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Heißt es wirklich »Auge um Auge, Zahn um Zahn«?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Heißt es wirklich »Auge um Auge, Zahn um Zahn«?Heißt es wirklich »Auge um Auge, Zahn um Zahn«?

Kann der Tod von Gewalttätern ihre eigenen Bluttaten gutmachen?

Es klingt wie eine brutale Version des alten Reims: »Wie du mir, so ich dir« und steht angeblich so in der Bibel. Im Namen des viel zitierten Spruchs wurden Verbrecher im Mittelalter verstümmelt und Mörder in aller Welt hingerichtet. Immer wieder musste das Alte Testament so zur Rechtfertigung von Rachegelüsten herhalten, obwohl die fragliche Stelle im Zweiten Buch Mose völlig verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen zitiert wurde.

Worum geht es wirklich? In Kapitel 21 wird die Frage behandelt, was geschehen soll, wenn ein Mann einen anderen bei einer Schlägerei verletzt? »Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben ein Leben für ein Leben, ein Auge für ein Auge, einen Zahn für einen Zahn«, so wurde die Textstelle übersetzt, und das ist ungenau. Denn das hebräische Wort »tachat« bedeutet nicht »für«, sondern »anstelle von« oder »stellvertretend«.

Eine sinngemäße Interpretation des fraglichen Abschnitts lautet also: Der Täter muss dem Geschädigten etwas geben, das an die Stelle des Gliedes oder Organs tritt, das nicht mehr seine volle Funktion erfüllen kann. Die Bibel ruft damit nicht zur Vergeltung auf, vielmehr soll der Täter das Opfer angemessen entschädigen. Soll er sich also selber das Auge rausreißen? Nein, an anderer Stelle fordert die Bibel ausdrücklich, ein Richter solle die Höhe der Entschädigung festlegen – in aller Regel Geld und keinesfalls Blut. So können sich Täter und Opfer versöhnen, ohne dass sich die Gewaltspirale immer weiterdreht.

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