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Farinelli & Co

Glanz und Elend der Kastraten

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Sie sollten singen wie die Engel, dafür raubte man ihnen ihre Männlichkeit, vor dem Starruhm an der Oper stand die Operation.

»Die Frau ist vom Chorraum auszuschließen.« Der Apostel Paulus hätte sich seinerzeit wahrscheinlich deutlicher ausgedrückt, wenn er gewusst hätte, wer gut 1500 Jahre nach ihm statt der Frauen zum Lobe des Herrn und der Kirche sang: Kastraten. Sie waren Popstars ihrer Zeit: reich und berühmt. Und entgegen aller Vorurteile waren viele von ihnen durchaus noch zu körperlicher Liebe fähig. Doch wie war ihr Berufsleben, wie reagierte ihr privates und künstlerisches Umfeld auf sie, und wie gingen sie selbst um mit dem »kleinen Unterschied«, der ihre Besonderheit ausmachte?

Am Anfang steht Italien, 16. Jahrhundert: Als die Kunst der mehrstimmigen Kirchenmusik im späten Mittelalter immer komplexer wurde, durften hohe Stimmen natürlich nicht fehlen. Also wurden Knaben zu Sängern ausgebildet, und zwar meist im Waisenhaus, dem »conservatorio«. Für diese Anstalten spielte der oft von der Kirche finanzierte musische Unterricht eine große Rolle, denn damit ließ sich Geld verdienen. Nach und nach entstanden so aus den Waisenhäusern angesehene Ausbildungsstätten, und immer mehr der qualifizierten Italiener dominierten die Musikszene Europas. Mit dem Ausbildungsstand stieg auch die Qualität und Schwierigkeit der Kompositionen – bis die zarten Kinderstimmchen der Waisenknaben den Anforderungen nicht mehr gewachsen waren. Man suchte jetzt nach professionelleren männlichen Sopran- und Altsängern.

In diese Lücke auf den Besetzungslisten der Kirchenmusiker drängten anfangs spanische Sänger, die »Spagnoletti«, die – ähnlich heutigen Countertenören – die Kunst des Kopfstimmengesangs beherrschten – wahrscheinlich ein Erbe der Mauren. Die »Spagnoletti« kamen beim Pub-likum an, und nach einiger Zeit wurde ihnen die Ehre zuteil, in der exklusiven päpstlichen Kapelle in Rom singen zu dürfen. Der Komponist Giovanni Pales-trina, ein Megastar des 16. Jahrhunderts, schrieb zwölfstimmige Messen und Motetten für sie, und die vornehmen Zuhörer waren begeistert. Wenig angetan von der spanischen Konkurrenz waren verständlicherweise die italienischen Sänger. Und wohl um das Monopol der Spanier zu brechen kam man auf die Idee mit der Kastration.
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Autor/in: Sandra Hupfauf


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