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Robosex
Können wir Roboter lieben?
Roboter in Fabriken und Weltraum sind akzeptiert – aber Tisch und Bett mit ihnen teilen? Warum denn nicht, sagt ein Technikphilosoph. Robo-Liebe und Robo-Sex: der ultimative Kick oder ein Albtraum?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin 08/2009
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Die Laken sind zerwühlt, in der Luft flirrt Leidenschaft. Eine gewöhnliche Liebesnacht? Sie seufzt, von ihm kommt Motorschnarren: Der Liebhaber ist eine Maschine mit einem Innenleben aus Metall und Elektronik, programmiert, seine menschliche Partnerin mechanisch zur Ekstase zu bringen.
Das unmoralische Hightech-Angebot findet sich im Internet auf der Seite first-androids.de: Figuren aus Silikon für sie und ihn, mit »spürbarem Puls an Händen und der Halsschlagader«, »beweglichen Kiefermuskeln«, »Klitoris nach Kundenwunsch«, »Ersatzjungfernhäutchen« oder »Blowjob-System, stufenlos regelbar«. Die Bestellliste von First Androids im bayerischen Neumarkt erfüllt jede erdenkliche sexuelle Begehrlichkeit.
Ihr Erschaffer nennt sich CREATOR. Seine allgemeinen Geschäftsbedingungen weisen ihn aus als »Künstler, der den künstlichen Menschen schaffen will«. So illuster der Schöpfer, so unauffällig normal seine Kunden: »Es sind Arbeiter oder Professoren, Polizisten, Priester oder Computerfreaks, die sich teilweise das letzte Hemd absparen, um eine meiner Kreationen kaufen zu können.« Der Torso allein kostet 2600 Euro, die weibliche ANDY mit Grundausstattung 5300 Euro, und der männliche NAX schlägt mit über 7000 Euro zu Buche.
Sex mit Puppen und Maschinen zu haben und dafür auch noch so viel auszugeben, mögen viele verrückt finden. In einigen Jahrzehnten aber könnte Intimität zwischen Menschen und Robotern völlig normal sein, prophezeit der britische Wissenschaftler David Levy. Platinengesteuerte Lust-Spielchen werden etwas sein, was man sich zwischendurch gönnt, schreibt der Experte für künstliche Intelligenz in seinem Buch »Love & Sex with Robots« – die schnelle Robo-Nummer nebenbei, die das rein menschliche Liebesleben ergänzt. Levy geht noch weiter. Er sagt dauerhafte Beziehungen mit künstlichen Partnern und sogar Ehen zwischen Mensch und Maschine voraus: Ab dem Jahr 2050, glaubt er, könnten gemischt maschinell-menschliche Paare vor dem Traualtar stehen. Mensch und Maschine, erotisch verbunden: In der Wissenschaft steht Levy allein mit dem, was er sagt. Noch.
Während einige Experimentierfreudige bei den »Sexbots« sinnliche Erfüllung suchen mögen, erscheint der maschinelle Liebesdiener anderen als Lustschreck in Blechgestalt. »Ob wir Roboter willkommen heißen und wie, hängt nicht vom Alter ab, sondern davon, wie wir sozial erzogen werden und aufwachsen«, sagt Frank Kirchner, der die Forschungsgruppe Robotik an der Universität Bremen leitet. »Europäer, und vor allem Deutsche, nehmen neue Technik niemals bedenkenlos an. Wir haben die Epoche der Aufklärung erlebt. Sie hat uns zum Nach- und vor allem zum kontroversen Hinterfragen erzogen. Technikkritik ist eine Erfindung aus dieser Zeit.« Kirchner rät zur Gelassenheit.
Dennoch: Freie Liebe, Masturbation, Oralsex und Homosexualität werden gesellschaftlich akzeptiert – doch die intelligente Maschine als Liebhaber ist ein Tabu. »Im Moment sind wir nicht bereit, Robotern einen anderen Platz in unserer Gesellschaft einzuräumen, als wir das für andere Techniken auch tun«, sagt Michael Decker vom Helmholtz-Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe. Vor einigen Jahren hat er an der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine Expertengruppe geleitet zur Frage, inwieweit Roboter den Menschen künftig ersetzen können, sollen oder dürfen. Danach sollen Robos zwar in unserer Welt klar-, uns selbst aber nicht zu nahe kommen. Wir wollen sie in der Fabrik, im Weltraum oder in der Tiefsee, aber nicht im Bett.
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