Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Die Welten der Philosophen
Hildegard von Bingen
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Hildegard ist drei Jahre alt, als ihr zum ersten Mal ein »großes Licht« vor den Augen erscheint. Sie kann mit niemandem darüber sprechen, denn sie kennt noch keine Worte, um das Erlebnis zu schildern. Immer wieder hat sie solche Erscheinungen, aber erst als sie fünf Jahre alt ist, bemerkt die Umwelt, dass Hildegard offenbar über seherische Fähigkeiten verfügt. Eines Tages beschreibt sie ihrer Amme bis ins kleinste Detail ein hübsches Kalb mit schwarzweißem Fell; dabei zeigt sie auf eine trächtige Kuh. Einige Tage später wird das Kalb geboren – es gleicht der Schilderung des Mädchens haargenau.
Hildegard, 1098 bei Alzey in der Pfalz geboren, war das zehnte Kind wohlhabender Adeliger. 1106 schickten die Eltern Hildebert und Mechtild von Bermersheim die verträumte Einzelgängerin ins nahe gelegene Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg, das auch eine Klause hatte: einen Anbau, wo Klausnerinnen in spartanischen Zimmern lebenslang als Bräute Christi für das Wohl der Menschen beteten.
Hildegard kam in die Obhut einer älteren Nachbarstochter, der Klausnerin Jutta von Spanheim. Von ihr lernte sie in lateinischer Sprache lesen und schreiben, außerdem sticken, weben und singen. Das aufgeweckte Mädchen kränkelte viel, was jedoch seinen Wissensdurst nicht beeinträchtigte. Nach wie vor hatte es Erscheinungen, die es aber nur Jutta und dem Beichtvater Volmar anvertraute. – Mit 15 Jahren legte Hildegard das Ordensgelübde als Benediktinerin ab. Jahrelang arbeitete sie eng mit Jutta zusammen, die inzwischen als Oberhaupt (»Magistra«) der Klausnerinnen wirkte. Deren Zahl wurde im Lauf der Zeit immer größer, sodass die Klause bald einen regelrechten Frauenkonvent beherbergte. Als Jutta 1136 starb, wurde die Nonne Hildegard, obwohl selbst keine Klausnerin, zur neuen Magistra des Konvents gewählt.
1141 wachte sie eines Nachts auf und vernahm eine Stimme: Ab jetzt solle sie den Inhalt ihrer Erscheinungen niederschreiben. Sie bekam es mit der Angst zu tun, denn wie konnte sie sicher sein, dass sie nicht des Teufels Stimme gehört hatte, der sie in Versuchung führen wollte? Und wenn die Botschaft von Gott kam: War sie, Hildegard, nicht zu ungebildet, um die Aufgabe zu bewältigen? Als gottesfürchtiger Mensch des Mittelalters bat sie Beichtvater Volmar und Abt Kuno um Rat: Beide ermutigten sie, der nächtlichen Stimme zu folgen. Also begann sie zu schreiben – indem sie ihre Texte auf Wachstafeln einritzte. Volmar übertrug die Texte – ohne die grammatikalischen Fehler – auf Pergament. Sechs Jahre dauerte die Arbeit an dem Buch, dem Hildegard den Titel »Scivias« gab – »Wisse die Wege«.
Sein Inhalt ist eine mystische Vision der gesamten Weltgeschichte als Heilsgeschichte – von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht. Dabei offenbart sich ein Denken, das teilweise schon in die Moderne weist. So stellte Hildegard vor Gott und Jesus Christus den Menschen in den Mittelpunkt ihres Werks – eine frühe Humanistin. Während viele Zeitgenossen noch glaubten, dass die wahre Wirklichkeit nur im Jenseits zu finden sei, betonte Hildegard die Wichtigkeit der diesseitigen Welt. Im Hier und Jetzt wähle man stets zwischen Gut und Böse. Am Ende aber würden sich alle Menschen friedvoll versöhnen – und zwar nicht nur die Christen.
Geradezu revolutionär war ihr Gottesbild: Sie betrachtete den Schöpfer als männlich und weiblich zugleich. Damit setzte sie sich in Gegensatz zur Kirchenhierarchie, die damals eindeutig männlich geprägt war und Gott ausschließlich als »Gottvater« postulierte.
Kein Wunder, dass ihr Buch bald rheinauf, rheinab diskutiert wurde. Als Papst Eugen III. 1147 zu einer Synode nach Trier kam, ließ er sich eine Abschrift des Werkes schicken und von einer Kommission untersuchen. Er wollte wissen, ob der Teufel im Spiel sei. Aber die Gelehrten verneinten, und Hildegards Werk erhielt den Segen der Kirche.
Nun war die Nonne, inzwischen 50-jährig, endgültig zu einer Berühmtheit geworden. Schwärmerische adelige Mädchen pilgerten auf den Disibodenberg, um dem Benediktinerorden beizutreten. 1150 ließ die unermüdliche Hildegard deshalb ein Frauenkloster auf dem Rupertsberg bei Bingen errichten – von diesem Ort leitet sich ihr Beiname ab. Kaiser Barbarossa höchstpersönlich gewährleistete die Sicherheit dieses Klosters, das Hildegard als Äbtissin leitete. In den folgenden Jahren verfasste sie zwei weitere Bücher über ihre Visionen. Jahrelang beriet sie Kaiser, Päpste und Bischöfe und teilte, wenn nötig, ohne Scheu auch Kritik aus. Weil immer mehr Frauen auf den Rupertsberg kamen, errichtete Hildegard 1165 ein zweites Kloster im nahe gelegenen Eibingen.
Auch als Ärztin war sie sehr erfolgreich. Ihre Bücher über Medizin und Heilkräuter werden noch heute gelesen. Sogar was die Sexualität betrifft, war sie offen und tolerant, auch bezüglich der Homosexualität. Sie hinterließ übrigens die früheste Beschreibung des weiblichen Orgasmus. Ihr Talent als Musikerin war viel gerühmt, und ihre Lieder werden bis heute gespielt. 1179 starb Hildegard von Bingen nach einem erfüllten Leben auf dem Rupertsberg.
- Alte Medizin
- Essen und Trinken
- Mann und Frau
























