zum Schnäppchenpreis von 479 Euro an. Das Gerät bietet eine Auflösung von 6,1 Megapixeln und wird mit dem Objektiv »SMC Pentax DA 18 – 55 mm« ausgeliefert.

Für die erste digitale Spiegelreflexkamera von Sony, die Alpha 100, muss der Hobbyfotograf bereits etwa das Doppelte wie für die Pentax ausgeben. Allerdings arbeitet sie mit einem 10-Megapixel-Bildsensor, wie er in ähnlicher Form auch in der semiprofessionellen Nikon D80 zum Einsatz kommt. Im Internet ist die Alpha 100 samt einem Objektiv (18 – 70 mm) für 819 Euro zu haben. Sony hat bei seinem Debüt gleich in die Vollen gelangt: Der Autofokus »EyeStart« wird bereits aktiviert, sobald man sich mit dem Auge dem Sucher nähert. Das soll für einen Zeitvorteil beim Auslösen sorgen.

In die Kamera ist auch schon ein Verwackelungsschutz eingebaut: Der CCD-Sensor ist beweglich gelagert und kann Verwackelungen unabhängig vom Objektiv ausgleichen. Sony vermarktet dies unter dem Namen »Super Steady Shot«. Die Beweglichkeit des Sensors ist zusammen mit einer antistatischen Beschichtung auch Grundlage einer weiteren technischen Neuheit: der automatischen Staubreinigung des Bildsensors. Das haben sich Sony und Canon bei ihren neuen Modellen von Olympus abgeschaut. Der verstaubt nämlich leicht beim Objektivwechsel. Und anders als bei der Analogkamera, bei der die Partikelchen mit dem Filmwechsel wieder heraustransportiert werden, bleiben sie bei der digitalen drin. Der Bildsensor bleibt immer der Gleiche, und auf ihm lagert sich mit der Zeit Staub ab, insbesondere wenn man oft das Objektiv wechselt.

Beim Ein- und Ausschalten schüttelt die Canon EOS 400D mit Piezoelementen den Bildsensor. Abfallender Staub haftet auf einem Klebestreifen. Die Sony Alpha 100 kommt mit einer ähnlichen Technik; hier vibriert der CCD kurzzeitig, sobald die Kamera ausgeschaltet wird. Und Sony hat neben der Kamera Alpha 100 ganze 17 eigene Objektive sowie drei von Carl Zeiss vorgestellt. Das teuerste Objektiv kostet 7000 Euro.

Wer ins Profilager wechseln möchte, der investiert rund 4500 Euro (ohne Objektive) in die Nikon D2XS mit einer Auflösung von 12 Megapixeln oder rund 6500 Euro für die Canon EOS 1Ds Mark II. Im Bereich der Bildauflösung ist diese Kamera mit 16,7 Megapixeln eine Klasse für sich.

Bei der Nikon-»S-Klasse« soll der Chip nun auch in der Betriebsart Highspeed-Bildformat funktionieren. Während der Verwendung des Highspeed-Bildformats sind Serienaufnahmen mit einer Bildfolge von 8 Bildern pro Sekunde möglich. Damit kann man Se-rien-Shots von jedem Formel-1-Rennen machen oder Makro-Aufnahmen von Blütenstaub. Mit solch einer Ausrüstung kann sich der Mensch hinterm Auslöser wie ein Starfotograf fühlen.

Künstler hatten immer ein Faible für Leica. Vor kurzem brachte Panasonic erstmals eine digitale Spiegelreflexkamera Lumix DMC-L1 (7,5 Megapixel) heraus – mit einem Wechselobjektiv von Leica. An dem Zoomobjektiv LEICA D VARIO–ELMARIT 2,8 – 3,5/14 – 50 mm können Blende, Brennweite und Fokus mit individuellen Einstellringen präzise, schnell und geräuschlos eingestellt werden.

In Zukunft werden die digitalen Spitzenkameras vielleicht ganz anders aussehen. Bis jetzt gleichen nämlich selbst die besten DSLR-Apparate äußerlich immer noch ihren analogen Vorgängern – eben nur ohne Film. Doch bald könnten sie nicht nur 500 Megapixel Auflösung (diese Auflösung können wir mit unseren Augen wahrnehmen) und eine immens gesteigerte Lichtempfindlichkeit bieten sowie integrierte Software, die das damit verbundene »digitale Rauschen« automatisch korrigiert, sondern auch ganz anders aussehen. Vielleicht wie ein elegantes Kästchen, eine Art »Hybridgerät« für Fotografie und Video, in das mühelos 3-D-Grafiken aus der Umgebung oder Animationen in die Aufnahmen eingespielt werden können, samt Drahlos-Netzwerk und Internet-Zugang. Dann könnte ich mich auf meinem Urlaubsfoto vor den Pyramiden in Gizeh zusammen mit Kleopatra – täuschend echt als »digitale Schönheit« simuliert – präsentieren.

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Autor/in: Manon Baukhage


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