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Personenkult

Karriereziel Guru

Wer sich in die Fußgängerzone stellt und predigt, muss sich meist mit Laufkundschaft begnügen. Richtige religiöse Führer dagegen scharen Anhänger um sich, von denen sie verehrt und geliebt werden. Wie schaffen sie das? Eine Anleitung zum Erfolg als spirituelle Führungskraft

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Vorbildlich: Ein Guru meditiert im perfektem Lotus-Sitz
iStockphoto

Die Botschaft ist eindringlich: »Ich aber sage euch: Dient eurem Herrn, der euch und diejenigen vor euch erschaffen hat! Wenn dein Leben nicht selig ist, dann wisse, dass du auf dem Holzweg bist. Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt. Die Welt verliert sich mehr und mehr in Verwirrungen. Kampf, Not, Krankheit, Leid und Siechtum werden die Menschen hinwegraffen. Sehet dem Tode ohne Bedauern ins Gesicht. Das Unreine wird vergehen. Dann wird auf der ganzen Erde das Friedensreich entstehen.«

Wer hat das gesagt? Jesus? Mohammed? Oder eher Baghwan, Mun oder Gabriele Wittek? Vielleicht sogar Shoko Asahara? Alles richtig: Der Text ist aus Sätzen all dieser religiösen Führer zusammengeflickt.

Für jeden, der selbst ein solcher Führer werden will, wäre das schon mal eine brauchbare Vorlage. Andererseits kann es nicht reichen, den Leuten zuzurufen, sie sollen einem folgen, andernfalls drohe ihnen die Hölle. Damit erreichen Prediger nur ein paar amüsierte Passanten vor dem Haupteingang zum Möbelhaus. Die großen, erfolgreichen Führer verbindet dagegen ein Geheimnis: wie man die Massen fasziniert, sie hinter sich schart und dauerhaft an sich knüpft.

Das Dumme an diesem Geheimnis ist, dass es sich so schwer fassen lässt wie ein Nebelstreif. Jeder Religionsstar scheint seinem eigenen Erfolgsrezept zu folgen: Der Dalai Lama hat seine Güte, Sai Baba seine Allmacht, Charles Manson seinen Wahnsinn. Dreistes, bizarres oder menschenfeindliches Gebaren kann offenbar ebenso betörend wirken wie Vernunft, Warmherzigkeit oder Ruhe. Kann man auf dem Weg zum Führer also gar nichts falsch machen? Und nichts richtig?

»Allgemeine Regeln gibt es nicht«, bestätigt Professor Peter Antes, Leiter des Seminars Religionswissenschaft an der Universität Hannover. Der richtige Ort, die falsche Zeit, die richtige Zeit, die falsche Person – man weiß es nie. Buddha würde man heute vielleicht nur für einen harmlosen Wirrkopf halten. Ein Handbuch zum Guru in zehn Schritten ist also nicht machbar.
 

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