Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
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P.M. Special CeBIT
Ich »use« – also bin ich!
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die digitale Revolution hat eine ganz besondere Lebensform hervorgebracht: den Benutzer technischer Geräte. Doch User ist nicht gleich User. Wer genau hinsieht, kann faszinierende Unterschiede in Erscheinungsbild und Lebensweise beobachten.
Der User als Phänomen
Haben Sie ihn auch schon
gesichtet? Zurzeit ist er wieder verstärkt auf Wanderschaft, wagt sich hervor aus seinem geschützten Reich und macht sich auf in ferne Städte. Genauer gesagt nach Hannover, zur CeBIT: der User. Wir reden wie selbstverständlich über ihn, denken aber selten über ihn nach. Was also macht ihn aus, den User?
Merkmale:
In der biologischen Systematik bildet der User eine eigene Familie. Sein Hauptmerkmal ist der Gebrauch technischer Geräte, die der Informationstechnik zuzuordnen sind. In erster Linie handelt es sich dabei um Computer. Er ist ein intelligentes, zur Selbsterkenntnis fähiges Wesen, was sich darin zeigt, dass der User sich in der Internetplattform Wikipedia bereits selbst definiert hat. Und zwar so: »Der englische Begriff User (Anwender, Verwender, Benutzer) ist in der elektronischen Datenverarbeitung gebräuchlich für den Benutzer eines Computers, also eine reale Person.«
Entstehung:
Die Geschichte des Users lässt sich ein Vierteljahrhundert zurückverfolgen, bis ins Jahr 1981. Damals kam der IBM-PC auf den Markt, der erste Personal Computer der Geschichte. Daraufhin mutierten erste Privatpersonen zu Usern, weil erstmals die Anschaffung eines Computers ohne allzu hohe Geld- und Platzinvestitionen möglich war. Einst hatten die Riesenmaschinen ganze Lagerräume gefüllt und teilweise über fünfzig Techniker zur Wartung benötigt. Das auch für Fachleute Undenkbare trat ein: die schnelle Ausbreitung des Users. So kann
man ihn heute millionenfach in freier Wildbahn beobachten.
Natürlicher Lebensraum:
Der User ist im Dschungel der Technik beheimatet, der ihm Nahrungsquellen und eine natürliche Umgebung bietet. Sein Lebensraum zieht sich durch sämtliche Klimazonen der Erde, er kommt inzwischen in nahezu allen Gebieten vor.
Nahrung:
Die Kost der Users besteht aus technischen Geräten. Diese wurden in den letzten Jahren immer kleiner und kompakter, dafür aber vielfältiger und nährstoffreicher.
Vorkommen:
Obwohl der Computer inzwischen fast überall beheimatet ist, hat er bevorzugte Siedlungsgebiete. So konnte er in den ärmsten Ländern der Erde bisher noch nicht recht Fuß fassen. Besonders in Südasien und in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist der User noch eine seltene Lebensform.
Erscheinungsbild:
Zur Klasse der Säugetiere
gehörend, kommt der User längst nicht mehr nur in männlicher Form vor. Zur Freude der überwiegend männlichen User werden ihre weiblichen Entsprechungen immer zahlreicher. Dank dieser Entwicklung ist zu erwarten, dass es in den kommenden Jahren nicht an nachwachsenden Usern fehlen wird.
Gattungen:
Unter der Familie der User gruppieren sich verschiedene Gattungen. So gibt es zunächst einmal den wohl bekanntesten aller User, den PC-User, sowie den Handy-User. Aber auch User von MP3-Playern, Spielekonsolen und PDAs bilden eine eigenständige Gattung in der Familie der User. Allerdings wird es immer schwieriger, die einzelnen Gattungen des Users zu unterscheiden, da sich Lebensräume und Verhaltensformen zunehmend überschneiden. Gattungsgrenzen verwischen immer mehr. Unsere P.M.-Computer-Zoologen haben genauer hingesehen.
TYPOLOGIE
Bestimmt kennen auch Sie User. Haben Sie vielleicht einen in der Nachbarschaft oder sitzen täglich in der
U-Bahn einem gegenüber? Dann haben Sie ihn wahrscheinlich schon einmal dabei beobachtet, dass er seinem Lebensinhalt nachgeht, dem »Usen«. Achten Sie das nächste Mal genau darauf, wie sein Handy aussieht und wie er es anfasst, und Sie wissen, zu welcher Art der User er gehört.
Typ 1: Der Geek
Der Geek ist eine selten zu beobachtende Spezies. Denn gewöhnlich hält er sich in heimischen Territorien auf, um dort neuen Entwicklungen auf den Grund zu gehen. Für ihn ist der Dschungel der Technik eher ein lichter Wald, in dem er sich mühelos orientieren kann. Daher bringt er sein neues Gerät mit dem nötigen Sachverstand optimal zum Einsatz, ja das Ein-, Aus- und Umstecken von bunten Kabeln bereitet ihm sogar spielerisches Vergnügen. Handbücher braucht er nicht. Selbst ausprobieren ist doch viel amüsanter.
Typisches Gerät: iPhone.
Typisches Verhaltensmuster: Der Geek freut sich unbändig, wenn er interessierte, aber unwissende Menschen über die neuesten technischen Möglichkeiten aufklären und dabei in einem Nebensatz seine eigenen Entwicklungen erwähnen kann.
Typ 2: Der Angeber
Er kann nicht anders. Das Kennenlernen neuer Menschen ist für ihn eine Aktivität, die er ohne die neueste technische Ausrüstung für undenkbar hält. Deshalb trägt er sein Handy sichtbar am Gürtel, wie ein Polizist seine Waffe. Denn das macht Eindruck, glaubt er. Setzt er sich, muss die neueste Errungenschaft gleich auf den Tisch gelegt werden. Klar, sonst sieht man sie ja nicht. Und dann wäre die Rieseninvestition, die eigentlich das Budget sprengt, völlig umsonst gewesen.
Typisches Gerät: Tablet PC.
Typisches Verhaltensmuster: Den Angeber erkennt man an der Angewohnheit, jedem Gesprächspartner sofort und ungefragt Ausstattung und Preis seines neu erworbenen Geräts zu erläutern.
Typ 3: Der Normalo
In seinen In Schubladen tummeln sich Disketten, in der Zimmerecke liegt ein Walkman. Überhaupt hat er sich diese Dinger nur gekauft, weil sie ja irgendwie schon praktisch sind und alle anderen so etwas ja auch haben. Geht sein alter Computer kaputt, sucht er am neuen verzweifelt das Diskettenlaufwerk und meckert dann über die neue Technik, die alles nur komplizierter und umständlicher macht. Anschließend ergibt er sich seinem Schicksal, und nach zwei Wochen Eingewöhnungszeit kauft er sich sowohl einen USB-Stick als auch einen MP3-Spieler. Ist eben doch irgendwie praktisch.
Typisches Gerät: iPod classic.
Typisches Verhaltensmuster: Der Durchschnitts-User reagiert auf alle anderen User, die ihn zu einem Neukauf überreden wollen, stets mit der gleichen Antwort: Wer braucht das denn schon, was ich habe, reicht völlig aus.
Typ 4: Der Ästhet
Der Ästhet ist unabhängig. Er braucht keinen technisch versierten Freund, der ihm das Für und Wider verschiedener Geräte erörtert. Denn er kauft das eine Handy, weil es in diesem Grünton so schick aussieht, und das Notebook, weil der Apfel darauf irgendwie toll wirkt. Ob ein anderes Gerät vielleicht eine höhere Leistung erzielt oder besser auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist, ist ihm gleichgültig. Er ist sich nach dem Kauf sicher: Sein neuer Besitz passt optimal zu ihm, seiner Wohnungseinrichtung und dem, was er sich auch in Zukunft kaufen wird.
Typisches Gerät: Mac mini.
Typisches Verhaltensmuster: Der Ästhet lädt gern zu sich nach Hause ein und bietet seinen Gästen ein Ambiente aus Kerzenschein und den darin schimmernden
technischen Geräten.
Typ 5: Der Gamer
Sein Glück möchte man haben. Ob Kartenspiele am Computer oder Tetris auf dem Handy, er kann überall das tun, wofür die Technik seiner Meinung nach erfunden wurde: spielen. Sein Highlight jedoch ist verständlicherweise die Spielekonsole. Hier kann er sich nach Lust und Laune austoben, seinen Daumen und damit seiner Fantasie freien Lauf lassen und das ausleben, was im wirklichen Leben nicht so richtig funktioniert hat: Tennis spielen oder Rockstar sein.
Typisches Gerät:
Nintendo Wii.
Typisches Verhaltensmuster: Der Gamer lebt seinen Spieltrieb überall aus, trommelt mit seinen Fingern auf
Tischen oder übt neue Rockstar-Posen in der Warteschlange.
Typ 6: Der Business-User
Andere bewundern ihn für seine Fähigkeit, mit nur zwei Fingern unglaublich schnell und laut auf eine Tastatur einzuhämmern. Er findet grundsätzlich, es könnte alles noch viel schneller gehen. Zeit ist ja bekanntlich Geld. Dann klingelt sein Handy. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag übrigens. Der Business-User geht ran, will sogleich das Beste aus dieser Störung machen, indem er noch schnell seine Mails checkt, und bestellt währenddessen im Internet ein Handbuch zu seinem neuen Gerät. Kann man ja irgendwann bei Gelegenheit lesen.
Typisches Gerät: BlackBerry.
Typische Verhaltensmuster: Egal, ob in der U-Bahn, im Restaurant oder beim Einkaufen, der Business-User hat mindestens eines seiner Geräte im Einsatz.
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