Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Alchemie
Goldmachen - geht es vielleicht doch?
Wer früher als »Goldmacher« den Mund zu voll nahm, wurde hingerichtet. Dennoch gingen die Versuche, das Edelmetall im Labor herzustellen, immer weiter. Heute beteiligt sich sogar die Wissenschaft daran.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Kurz vor Weihnachten 1934 erhält Heinrich Hermann Kurschildgen ein Ultimatum. Innerhalb von 14 Tagen soll er 500 Gramm Gold herstellen. Der Erfinder macht Nazi-Größen wie Heinrich Himmler seit Jahren Versprechungen. Sie nähren einen verschwörerischen Plan der Nationalsozialisten. Mit einer Goldschwemme wollen sie das Weltwährungssystem zu Fall bringen – und damit die Macht des Geldes der verhassten Juden. Aber auch diesmal liefert Kurschildgen nicht, sondern taucht unter.
Die Suche nach einem Rezept, mit dem sich Gold machen ließe, hat groteske Geschichten hervorgebracht. Die Mächtigen wurden bis in unsere Tage hinein hellhörig, wenn Alchemisten als Goldmacher ihre Dienste anboten. Versprechen gab es unzählige – Gold aber nie. Erst seit einigen Jahren kennen Forscher die physikalischen Reaktionen, die im Prinzip die Synthese des Edelmetalls erlauben. Doch darüber vergingen mehr als vier Jahrtausende.
»Die Priester im Alten Ägypten waren nicht nur Seelsorger, sondern auch praktisch arbeitende Technologen«, erzählt der Münchner Wissenschaftshistoriker Claus Priesner. Um ihre Tempel auszuschmücken, mussten sie Metalle schmelzen, Glas bearbeiten, neue Farbpigmente erfinden, aber auch Ersatzstoffe für Gold und Edelsteine suchen. Wer damals aus Kupfer und Zinkoxid goldfarbenes Messing herstellen konnte, stand bei den Pharaonen hoch im Kurs.
Das handwerkliche Wissen alt ägyptischer Priester vereinigte sich im Lauf der Jahrhunderte mit der griechischen Naturphilosophie. Nach der Lehre des Aristoteles, die bis in die Neuzeit galt, waren Metalle Mischungen der Urstoffe Erde, Wasser, Luft und Feuer – die Elemente wiederum waren ineinander umwandelbar. »Damit stand der Idee, Gold oder Silber aus anderen Stoffen zu erzeugen, nichts mehr im Wege«, sagt Priesner.
Stoffumwandlungen haben seit je etwas Magisches. Ob Holz zu Asche und Rauch verbrennt oder Bronze aus Kupfer und Zinn zusammenschmilzt: Auch heute noch erleben wir mit allen Sinnen das Wunder, welches frühe Technologen wie Philosophen gleichermaßen faszinierte. Die Natur lässt leckere Früchte aus der Erde wachsen: Aus Wasser, Licht und Luft entstehen wertvolle Stoffe. So erklärt sich auch der Name jener Wissenschaft, die uns bis heute in ihren Bann zieht: »Al-kimiya«. Sie leitet sich von dem fruchtbaren Nilschlamm ab und heißt so viel wie »schwarze Erde«.
Dem Alchemisten war klar: Der Mensch kann nur schaffen, was auch die Natur vermag. Wenn er allerdings das nötige Wissen erwirbt, kann er die Dinge auch beschleunigen – so, wie Pflanzen bei guter Pflege besonders üppig gedeihen. Die Umwandlung von Metallen, vermuteten die Alchemisten, muss bei großer Hitze und unter großem Druck im Erdinneren ablaufen – unendlich langsam: Aus Blei wird Silber, aus Silber wird Gold. Um solche »Transmutationen« in der Alchemistenküche zu bewerkstelligen, brauchte man aber den »Stein der Weisen«, ein geheimnisvolles Pulver, das den Naturvorgang beschleunigte und aus Blei das begehrte Gold werden ließ. Die Suche danach brachte viele neue Erkenntnisse hervor, von denen wir noch heute profitieren.
So wurde Phosphor 1669 von dem Hamburger Alchemisten Hennig Brand entdeckt. Eigentlich wollte auch er Gold herstellen. Dazu hantierte er mit etlichen Flüssigkeiten, unter anderem mit Urin. Brand verdampfte ihn, kühlte ab, erhitzte wieder, bis nach einiger Zeit weißer Rauch entstand und sich an der Wand des Gefäßes eine schneeweiße Substanz niederschlug, die geheimnisvoll leuchtete. Diesen neuen Stoff nannte der Alchemist Phosphor, was griechisch »Lichtträger« heißt.
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