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Katholische Scheidung – wie geht das?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Nach katholischem Recht wird eine Ehe nicht geschieden, sondern für nichtig erklärt – ein kleiner, aber feiner Unterschied!

In der katholischen Kirche sind Scheidungen generell nicht möglich. »Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.« – so steht’s in der Bibel (Matthäus 19,6 und Markus 10,9). »Scheidung auf katholisch«, das geht nur unter einer Bedingung: Ein kirchliches Ehegericht muss die Ehe nachträglich für null und nichtig erklären – womit entschieden wird, dass die Ehe nie wirklich bestanden hat (»Ehenichtigkeitserklärung«).

Das ist gemäß dem Kirchlichen Gesetzbuch, dem »Codex luris Canonici« (CIC) von 1983 der Fall, wenn entweder so genannte »Ehewillensmängel« vorliegen oder von einer Eheunfähigkeit auszugehen ist – zum Beispiel durch »Impotentia Coeundi« (die Unfähigkeit zur Erektion). Oder Eheunfähigkeit aufgrund psychischer Störungen – etwa wenn einer der Partner drogen- oder alkoholabhängig ist oder »gravierende Reifungsdefizite« aufweist, wie das Bistum Trier mitteilt. Rund ein Viertel der Verfahren werden auf dieser Grundlage geführt. Eine speziell italienische Variante der Eheunfähigkeit sind übrigens die »Mammoni«, die »Muttersöhnchen«, die ihre Liebe zur »Mamma« über die Loyalität zu Frau und Kindern stellen.

Weit häufiger als die Eheunfähigkeit führen jedoch die »Ehewillensmängel« zur Widerrufung des Ehesakraments. Der Hintergrund ist folgender: Nach kirchlichem Recht kommt eine Ehe nur dann zustande, wenn beide Partner im Augenblick des Jaworts voll und ganz hinter der Verbindung stehen. Zu diesem »Willen zur Ehe« gehört z. B. auch der Wille zur Treue. Wenn es im Augenblick der Trauung an diesem Willen mangelt, dann wird das Ehesakrament wirkungslos – und die Partner sind frei für eine zweite kirchliche Trauung. 800 bis 900 Paare gehen jedes Jahr in Deutschland ans kirchliche Ehegericht, um sich trennen zu lassen – weltweit sind es rund 70000.

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