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Königreiche
Kinder an die Macht?
Sie waren kaum den Windeln entstiegen und wurden dennoch auf den Thron gesetzt: Unmündige Knaben sollten Königreiche regieren – und waren oft nur Marionetten ihres Vormunds und seiner Berater.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Ein fröhliches Kinderlachen ist zu hören. Der knapp Dreijährige, fein herausgeputzt in einem mit aufwändigen Stickereien verzierten gelben Mäntelchen und einer purpurroten kronenförmigen Samthaube, hüpft vergnügt durch den Palast. Übermütig stupst er an einen leuchtend gelben Baldachin, der ihm die Sicht versperrt. Nun blickt er verwundert nach draußen, auf Tausende Menschen, die im Hof des Kaiserpalastes auf sein Erscheinen warten.
Das ist die Szene im Film »Der letzte Kaiser«, in der Pu Yi, der letzte Kaiser von China, frisch gekrönt vor sein Volk tritt. In dem Historienepos von Bernardo Bertolucci aus dem Jahr 1987 wird eindrucksvoll erzählt, welche Tragik sich im Leben des chinesischen Kindkaisers abspielt, der von der Kaiserinwitwe Cixi im Alter von zwei Jahren in Pekings Verbotene Stadt gebracht wurde. Cixi war eine der mächtigsten Regentinnen der Qing-Dynastie. Als Nebenfrau des chinesischen Kaisers Yianfeng führte sie von 1861 an nach dessen Tod die Regentschaft ihres fünfjährigen Sohnes Tongzhi bis zu dessen Volljährigkeit. Aber auch nachdem dieser selbst die Regierungsgeschäfte übernommen hatte, behielt Cixi faktisch das Zepter in der Hand. 1875 verstarb ihr Sohn mit 18 Jahren, ohne einen Nachfolger zu hinterlassen – offiziell an einer Pockenerkrankung, vermutlich aber eher an Syphilis, die er sich bei seinen heimlichen Ausflügen aus der Verbotenen Stadt zuzog. Seine Frau starb zwei Monate später.
Zum zweiten Mal übernahm Cixi daraufhin die Regentschaft für einen Kindkaiser; diesmal war es ihr dreijähriger Neffe Zaitian, der von ihr zum Kaiser ernannt wurde. Auch dieser Thronerbe wurde von ihr, wie zuvor schon ihr eigener Sohn, nicht zu einem starken Herrscher erzogen, sondern schwach gehalten, sodass sie auch nach dessen Volljährigkeit noch weitgehend die Fäden in der Hand behielt. Die einzige Regierungsstärke, die Guangxu mit 26 Jahren im Jahr 1889 bewies, ist die Hundert-Tage-Reform, bei der China modernisiert und entbürokratisiert werden sollte. Allerdings war dieses Dekret nicht im Sinne der Kaiserinwitwe. Daher ließ sie Guangxu mit Hilfe von anderen Gegnern der Reform wegsperren.
Offiziell erklärte sie ihn für schwerkrank – ein weiteres Mal war es ihr gelungen, ihre Machtposition zu demonstrieren. Die Reformen wurden daraufhin von der Kaiserinwitwe umgehend wieder rückgängig gemacht. Bis zu Guangxus und ihrem eigenen Tod einen Tag später, hielt Cixi faktisch alle Macht in ihren Händen. Es ist anzunehmen, dass diese »plötzlichen« Todesfälle, die mit dem Thronerbe im Zusammenhang standen, nicht zufällig geschahen. Moderne Forschungsmethoden brachten nun zumindest die Todesursache von Guangxu ans Licht: Ein forensisches Forscherteam aus Peking untersuchte die sterblichen Überreste des Kaisers und fand heraus, dass er mit einer erheblichen Menge Arsen vergiftet wurde. Von wem, bleibt zwar weiterhin unklar – vermutlich steckte hier aber das ungebrochene Machtinteresse Cixis dahinter, die die kaiserlichen Geschicke seit Jahrzehnten raffiniert zu lenken wusste. Ihr letzter Schachzug, bevor sie, nach 47 Jahren fast ununterbrochener Regentschaft, an einer Influenza starb, war die Ernennung Pu Yis zum Herrscher über China. Von da an war der kleine Pu Yi seiner leiblichen Mutter, einer Konkubine des Prinzen, entrissen und wuchs völlig abgeriegelt von der Außenwelt auf, umgeben von Erziehern, Dienern und seiner Amme. Seine männlichen Betreuer waren allesamt Eunuchen, denn außer dem Kaiser durfte kein einziger »echter« Mann in der Verbotenen Stadt leben. In dieser bizarren Welt wuchs er vom verspielten Kleinkind zum verzogenen, zuweilen tyrannischen Jungen heran. Ihm wurde selbst dann noch seine kaiserliche Allmacht vorgegaukelt, als er eigentlich längst zum Abdanken gezwungen war.
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