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Sphinx
Im Reich des Sphinx
Bereits vor 5000 Jahren machten sich die Menschen im Land am Nil Gedanken über den Ursprung des Kosmos und der Götter rund um den Sphinx – um die Gefahren des täglichen Lebens und der Naturgewalten besser ertragen zu können.
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Die Ägypter machen alles anders als die übrigen Menschen«, berichtete der griechische Historiker Herodot, nachdem er im 5. Jahrhundert v. Chr. das Land am Nil bereist hatte. Recht hat er: Denn die Ägypter hatten nicht nur einen Schöpfungsbericht, sondern drei. Sie entstanden zwischen 3000 und 2000 v. Chr. in verschiedenen Kultzentren und zeigen, wie die damaligen Menschen versuchten, sich ein Bild von der Welt zu machen, um sie verstehen zu können. Wobei die Ägypter vor einem besonderen Problem standen: Sie mussten alles selbst »erfinden« und konnten nicht, wie spätere Kulturen, irgendwo abschreiben. Sie waren die Ersten, die sich Gedanken machten zur Entstehung der Welt und des Menschen.
Der älteste Schöpfungsbericht dürfte der von Hermopolis sein. Darin spielen als Ursprung der Schöpfung vier Götterpaare die Hauptrolle: Nun und Naumet symbolisieren das Urgewässer, Huh und Hauhet die Endlosigkeit des Raumes, Kuk und Kauket die Urfinsternis. Das vierte Paar ging mit der Zeit verloren, dafür tauchten ab dem Neuen Reich (ab 1500 v. Chr.) Amun und Amaunet auf, als Verkörperungen der Unsichtbarkeit und der Luft. Sie alle galten als Eltern des Lichts. Sie hoben dem Mythos zufolge die Sonne an den Himmel, damit diese alle Wesen des Universums beleben konnte. Jedenfalls steht es so in den etwa 5000 Jahre alten Pyramidentexten.
Für die Priester des Kultzentrums Heliopolis war der Gott Atum der Vater aller Götter. Nach dieser Schöpfungslehre herrschte am Anfang ein totales Chaos. Darin existierte nur Gott Atum, der »Vollständige«. Er zeugte ohne weibliche Mithilfe das erste Götterpaar: Schu, die Luft, und Tefnut, die in der Atmosphäre enthaltene Feuchtigkeit. Dieses Paar zeugte Geb, den Gott der Erde, und Nut, die Himmelsgöttin. Aus ihnen wiederum entstanden die Götterpaare Osiris und Isis sowie Seth und Nephtys. Im Mythos sagt Atum: »Alle Wesenheiten erhielten ihr Dasein erst, als ich erschienen war (...). Vorher war kein Himmel und keine Erde.«
Auf diesem Schöpfungsbericht baute der dritte auf, der in der Stadt Memphis entstand. Darin allerdings wurde der Stadtgott Ptah, Gott der Handwerker und Baumeister, zum Schöpfer des Universums. In Memphis erschuf Ptah den Sonnengott durch seine Zunge und sein Herz.
Es ist schwierig, die ägyptische Götterwelt zu ordnen, wie wir es von anderen Kulturen gewohnt sind. Nach dem Motto »je mehr, desto besser« ließen die Ägypter alte Götter und Mythen nicht verschwinden, wenn sie neue ersannen. Man vermischte vielmehr Altes und Neues. Das führte in 3000 Jahren dazu, dass Götterwelt und Mythen zu einem undurchdringlichen Gewirr wurden. Zu vielfältig sind auch die unterschiedlichen Erscheinungsformen der 1500 Götter und Göttinnen. Alle hatten zwar eine Hauptaufgabe, traten aber auch auf Nebenschauplätzen auf.
So war Osiris Sternenlenker, Herrscher der Unterwelt, Gott des Todes, der Wiederauferstehung und auch der Fruchtbarkeit, er beherrschte die Nilflut und beeinflusste die Elemente zum Wohle Ägyptens. Seine Gemahlin Isis wurde als Beschützerin der Menschen und Zauberin verehrt. Außerdem waren Osiris und Isis die Eltern von Horus, dem Himmels- und Sonnengott, der aber auch als Gott des Königtums galt, weil ihm das Tribunal der Götter den Thron Ägyptens zugesprochen hatte.
Seth, der Bruder des Osiris, beherrschte die Wüste, war Gott der Gewalt, des Chaos und der Verwirrung. Es gab aber auch Isfet, ebenfalls Göttin des Chaos und des Bösen. Seths Frau Nephtys war »Herrin des Hauses«, aber auch Totengöttin. Und Isis verschmolz in einigen Gauen mit der Nilpferdgöttin Thoeris, einer Schutzgöttin, die man anderswo mit der Himmelsgöttin Hathor gleichsetzte.
Seth, Symbol des Bösen, hasste übrigens seinen Bruder Osiris, den Guten, und ermordete ihn. Durch die Liebe seiner Frau Isis wurde Osiris jedoch wieder zum Leben erweckt, dann von Seth abermals ermordet – diesmal endgültig. Die altägyptischen Götter waren also sterblich. Selbst der überragende Sonnengott Re (oder Ra) wurde jeden Abend alt und schwach, starb nachts und wurde jeden Morgen zu neuem Leben erweckt. Auf diese Weise versuchten die Menschen, das abendliche Verschwinden der Sonne zu erklären.
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