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Kirche

Heiliger oder Mitläufer?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Papst Pius XII., geboren als Eugenio Pacelli, gilt manchen als Hitlers Helfershelfer, anderen als Wohltäter der Menschheit. Das Seligsprechungsverfahren läuft – obwohl die Forscher gerade erst die Quellen zu seinem Leben erschließen.

Im Kölner Dom weht die Hakenkreuzfahne. Katholische Geistliche, Bischöfe sogar, heben die Hand zum Hitlergruß. Im Berliner Sportpalast geben die Nazis eine Party für den zum Bischof der Hauptstadt berufenen Konrad von Preysing – Hakenkreuz und Christusmonogramm hängen nebeneinander. Diese Bilder haben sich ins Gedächtnis eingebrannt, ebenso wie die Tatsache, dass die katholische Kirche während des »Dritten Reichs« zum Holocaust, dem Völkermord an den Juden, schwieg. Hitler-Regime und Vatikan steckten unter einer Decke – davon gingen einige kritische Zeitgenossen schon während des Krieges aus.

Schon in den 1950er-Jahren lagen dafür vermeintlich handfeste Belege vor. So stimmten am 23. März 1933 die katholische Zentrumspartei und die ebenfalls katholisch geprägte Bayerische Volkspartei im Berliner Reichstag dem Ermächtigungsgesetz zu, das die Nazidiktatur überhaupt erst möglich machte. Nur fünf Tage später, am 28. März, nahmen die deutschen Bischöfe ihre bereits ausgesprochenen Verurteilungen des Nationalsozialismus teilweise zurück. Am 2. April verkündete Vizekanzler Franz von Papen, die Hitler-Regierung plane, mit der katholischen Kirche einen Vertrag zu schließen, der das gegenseitige Verhältnis regeln sowie die Rechte der Kirche festigen sollte: das Reichskonkordat. Schon am 20. Juli wurde es feierlich in Rom unterzeichnet, am Tisch saßen Franz von Papen sowie Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, der von 1917 bis 1929 der päpstliche Nuntius, also Botschafter des Heiligen Stuhls, im deutschen Reichsgebiet gewesen war.

Um sich die Unterschrift unter dieses Konkordat zu erkaufen, hatte Eugenio Pacelli
die katholischen Parteien gedrängt, dem Ermächtigungsgesetz zuzustimmen sowie die Bischöfe genötigt, ihre Kritik an den Nazis zurückzunehmen. Die drei Ereignisse standen nicht nur zeitlich in einem engen Zusammenhang, sondern durch die Person Pacellis auch in einem ursächlichen: Diese »Junktims-These« vertrat bereits in den 1950er-Jahren der Historiker und Politologe Karl Dietrich Bracher, später auch der evangelische Kirchenhistoriker Klaus Scholder, unter anderem in seinem viel beachteten Werk »Die Kirchen und das Dritte Reich« (erschienen ab 1977).
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Autor/in: Felicia Englmann


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