Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Schiffsverkehr
Jetzt lernen Frachter surfen
Der Schiffsverkehr gehört zu den größten Umweltverschmutzern auf unserem Globus. Mit Windkraft, Flüssiggas und Spezialrümpfen soll die weltweite Flotte grüner werden.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Der kleine Drachen und das große Schiff passen irgendwie nicht zusammen. Der eine, hoch in der Luft, ist gerade einmal 160 Quadratmeter groß - ein dünner Stofffetzen, der sich im Wind mächtig aufbläht. Der andere, ein ausgewachsener Containerfrachter, ist 130 Meter lang und 10 000 Tonnen schwer. Er ist einer jener Pötte, die mehr als 5000 PS brauchen, um langsam auf Touren zu kommen. Und doch ergänzen sich die beiden prächtig: Bei günstigen Winden zerrt der Drachen, der mit einem Seil am Bug der »MS Beluga SkySails« befestigt ist, mit bis zu acht Tonnen an seinem scheinbar übermächtigen Partner. Genug, um den Containerriesen zu beschleunigen. Dessen Treibstoffverbrauch geht dann um fast die Hälfte zurück - und damit auch die Menge des Drecks, der durch seinen Schornstein geblasen wird.
In der Schifffahrt weht plötzlich ein neuer Wind. Lange Jahre hat sich die Branche gegen jede Form der Innovation gesträubt. Sie hat sich nicht um ihren Treibstoffverbrauch gekümmert - und erst recht nicht um die Umwelt. Doch das ändert sich gerade grundlegend. Aufgeschreckt von steigenden Ölpreisen, von drohenden Umweltschutzauflagen und immer stärkerer Konkurrenz, entdeckt die Schifffahrt ihre grüne Seite. Sie arbeitet an Rußfiltern und Entschwefelungsanlagen, an besseren Rumpf- und Ruderformen, an Solarschiffen und alternativen Treibstoffen. Sie muss aber auch erkennen, dass es auf dem Weg zum sauberen Schiff keine einfache Lösung gibt.
Und erst recht keine billige. Dass sich etwas ändern muss, steht allerdings außer Frage. Die fast 100 000 Schiffe, die derzeit über die Ozeane schippern, sind regelrechte Dreckschleudern. Nach wie vor verfeuern sie Bunkeröl, den Bodensatz der Erdölverarbeitung. Der schwarze Schlamm ist klumpig, schmutzig und so zäh, dass er auf bis 140 Grad Celsius erhitzt werden muss, um überhaupt in den Schiffsdiesel eingespritzt werden zu können. Bunkeröl enthält viel Energie - und noch mehr Schadstoffe: Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub und Unmengen Schwefeldioxid kommen aus den Schornsteinen der Frachter. »Schiffe sind im Prinzip schwimmende Müllverbrennungsanlagen«, sagt Christian Bussau, Schifffahrts-Experte bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Am schlimmsten ist der Schwefel. Bunkeröl darf davon bis zu 4,5 Prozent enthalten, rund 2700-mal so viel wie der Dieselsprit an der Tankstelle. Das hat Folgen: Zwei Dutzend Containerschiffe - einige Studien sagen sogar: die 15 größten Schiffe der Welt - pusten pro Jahr so viel Schwefel in die Luft wie alle 800 Millionen Autos zusammen. Weltweit wird die Schifffahrt für neun Prozent aller Schwefeloxid-Emissionen verantwortlich gemacht. Beim Klimakiller Kohlendioxid (CO2) sind es immerhin noch 4,5 Prozent. Damit liegt die globale Dreckflotte gleichauf mit Ländern wie Japan oder Indien, und sie produziert gut doppelt so viel Kohlendioxid wie der internationale Luftverkehr. Noch ungünstiger sieht die Umweltbilanz bei den Stickoxiden aus. Hier kommt die Schifffahrt allein in Europa auf 29 Prozent aller Emissionen. Probleme macht auch der Ruß, der beim Verfeuern des Schweröls entsteht. Alle Schiffe zusammen erzeugen so viel Feinstaub wie 300 Millionen Autos. Meereswissenschaftler schätzen, dass durch den Staub der Schiffe jährlich rund 60 000 Menschen an Lungenkrebs oder Herzerkrankungen sterben. Dabei ist Bunkeröl keine Notwendigkeit. Die meisten Aggregate in den Bäuchen der Frachter ließen sich auch mit herkömmlichem Schiffsdiesel betreiben. Der enthält deutlich weniger Dreck, ist aber auch fast doppelt so teuer.
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