Der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur liegt darin, daß du in der Demokratie wählen darfst, bevor du den Befehlen gehorchst.
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Bücher, die die Welt veränderten
Homer: »Die Ilias«
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Er hat Künstler aller Epochen inspiriert – von Goethe bis Led Zeppelin, aber über den Mann, der das Epos im 8. Jh. v. Chr. unter diesem Namen verfasst haben soll, wissen wir nichts.
Die Story ist in groben Umrissen schnell erzählt. Wir befinden uns etwa im Jahr 1200 v. Chr. an der Westküste der heutigen Türkei vor der Stadt Troja. Seit zehn Jahren belagert ein Bündnis griechischer Staaten diese Hochburg der Trojaner. Dann passiert etwas Fatales. Der mykenische König Agamemnon hat während eines Überfalls ein Mädchen erbeutet. Dessen Vater ist aber, so stellt es sich heraus, ein mächtiger Priester Apollos – Agamemnon muss das Mädchen also zurückgeben. Als Entschädigung will er eine Sklavin seines Verbündeten Achilles. Ergebnis: Achilles rastet aus.
»Singe den Zorn des Achilles«, beginnt verkürzt das berühmte Epos. In 15 693 Versen erzählt es die Folgen dieses Zorns. Zunächst kehrt der gekränkte Achilles mit seinen Mannen ins Feldlager zurück und schmollt. Weil er nicht mehr an den Schlachten teilnimmt, wendet sich für die bisher siegreichen Griechen das Blatt, und Tausende müssen sterben. Unter den vielen Toten befindet sich auch Achilles’ Freund Patroklos. Als der wütende Held endlich einlenkt und wieder in das Kampfgeschehen eingreift, kann er zwar den Griechen zum lang ersehnten Sieg über ihren Feind verhelfen – aber am Ende stirbt er selbst.
Eine »Ilias« zu schreiben wäre der Traum eines jeden Schriftstellers. Seit mindestens dem 7. Jahrhundert v. Chr. ist dieses Buch ein Bestseller. Denn die Ilias ist nicht nur ein zentrales Werk der abendländischen Kultur – ihre Hauptfiguren sind vollblütige Menschen mit Stärken und Schwächen wie im richtigen Leben.
Schade, dass man gar nichts über den Autor weiß. Seit der Antike wird der Name Homer in Zusammenhang mit der Ilias (und ihrem Gegenstück, der »Odyssee«) gebracht. Mehr als ein Name war dieser Homer aber nie. Nach manchen Quellen stammte er von der griechischen Insel Chios, nach anderen aus Smyrna, dem heutigen Izmir. Vermutlich lebte er im 8. Jahrhundert v. Chr., und möglicherweise war er blind.
Heute gehen die Forscher überwiegend davon aus, dass der Stoff dieses Epos bereits jahrhundertelang mündlich überliefert worden war, bevor der Text im 8. vorchristlichen Jahrhundert – vielleicht von Homer – seine endgültige Form bekam. Was die Bedeutung des Werks nicht mindert. Außerdem ist die Debatte über den Entstehungszeitraum noch längst nicht abgeschlossen – eine starke Forscherfraktion geht von einer Entstehung der Ilias im 9./8. Jahrhundert aus.
Seit 2700 Jahren schöpfen Künstler aus dem Epos wie aus einem tiefen Brunnen. Seine Geschichten sind zeitlos. Nicht nur schulden ihm die Autoren der Antike viel – auch Shakespeare, Goethe und viele moderne Schriftsteller haben sich von ihm inspirieren lassen. Homers Epen stehen ohnehin seit der Antike Pate für die meisten Epen, die jemals in Europa entstanden sind. In der Malerei, in Comics, in der Rockmusik (etwa bei »Led Zeppelin«) und natürlich in mehreren Hollywoodschinken tauchen die Themen dieser traurigen Schlachtorgie ebenfalls unentwegt auf. So scheint für die Wut des Achilles kein Ende absehbar.
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