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Egoismus

Keine Panik auf der Titanic

Keine Panik auf der TitanicKeine Panik auf der Titanic

In der Geschichte der Luxusliner Titanic und Lusitania gibt es viele Parallelen. Beide Schiffe beförderten zu Beginn des 20. Jahrhunderts tausende Passagiere über den Ozean. Beide gingen unter.

Die Titanic sank nach einer Kollision mit einem Eisberg. 1517 ihrer 2207 Passagiere starben, weil es nicht genügend Rettungsboote gab. Drei Jahre später wurde die Lusitania im Ersten Weltkrieg von einem deutschen U-Boot versenkt. Dabei verloren 1198 von 1949 Passagieren ihr Leben. Wieder waren zu wenig Rettungsboote an Bord.

Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen den zwei Katastrophen. Ein Forscherteam um den Züricher Soziologen Bruno Frey untersuchte die Passagierlisten der Schiffe. Dabei errechneten und verglichen die Forscher die Überlebenswahrscheinlichkeit der anwesenden Männer, Frauen und Kinder.

Auf der Titanic war die Überlebenschance für Frauen um 50 Prozent höher als bei Männern. Kinder hatten eine um 14,8 Prozent höhere Chance zu überleben als Erwachsene. Trotz der drohenden Katastrophe hielten sich die Passagiere an den Befehl des Kapitäns: Frauen und Kinder zuerst!

Auch der Kapitän der Lusitania gab diese Anweisung. Dennoch überlebten auf der Lusitania besonders viele Männer zwischen 16 und 35. Frauen hatten nur eine 10 Prozent höhere Überlebenschance als Männer. Auch die Chance der Kinder war bedeutend niedriger als auf der Titanic.

Als Grund für das unterschiedliche Verhalten vermuten die Forscher die Dauer der jeweiligen Katastrophe. Die Lusitania ging innerhalb von 18 Minuten unter. Die Passagiere brachen in Panik aus und kämpften instinktiv um ihr eigenes Überleben.

Die Titanic sank zwei Stunden und 40 Minuten lang. Ihre Passagiere hatten somit mehr Zeit, sich ihrer Situation bewusst zu werden. Auch ihnen muss klar gewesen sein, dass sie sich in Todesgefahr befanden. Trotzdem überwanden viele der anwesenden Männer den angeborenen Anspruch auf das “Recht des Stärkeren“ und überließen Frauen und Kindern den Vortritt.

Das Fazit der Forscher: In einer gefährlichen Situation erwachen beim Menschen zuerst die Urinstinkte. Im ersten Moment denkt er nur daran, seinen eigenen Kopf zu retten. Ist jedoch genug Zeit zum Nachdenken, besinnen wir uns auf die sozialen Normen. Dann siegt die Moral über den Egoismus.

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