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Bücher, die die Welt veränderten

Henry David Thoreau

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die Ideen aus seinem Buch »Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat« bereiteten den Boden für Mahatma Gandhi und Martin Luther King.

Am 23. Juli 1846 kommt der 29-jährige Amerikaner Henry David Thoreau in die Stadt Concord (Bundesstaat Massachussets), um Vorräte einzukaufen. Jeder kennt den schrulligen jungen Mann, der derzeit in einer selbst gebauten Blockhütte im Wald wohnt, um der Natur näher zu sein. Auf dem Weg spricht ihn Sam Staples an, der städtische Steuereintreiber: Thoreau habe seit Jahren seine Gemeindesteuer nicht mehr bezahlt. Thoreau antwortet lapidar, er gedenke auch nicht zu zahlen, weil er sonst mit seinem Steuergeld die Sklaverei und den Krieg gegen Mexiko mitfinanzieren würde.

Prompt wird er verhaftet, kommt allerdings am nächsten Tag wieder frei, nachdem seine Tante die Steuerschuld beglichen hat.

Der empörte Aussteiger kehrt in seine Blockhütte zurück und schreibt sich seine Wut vom Leib. Unter dem Titel »Civil Disobedience«, zu Deutsch »Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat« outet Thoreau sich als Anarchist: Die beste Regierung sei, »diejenige, welche überhaupt nicht regiert«. Er träume von einer Gesellschaft, in der intelligente Individualisten das Sagen haben, wisse aber, dass die Menschheit noch nicht so weit ist. Seine vorläufige Lösung: Man müsse für die Rechte von Minderheiten kämpfen.

Sorgfältig analysiert er die bestehenden Machtstrukturen. Juristen, Politiker und Richter würden zu unmoralischem Handeln neigen, weil sie eigene Interessen verfolgen. Es liege also am Einzelbürger, Widerstand etwa gegen Korruption zu leisten. Und erhebe man seine Stimme nicht gegen das Übel der Sklaverei und des ungerechten Krieges, so sei man für diese Übel mitverantwortlich. »Will das Gesetz, dass Sie zum Agenten der Ungerechtigkeit gegen andere werden, dann sage ich: Folgen Sie dem Gesetz nicht!«

Auch wenn die Regierung ihre Kritiker verfolge, sei der Bürger aufgefordert, Mut zu zeigen. Würden Tausende aus Protest z. B. ihre Steuer nicht bezahlen, wäre die
Regierung schneller bereit, einzulenken und Reformen durchzuführen.

1848 trug Thoreau die erste Fassung seiner Protestschrift bei einer öffentlichen Lesung in Concord vor. Die Reaktion war wohlwollend, und der Text erschien ein Jahr später in gedruckter Form. »Civil Disobedience« wurde allerdings nicht zum Fanal eines neuen politischen Bewusstseins. Als der lungenkranke Querdenker 1862 starb, waren seine Schriften, auch das Meisterwerk »Walden«, eine Meditation über Natur und Politik, fast vergessen.

Erst 1907 zeigte »Civil Disobedience“ erste Wirkung. Dem jungen indischen Rechtsanwalt Mahatma Gandhi, der sich damals für die Rechte diskriminierter Inder in Südafrika einsetzte, fiel ein Exemplar in die Hände. Das Buch verhalf ihm zu seiner Taktik des »passiven Widerstands«. Auch Bürgerrechtler Martin Luther King hat die Botschaft Thoreaus früh entdeckt. Fakt ist: Immer wieder haben sich friedliche Demonstranten gegen das Unrecht – ob bei den Montagsmärschen in Leipzig, den Protesten in Peking oder jetzt im Iran – direkt oder indirekt auf »Civil Disobedience« bezogen. Es gilt als das Lehrbuch für den friedlichen Widerstand schlechthin.

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Autor/in: P.J. Blumenthal


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