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Kriminologie

Händler des Todes

In den Jahren 1827 und 1828 hielt eine Mordserie ganz Schottland in Atem: Nahe West Port, einer Straße in der Altstadt von Edinburgh, töteten zwei Männer Bettler, Prostituierte und Vagabunden, um deren Körper an die Anatomie zu verkaufen.

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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In den Jahren 1827 und 1828 hielt eine Mordserie ganz Schottland in Atem
iStockphoto

Am 31. Oktober 1828 hatte Mary Docherty Glück. Als sie am Grassmarket in Edinburgh bettelte, nahm sie der Flickschuster William Burke mit nach Hause. Sie aß sich satt und wärmte sich am Feuer. Abends feierten sie Halloween mit den Nachbarn, und Mary Docherty tanzte und sang.

Am nächsten Tag griff Ann Gray, die mit ihrem Mann zu Besuch war, neugierig in einen Haufen Bettstroh und bekam Mary Dochertys kalten Arm zu fassen. James Gray alarmierte die Polizei, doch nun war die Leiche verschwunden. Man fand sie schließlich in einer Kiste im Keller der Anatomieschule von Dr. Robert Knox. Der erste Zeitungsbericht über den Mord brachte die Stadt in Aufruhr.

Mord für die Anatomie! Leichenräuber terrorisierten Edinburgh seit Jahrzehnten im Dienste der Wissenschaft. Die Universität zählte zu den besten in Europa, und die medizinische Fakultät lockte Studenten von weither an. Und: Die Seziersäle gierten nach Leichen. So genannte Auferstehungsmänner plünderten die Friedhöfe bis weit ins Umland, trotz bewaffneter Patrouillen und eiserner Schutzkäfige für die Särge. Und nun sah es ganz so aus, dass sie auch vor Mord nicht zurückschreckten!

Leichendiebe allerdings waren William Burke und sein Komplize William Hare nie gewesen. Zehn Jahre zuvor waren sie mit mehreren tausend Wanderarbeitern aus Irland gekommen, um den Union Canal bei Edinburgh zu bauen: vier Jahre Schwerstarbeit für Hungerlohn. Danach schlug sich Burke als Weber, Bäcker und Schuster durch. 1827 war er mit seiner Geliebten Helen MacDougal in Edinburgh auf Arbeitssuche. Sie trafen Margaret und William Hare, die eine Herberge in Tanner’s Close betrieben, einer der finsteren, stinkenden Gassen der Altstadt: zwei Stuben mit acht Betten, in denen Gäste oft zu dritt schliefen. Ein privates Zimmer für die Hares und ihr Baby gab es nicht. William Hare verkaufte auch Fische, und in einem Koben vor dem Haus mästete er Schweine.

Burke und Helen zogen bei den Hares ein, und Burke benutzte einen Verschlag als Werkstatt. Im Dezember starb ein Mieter namens Donald. Er hatte Schulden bei Hare und hinterließ keinerlei Besitz, weshalb Hare beschloss, Donald selbst zu Geld zu machen. Er bat Burke um Hilfe. Sie gingen zur Universität und erkundigten sich beim erstbesten jungen Mann nach dem Anatomieprofessor. Als sie ihr Anliegen erklärten, schickte der Student sie zum Institut von Dr. Robert Knox am Surgeon’s Square.

Dort trafen sie auf die Assistenten Fergusson, Jones und Miller, die ihnen sagten, sie sollten das »Objekt« nach Einbruch der Dunkelheit vorbeibringen. Als handelte es sich um eine Ladung Kartoffeln, gingen Burke und Hare nach Hause, steckten Donald in einen Sack und schleppten ihn zum Surgeon’s Square. Knox selbst begutachtete die Leiche und ließ ihnen sieben Pfund und zehn Schilling auszahlen. Fragen stellte niemand. Jones sagte, man würde sie gerne wiedersehen, wenn sie das nächste Mal eine Leiche zu verkaufen hätten.

Wenn man mal eine echte Chance für ein Geschäft gewittert hat, darf man nicht zimperlich sein – dachten sich vermutlich die beiden. Denn einige Wochen später lag in der Herberge ein Gast mit hohem Fieber darnieder, er wurde »Joseph the Miller« genannt, und die Hares fürchteten, einen zahlenden Mieter zu verlieren. Wie also den drohenden Verlust kompensieren? Burke drückte Joseph ein Kissen aufs Gesicht, und Hare legte sich auf ihn, damit er nicht zappelte. Für Joseph bekamen sie zehn Pfund – viel Geld für einen Flickschuster und einen Fischverkäufer.

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