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Psychologie & Gesundheit

Hilft Schlafentzug gegen Depression?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Über 60 Prozent der depressiven Patienten geht es nach einer Nacht ohne Schlaf sofort und deutlich besser
iStockphoto

Ausgerechnet durchwachte Nächte sollen munter machen?

Zahlreiche Studien haben gezeigt: Es funktioniert. Über 60 Prozent der depressiven Patienten geht es nach einer Nacht ohne Schlaf sofort und deutlich besser: Sie fühlen sich bereits in den frühen Morgenstunden freier und leichter, haben - wie durch ein Wunder - wieder Freude am Leben. Systematisch untersucht wurde die antidepressive Wirkung von Schlafentzug bereits vor vierzig Jahren von den deutschen Psychiatern Walter Schulte und Rainer Tölle. Heute setzen die meisten Kliniken die Wachtherapie in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung ein, oder sogar als Ersatztherapie, wenn Antidepressiva nicht wirken.

Nachteil der Methode: Der positive Effekt ist zeitlich begrenzt. Unruhe, innere Spannung und Angst kehren schon in den nächsten Tagen wieder zurück. Macht nichts, sagen die Psychiater. Denn nach Wochen und Monaten auswegloser Verzweiflung gibt schon ein einziger guter Tag Mut zur Veränderung und Hoffnung auf Heilung. Außerdem kann die Wachtherapie bis zu dreimal pro Woche wiederholt werden. Wirksam ist der Schlafentzug allerdings nur, wenn konsequent nicht geschlafen wird. Nicht mal das kleinste Minuten-Nickerchen ist in der gesamten Nacht und am Folgetag erlaubt.

Gar nicht so einfach. Durchgeführt wird die Wachtherapie deswegen meistens in Gruppen. Um sich bei Laune zu halten, wird gespielt, gekocht, ferngeschaut oder spazieren gegangen. Strengstens verboten: Ruhepausen auf dem Bett, koffeinhaltige Getränke oder Alkohol. Für den positiven Effekt der Wachtherapie machen die Wissenschaftler den Gehirn-Stoffwechsel verantwortlich. Sie vermuten, dass der veränderte Schlaf-Wach-Rhythmus die Ausschüttung und den Abfall von Neurotransmittern beeinflusst. Beispiel: das "Glückshormon" Serotonin. Depressive Menschen haben einen niedrigeren Serotoninspiegel im Gehirn. In der Tiefschlafphase wird dieser Botenstoff vom Körper abgebaut. Fällt die Schlafphase aus, steht mehr Serotonin zur Verfügung, und die Stimmung hebt sich. Übrigens: Ob eine durchwachte (nicht durchzechte!) Nacht auch gegen ganz normale "Durchhänger" wirkt, muss jeder für sich selbst herausfinden. Die meisten Menschen sind wahrscheinlich am nächsten Tag einfach nur hundemüde.

 

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