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Psychologie & Gesundheit

Kann man sich schlank denken?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Im Normalzustand entzieht unser Gehirn dem Körper 20 Prozent von dessen täglichem EnergiebedarfIm Normalzustand entzieht unser Gehirn dem Körper 20 Prozent von dessen täglichem Energiebedarf
Im Normalzustand entzieht unser Gehirn dem Körper 20 Prozent von dessen täglichem Energiebedarf
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Übergewicht hat nur in zweiter Linie mit Essen zu tun, in Wahrheit geht es um andere Dinge. Hirn- und Mentaltraining helfen, zu seinem persönlichen »Ich-Gewicht« zu finden.

Jeder zweite Deutsche hat Übergewicht, mehr Männer als Frauen. Auf sie wartet jetzt die alljährliche Diät-Saison: Über 300 Abnehmprogramme werden in Büchern und Zeitschriften angeboten, bei 90 Prozent der Betroffenen bringen sie keinen Erfolg. Ein merkwürdiges Phänomen: Menschen, die beim Abnehmen scheitern, sind beileibe nicht immer willensschwach – im Gegenteil: Unter den Korpulenten finden sich besonders häufig solche mit starkem Willen, Durchsetzungsvermögen und viel Energie. Warum setzen sie die nicht ein, um etwas gegen ihre Leibesfülle zu tun, die sie ja so gern loswerden möchten? Die Antwort: Sie würden gern, aber es geht nicht. Ziele außerhalb ihres eigenen Ichs zu erreichen, fällt ihnen nicht schwer, sich selbst zum Gegenstand ihrer Bemühungen zu machen, misslingt. Die Wissenschaft weiß heute, dass es dafür hauptsächlich zwei Ursachen gibt.

Die eine liegt in unserem Gehirn, das sich zuweilen äußerst egoistisch benimmt. Wissenschaftler nennen es „selfish brain“. Im Normalzustand entzieht unser Gehirn dem Körper 20 Prozent von dessen täglichem Energiebedarf. Bei Stress steigt sein Hunger aber auf bis zu 90 Prozent. Das Verhängnisvolle: Das Hirn holt sich nur die Glukose, den Rest überlässt es dem Körper, dem die normale Essensration genügen würde.

Warum spielt der Körper nach einer Diät „Jo-Jo“

Die Schaltzentrale in unserem Kopf denkt als Erstes und in schlechten Zeiten sogar ausschließlich an sich, sie will mit allen Mitteln ihr eigenes Gewicht halten. Das Gehirn eines Verhungernden zum Beispiel nimmt nicht ab, selbst wenn der Körper nur noch aus Haut und Knochen besteht. Das erklärt auch, warum der Körper nach Diäten „Jo-Jo“ spielt: Wenn wir uns wieder normal ernähren, läuft der Stoffwechsel vorsorglich noch eine ganze Weile im Sparbetrieb, und das Ganze
beginnt von vorne.

Neue amerikanische Studien ergaben, dass Diäten grundsätzlich gesundheitsschädlich sind. Der amerikanische Neurowissenschaftler Bruce McEwen von der University of New York wies nach, dass schon „gezügeltes Essen“ – also keine
radikale Kalorienreduktion  – genau so viel Stress im Hirn auslöst wie jedes andere Trauma. Das „selfish brain“ schraubt dann nicht nur seinen Energiebedarf hoch, sondern feuert auch die Kortisol-Produktion der Nebennierenrinde an. Dieses Stress-Hormon regelt den Salz- und Wasserhaushalt im Organismus, ist zuständig für den Blutzuckerspiegel und den Abbau von Eiweiß. Ständiger Überschuss aber verursacht großen Schaden: Zu viel Kortisol im Blut kann Depressionen auslösen, zu
Immun-Defekten und Osteoporose führen – und zu krankhaftem Übergewicht sowie Diabetes. Damit richtet es im Körper genau das an, was wir vermeiden wollten.

Die Selbstsucht des Denkorgans
erforscht auch ein Team von Wissenschaftlern der Universität Lübeck. Bei der Auswertung von 10000 Studien zu Adipositas (krankhaftem Übergewicht) und Diabetes stellten sie fest: Meist sind nicht die Gene oder ein gestörter Stoffwechsel schuld am Übergewicht, sondern das „selfish brain“. Der Forschungsleiter Professor Achim Peters entwickelte das Programm „train the brain“, das den Blick nach innen lenkt und hilft, bedarfsgerechtes Handeln zu finden.

Die zweite Ursache für das Scheitern beim Abnehmen ist unser Unterbewusstsein. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es uns eigentlich nur Gutes tun will, indem es uns mit etwas Speck panzert und damit vor etwas anderem schützt – nämlich vor der Auseinandersetzung mit unseren eigentlichen Problemen. Es verführt uns dazu, seelisches Unwohlsein einfach wegzufuttern und unsere Glücklich-Unglücklich-Balance scheinbar ausgeglichen zu halten. Denn unbestritten ist:
Essen schafft Wohlbefinden!

 

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Autor/in: Christine Schulz


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