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»Wir möchten unsere Arbeit zeigen ...«

Interview mit Antonio Varone

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Antonio Varone, Direktor der Ausgrabungen von Pompeji, über neue Erkenntnisse der Archäologie, harte Kritik in den Medien – und warum er den Bürgern mehr Einblick in seine Forschungen gibt.




P.M. PERSPEKTIVE: Welchen Sinn haben Ausgrabungen in Pompeji in der heutigen Zeit?
Antonio Varone: Sehen Sie, wir haben von 1987 bis heute nur 1500 Quadratmeter ausgegraben: den Baukomplex um das »Haus der keuschen Liebenden«. Ausgrabungen sollen sich darauf konzentrieren, in klar begrenztem Umfang Sachverhalte zu klären. Das kann auch dazu führen, unseren allgemeinen Kenntnisstand zu verbessern. So hatten wir im »Haus der Maler bei der Arbeit« das Glück, perfekt zu verstehen, wie eine Malerwerkstatt arbeitete, welche Materialien benutzt wurden. Klar ist, dass wir nicht ausgraben, nur um zu sagen: »Wir haben ein neues Haus ans Tageslicht gebracht.« Denn es sind bereits 1500 Häuser freigelegt. Es geht nicht darum zu sagen: »Wir haben jetzt Nummer 1501.«

Bis heute ist das Bild weit verbreitet, dass Pompeji 62 n. Chr. von einem Erdbeben getroffen wurde und sich 79 n. Chr. noch nicht von diesen Schäden erholt hatte. Bei ihren Grabungen am »Haus der keuschen Liebenden« kommen Sie zu einem anderen Schluss.
Ja, wir haben in der Gasse, die zwischen den von uns mit 12 und 13 durchnummerierten Parzellen dieses Stadtviertels verläuft, Abwassergruben ausgegraben. Und die waren zum Zeitpunkt der Eruption offen, oben mit Lapilli gefüllt – und mit Material darunter, das diese Kanäle verstopfte. Meine Rekonstruktion ist, dass die Straße und die Kanäle 79 n. Chr. blockiert waren. Im Moment des Ausbruchs war man gerade dabei, dieses Material zu entfernen. Schon allein wegen des angrenzenden Stalls, in dem ich die Skelette der Esel und Maulesel gefunden habe – Tiere, deren Exkremente man entsorgen musste. Die Ursache für den Schutt auf Straßen und in den Gruben sehe ich nicht in dem Erdbeben von 62 n. Chr., sondern in viel zeitnaheren Erdstößen, die bis zur Eruption selbst die Stadt immer wieder erschütterten.

Haben Sie dafür noch andere Beweise?
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