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Wissenschaft & Technik

Hört man mit geschlossenen Augen besser?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Hirnforscher haben festgestellt, dass vor allem bei konzentriertem Hören das Gehirn alle anderen Signale ausblendetHirnforscher haben festgestellt, dass vor allem bei konzentriertem Hören das Gehirn alle anderen Signale ausblendet
Hirnforscher haben festgestellt, dass vor allem bei konzentriertem Hören das Gehirn alle anderen Signale ausblendet
iStockphoto

Dirigenten und Solisten sind bekannt dafür, dass sie beim Musizieren die Augen schließen. Herbert von Karajan: »Geschlossene Augen helfen, die inneren Zusammenhänge der Musik deutlicher zu sehen.«

Die lettische Geigenvirtuosin Baiba Skride sagt: »Ich höre besser mit geschlossenen Augen, man ist in einer anderen Welt.« Auch Rockstars auf dem Höhepunkt des Gitarrensolos sieht man selten mit offenen Augen. Starmarotte? Angewohnheit? Oder eine Notwendigkeit?

Hirnforscher haben jetzt festgestellt, dass vor allem bei konzentriertem Hören das Gehirn alle anderen Signale ausblendet. »Beim Sehen entgehen uns akustische Signale, mit geschlossenen Augen bemerken wir die Feinheiten«, stellt der Neurologe Dr. Henning Scheich fest, Direktor des Leibnitz-Instituts für Neurobiologe in Magdeburg.

Warum das so ist, haben Wissenschaftler der Wake Forest University (USA) an Versuchspersonen nachgewiesen: Die Großhirnrinde verlagert ihre Aktivitäten umso mehr vom Seh- auf das Hörzentrum, je schwieriger eine Aufgabe zu lösen ist. Forscher der Cambridge University stellten ebenfalls fest, dass das Gehirn beim Lösen schwieriger Aufgaben gezwungen ist, weniger relevante Reize auszublenden.

Im Idealfall sind unsere fünf Sinne durchaus in der Lage, ihre Aufgaben korrekt zu erfüllen, sie verfügen über ein klares Trennvermögen, koppeln nur wenige Wahrnehmungen miteinander. Bei einigen Menschen ist das anders: Sie hören Farben, sehen Töne, schmecken Formen – die sinnliche Wahrnehmung gerät durcheinander. Synästhetiker nennt man sie, drei von tausend Menschen leben mit solchen Sinneswirrungen, »Hyperbinding« genannt: Ihr Gehirn ist in der Lage, viel mehr Kopplungen von Sinnesreizen entstehen zu lassen.

Was Synästhetiker empfinden, hat der russische Komponist Alexander Skrjabin versucht darzustellen: Für seine Symphonie »Prometheus« erfand er ein »Lichtklavier«, das bei der Uraufführung 1915 in der New Yorker Carnegie Hall eingesetzt wurde und Farbenspiele auf eine Leinwand projizierte – Vorläufer für die Light-Shows der heutigen Popkonzerte.

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