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Fühlen

Harter Sitz - hartes Herz

Verhandlung missglückt? Vielleicht lag es gar nicht an Ihnen, sondern daran, dass Ihr Gegenüber auf einem ungepolsterten Stuhl saß. Zwei Psychologen der Yale Universität zeigen, dass unser Tastsinn erheblich unsere Gefühle und Gedanken beeinflusst. Ob Formen, Gewicht oder Temperaturen, sie beeinträchtigen unser Gemüt und wie wir die Welt sehen.

Für Verhandlungen mit dem Chef bietet man ihm besser einen weichen Sessel an.Für Verhandlungen mit dem Chef bietet man ihm besser einen weichen Sessel an.
Für Verhandlungen mit dem Chef bietet man ihm besser einen weichen Sessel an.
D. Sharon Pruitt/flickr.com

Anhand von Experimenten konnten die Psychologen das demonstrieren. Bei einem simulierten Bewerbungsgespräch hielt eine Gruppe von Befragern ein schweres Klemmbrett in der Hand. Zum Vergleich bekam eine andere Gruppe ein leichteres in die Hand gedrückt. Die Befrager mit dem schweren Klemmbrett glaubten am Ende der Gespräche, dass die Bewerber ihren Job ernster nehmen würden.

Bei einem weiteren Versuch machten die Psychologen den Stuhl-Test: Menschen, die auf einen harten, polsterlosen Stuhl sitzen, sind weniger gewillt, einen Kompromiss bei Preis-Verhandlungen zu machen. Personen dagegen, die auf einem weichen, gepolsterten Stuhl saßen, waren viel kompromissbereiter. Die Tests basieren auf einer Studie, die der Psychologe John Bargh 2008 veröffentlichte.

Tastsinn beeinflusst unser Verhalten massiv

In der besagten Studie stellte er fest, dass Menschen ihr Gegenüber großzügiger einschätzten, nachdem sie eine warme Tasse Kaffe in der Hand gehalten hatten. “Die Versuche zeigen, dass die alten Konzepte von der Trennung des Körpers und des Geistes nicht wahr sind“, sagt Bargh. “Unser Geist ist tief und einheitlich mit unserem Körper verbunden.” Schon Säuglinge lernen, dass es äußerliche Faktoren wie Rauheit, Wärme oder Härte gibt. Diese sind entscheidend für die Heranwachsenden und wie sie ihre Mitmenschen wahrnehmen.

So können sie später beispielsweise zwischen Warmherzigkeit oder Kaltherzigkeit unterscheiden. “Tasten ist ein wichtiger Sinn, die Welt um uns herum zu erforschen. Anhand des Erlebten bauen wir schon als Kleinkinder ein mentales Gerüst auf. Je älter wir werden, desto mehr verstehen wir, wie unsere Umwelt ist”, erklärt der Psychologe. Der Einfluss des Tastsinns spiegelt sich auch in alltäglichen Floskeln wie “Ich hatte einen harten Tag” oder ”Ich nehme jemanden an die Kandare” wieder. “Die äußerlichen Einflüsse formen nicht nur die Grundlage unserer Gedanken und Sichtweisen, sondern auch unser Verhalten gegenüber anderen. Manchmal nur, weil wir auf einem harten anstatt weichen Stuhl sitzen”, sagt Bargh.

 

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