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Goldschiebereien unter dem Berner Bundesplatz

Jakob Tanner im Interview

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Der Historiker Jakob Tanner hat als Mitglied einer internationalen Expertenkommission die Verwicklung der Schweiz in die Finanzgeschäfte des NS-Regimes untersucht. Mit P.M. HISTORY sprach er über verschwundenes Gold, willfährige Banker – ­und verspätete Einsichten.




P.M. HISTORY: Laut Auskunft der Schweizerischen Nationalbank liegt heute in ihren Tresoren kein Gold mehr, das zwischen 1939 und 1945 von der Deutschen Reichsbank angeliefert worden war. Wo ist es geblieben?
Jakob Tanner: Ein großer Teil des Goldes fand schon während der Kriegsjahre seinen Weg ins Ausland. Portugal war einer der Hauptabnehmer. Die Portugiesen zögerten, für ihre Rohstofflieferungen Gold direkt von der Reichsbank zu übernehmen. So ließen sie sich, vereinfacht gesagt, von den Deutschen mit Schweizer Franken bezahlen, die diese mit den Goldlieferungen erhalten hatten. Anschließend tauschten sie die Franken in der Schweiz in Gold ein. Aus Sicht der Portugiesen kam dieses Gold somit aus einem neutralen Land, dessen Bankbehörden beteuerten, es habe alles seine Ordnung damit.
Da die Schweizerische Nationalbank (SNB) auch von den Alliierten Gold ankaufte, ist es nicht nachvollziehbar, welche Goldbarren dann in welche Länder weitergingen. Jedenfalls hat die SNB mehrheitlich das Geld der Reichsbank an die ausländischen Zentralbanken weitergeleitet, das sie auch auf deren Rechnung direkt aus Berlin entgegennahm. Alle diese Zentralbanken hatten ihre Depots auch gleich in Bern, sodass man von einem großen Goldverschiebebahnhof unter dem Berner Bundesplatz sprechen kann.

Ist die Rolle der Schweiz als Finanzplatz während des Krieges mittlerweile aufgeklärt?
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