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Stasi und BND

Kalter Krieg auf deutschem Boden

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Die beiden deutschen Staaten, beeinflusst von ihren »großen Brüdern« USA und UdSSR, standen sich nach 1945 misstrauisch gegenüber. Sie führten mit ihren Nachrichtendiensten BND und Stasi einen verdeckten Krieg, um die Gegenseite zu destabilisieren.

Am frühen Abend des 20. Juli 1954 stoppt ein chromglänzender Amischlitten am Kontrollpunkt vor dem Brandenburger Tor. »Wenn Sie weiterfahren, kommen Sie in den Ostsektor«, warnt ein Westberliner Zollbeamter die beiden Insassen. »Ja, da wollen wir auch hin«, antworten diese. »Wir müssen zur Charité.« Später sagt der Beamte aus: »An keinem der beiden Männer konnte ich Anzeichen entdecken, dass etwas nicht stimmte.«

So beginnt der rätselhafteste Spionageskandal der deutsch-deutschen Geschichte. Denn in der Limousine sitzt Otto John, der erste Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz und damit oberster Chef des Inlandsgeheimdienstes der jungen Bundesrepublik. Den Wagen steuert sein Freund Wolfgang Wohlgemuth (»WoWo«), Frauenarzt, Lebemann, Jazztrompeter, »Salonbolschewist« und – Agent des sowjetischen Geheimdienstes.

Zwei Tage später meldet der DDR-Rundfunk triumphierend den Übertritt Johns in den Osten. Und am 11. August 1954 erklärt Otto John selbst auf einer Pressekonferenz in Ostberlin unter anderem: »Ich habe mich (...) entschlossen, in die DDR zu gehen und hier zu bleiben, weil ich hier die besten Möglichkeiten sehe, für eine Wiedervereinigung und gegen die Bedrohung durch einen neuen Krieg tätig zu sein.«

Die westdeutsche Öffentlichkeit ist geschockt. Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) nennt Otto John einen »verächtlichen Überläufer«. Der hält in den folgenden Monaten zahlreiche Vorträge in der DDR, wettert gegen die Westpolitik Konrad Adenauers und die alten Nazis in der Bundesrepublik. Die DDR hofiert den prominenten »Asylanten«: Sie zahlt John monatlich 2500 Ostmark, stellt ihm ein Büro mit Sekretärin, eine komfortable Villa am Zeuthener See, eine Stadtwohnung und einen Mercedes mit Chauffeur zur Verfügung.

Doch plötzlich wendet sich das Blatt: Der übergelaufene Spionagechef »flieht« zurück in den Westen.
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Autor/in: Ulrich Doenike


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