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Eldorado
Goldene Stadt im Dschungel: Die Sage von Eldorado
Einen Goldschatz von unermesslicher Größe vermuteten die Spanier in den Urwäldern von Südamerika. Sie folgten einer uralten Legende in die entlegensten Winkel des Kontinents und entdeckten zwar kein Eldorado, aber dafür einiges anderes.
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Diese Luft, diese verdammte schwüle Luft. Dazu der Regen, die permanente Nässe, die nicht nur die Kleidung aufweicht, sondern irgendwann auch den Menschen, der sie trägt. Die wilden Tiere, die im Unterholz lauern, diese unbekannten Laute, die aus dem Urwald dringen. Stöhnend und schnaufend, geplagt von eiternden Wunden, die nicht heilen wollen, und völlig verdreckt schleppen sich die Soldaten durch den Dschungel Südamerikas. Soldaten? Was man hier sieht, hat mit einem Krieger kaum noch Ähnlichkeit: Die »Uniform« voller Löcher, zerfetzt von den messerscharfen, fast mannshohen Gräsern, der Brustharnisch verrostet, die Schwerter stumpf vom ständigen Kampf gegen Büsche und Bäume, durch die sich die Männer regelrecht durchhauen müssen. Die Gesichter sind zerfressen von den Millionen Stechmücken, die hier reiche Beute finden, die Füße stecken in Lumpen, die die Bezeichnung »Schuhe« eigentlich nicht mehr verdienen. Es ist die leibhaftige Hölle auf Erden.
Nur das Gehirn dieser geschundenen Abenteurer scheint noch zu arbeiten. Sie sehen die Berge vor sich, diese Riesen, 5000 Meter hoch, die den Himmel berühren. Und hinter den Mauern aus Dschungel und Felsen – da muss es sein, das sagenhafte Land »Eldorado«. Das Paradies, der Himmel auf Erden! Immer wieder rufen sich die Soldaten jene Erzählungen der Einheimischen ins Gedächtnis zurück, die sie so elektrisiert haben. Da oben, hinter den Bergen, lebe ein Volk auf einer Hochebene. Und diese Menschen hätten eines im Überfluss, nach dem die Fremden geradezu krankhaft gierig sind: Gold. Es muss in einem solchen Überfluss vorhanden sein, dass das Bergvolk wohl gar nicht weiß, welchen Wert es hat. Diese These scheint ein Bericht zu bestätigen, den die
Soldaten schon hundertfach von den Indios im Tal gehört haben.
Der König des geheimnisvollen Volkes jenseits der Berge, so die Erzählung, wird bei seinem Amtsantritt von den Fürsten mit wohlriechendem Balsam eingerieben. Dann bedecken sie den Herrscher, der vollkommen nackt ist, mit feinstem Goldstaub. Anschließend lässt sich der König mit seinem Hofstaat auf einem Floß in die Mitte eines Sees rudern, wo er in die Fluten steigt und das Gold abwäscht. Gleichzeitig werden goldene Kultfiguren ins Wasser geworfen. Die Zeremonie soll den Sonnengott, den das Bergvolk verehrt, gnädig stimmen. Anderen Berichten zufolge wiederholt sich das Ritual mit dem vergoldeten Häuptling mehrmals im Jahr, etwa bei festlichen Gelegenheiten. Der See muss also voll von Gold sein, es wird an die Ufer gespült, man muss es nur auflesen.
»El Dorado« (der Goldene) taufen die Soldaten und ihre Anführer den König, den sie bis dahin noch nie gesehen haben. Der Begriff wird bald zu einem einzigen Wort zusammengefasst: »Eldorado«, das Goldland, das sich irgendwo in den Bergen im Norden Südamerikas befinden soll. Tausende von Abenteurern haben sich seit der Entdeckung Amerikas Ende des 15. Jahrhunderts auf den Weg gemacht, um dieses geheimnisvolle Land zu finden. Tausende sind dabei kläglich umgekommen, ganz abgesehen von den zahllosen Einheimischen, die sie auf dem Marsch durch den Dschungel massakrierten. Und bis in unsere Zeit hat das Thema Wissenschaftler und Forschungsreisende beschäftigt. Doch was ist dran an diesem »Eldorado«? Hat es wirklich existiert? Oder ist es nur ein Fantasiegebilde einiger Indios, die die Eindringlinge mit ihren Erzählungen einfach nur loswerden und weiterschicken wollten, damit sie deren Grausamkeiten nicht mehr erdulden mussten? Gehen wir auf Spurensuche.
Schon als Kolumbus am 12. Oktober 1492 zum ersten Mal eine dem neuen Kontinent vorgelagerte Insel betrat, hielt er im Bordbuch fest: »Ich bemerkte (...), dass manche Indianer die Nase durchlöchern und in die so entstandene Öffnung ein Stück Gold gesteckt haben. Sie tauschten das Gold, das sie offenbar für wertlos ansehen, gern gegen Glasperlen ein.«
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