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Ein Schelm

Hasek und sein Schwejk

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Jaroslav Hasek, sein chaotisches Leben hatte viele Parallelen zu den Abenteuern seines Romanhelden, der als »braver Soldat« alles daransetzte, die militärische Führung der österreichisch-ungarischen Monarchie auf die Schippe zu nehmen.

Über ihn lacht die Welt: über den braven Soldaten Schwejk (sprich: Schwehk), den Romanhelden, den wir dem tschechischen Schriftsteller Hasek (sprich: Haschek) verdanken. Schwejk, Prototyp des naiv-verschmitzten Lebenskünstlers, war so neu, so originell, dass er schon bald zur satirischen Weltliteratur gerechnet wurde, an der Seite so bedeutender Roman-helden wie etwa des »Simplicissimus« von Grimmelshausen oder »Don Quichote« von Cervantes. Als 1926 die deutsche Übersetzung des »Schwejk« erschien und kurz darauf 18 Übersetzungen in andere Sprachen, konnte sich der Autor seines internationalen Bestseller-Ruhms freilich nicht mehr erfreuen; da war er mit nicht einmal vierzig Jahren gestorben – an Herzversagen, hieß es im Totenschein, am Suff, sagten seine Freunde.

Heute wird die Weltauflage des Buches auf drei Millionen verkaufte Exemplare geschätzt, es gibt mehr als fünfzig Übersetzungen. Und es gab Dramatisierungen: Der große deutsche Schauspieler Heinz Rühmann spielte den Josef Schwejk im Film (1960), der bedeutende österreichische Schauspieler Fritz Muliar in einer Fernsehserie (1972). Nur in einem Land wurde Haseks Roman lange verkannt: In seiner Heimat, in Prag, wo die Literaten über seine volkstümliche Sprache die Nase rümpften. Das Werk war für sie kein Kunstwerk, und der Held galt ihnen nicht als Prototyp ihres Landes. Tschechische Literaturkritiker regten sich auf und verdammten den Schwejk als wertlose Schweinerei. Den Lesern im Ausland aber, denen ja Übersetzungen vorlagen, war anderes wichtig: Weil der Erste Weltkrieg mit seinen mörderischen Schlachten und sinnlosen Opfern an Menschenleben noch nicht lange zurücklag, konnten den Kriegsheimkehrern die lustigen Streiche des Soldaten Schwejk Entlastung und psychologische Befreiung von ihren Erlebnissen im Feld bringen.

Im Leben des jungen Jaroslav Hasek ging schon früh einiges schief. Sein Vater, ein verkrachter Lehrer, dann Beamter in Prag, starb, als der Sohn kaum 13 Jahre alt war. Weil noch ein Bruder und eine Cousine in der Familie lebten, musste die Mutter als Wäschenäherin arbeiten, und Jaroslav konnte nicht länger das Gymnasium besuchen. Eine kurze unerfreuliche Lehrzeit in zwei Drogerien folgte, und schließlich bezog er die Handelsakademie, die er mit regulärem Abschlusszeugnis verließ, um als Unterbeamter in eine Bank einzutreten. Förderlich war ihm dabei freilich nicht, dass er mit der Anarchistenbewegung liebäugelte und ihr 1904 als Mitglied beitrat. Hasek – runder Kopf und rundes Gesicht mit rosigem Teint –, dieser Jaroslav Hasek unterschied sich merkwürdig von anderen Menschen: Er war ein sonderbarer Geist, Chaot und Bohemien in Prag – und in Russland jahrelang Politkommissar. Seine Frau und ihr gemeinsames Baby hatte er verlassen. Dennoch hielt sie ihn für ein Genie; seine Freunde indes stöhnten unter seiner Haltlosigkeit und Unberechenbarkeit. ...

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Autor/in: Peter Boccarius


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