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Hilfe für Zahnarztphobiker
„Mund auf!“ Aubacke, spätestens jetzt wäre ein Fluchtplan genial. Von wegen. Das Universitätsklinikum Münster hat die rettende Lösung: Angstfrei zum Zahnarzt, lautet das Ziel der neuen EDMR-Therapie (Eye Movement Desensitization and Reprocessing).
Rund 60 Prozent der Menschen bewerten den Zahnarztbesuch als unangenehm. Bei 11 Prozent wirkt allerdings auch kein „Zähne-Zusammenbeißen- und Durch“-Appell. Sie leiden unter Zahnbehandlungsphobie, die der krankhaften Flugangst ähnelt. Diese Störung geht meist auf belastende Zahnartzbesuche zurück, die die Betroffenen in der Kindheit erlebt haben. Sie reagieren mit ähnlichen Symptomen wie Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, etwa nach einem Unfall. Nachts haben sie Alpträume, tagsüber fühlen sie sich gereizt – Nervosität und Angst werden ihre Lebensbegleiter. Nie mehr zum Zahnarzt, beschließen viele dieser Menschen – mit schlimmen Folgen für die Zahngesundheit.
Amsterdamer Therapeuten haben bereits erste Erfolge mit der EDMR-Therapie gemeldet: Nach drei bis vier Sitzungen nimmt die Angst ab. Deshalb werden Fachkreise jetzt auch in Deutschland darauf aufmerksam. Stephan Doering, Professor im Bereich Psychosomatik in der Zahnheilkunde am Universitätsklinikum Münster (UKM), verrät, wie die Methode funktioniert.
Ein Interview erforscht zunächst die Krankheitsgeschichte des Patienten. Dabei wird ihm das traumatische Erlebnis bewusst gemacht. Dann muss der Betroffene mit seinen Augen der Hand des Therapeuten folgen. Als Alternative dazu hat er die Möglichkeit, abwechselnd links und rechts ein Geräusch zu registrieren. Entscheidend dabei ist: die wechselnde Stimulation der rechten und linken Hirnhälfte. Während Gefühle in der rechten Hirnhälfte entstehen, ist die linke für logische Zusammenhänge und Sprache zuständig. Bei posttraumatischen Belastungsstörungen besteht – im Gegensatz zu gesunden Menschen – eine Blockade: Die Gefühle werden nicht weitergeleitet und verarbeitet. Die EMDR-Therapie soll diese Schranke öffnen.
Doering und seine Mitarbeiter sind nun auf der Suche nach Betroffenen für die Studie in Münster. Die Probanden werden Bildern, Tönen und Gerüchen ausgesetzt, die einen Zahnarztbesuch begleiten. Gleichzeitig führen die Mediziner Verhaltenstests und Untersuchungen zur Messung der Aktivität der Hirnrinde durch. Ein Besuch in der Zahnklinik wird den mehrwöchigen Test abschließen, bei der die Phobie sich zurückbildet. Bei diesem Termin wird weder gebohrt noch extrahiert. Der Besucher darf sich auf eine intensive Zahnreinigung freuen. Für viele ist es dennoch ein Härtetest, sich nach Jahren der Vermeidung erstmals wieder „in die Höhle des Löwen“ zu trauen.























