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Psychologie & Gesundheit

Gibt es vor einem Amoklauf typische Warnsignale?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Die gedankliche Vorbereitung einer Tat erstreckt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum
iStockphoto

Ein Amoklauf lässt nicht nur das unmittelbare Umfeld fassungslos zurück. Und doch kommt so ein extremer Gewaltausbruch nicht aus heiterem Himmel. „Alle Täter hatten vorher regelrecht gesagt: Schaut her!“, erklärt der  Psychologe Herbert Scheithauer, Leiter des Berliner Leaking-Projekts, das sich damit beschäftigt, wie sich solche Taten verhindern lassen. Das Thema Früherkennung spielt dabei die wichtigste Rolle – daher auch der Projektname: „To leak“ bedeutet „durchsickern“ und bezieht sich auf mehr oder weniger versteckte Hinweise, die sich im Vorfeld des Amoklaufs beobachten lassen. Mehr als 100 Fälle weltweit wurden im Hinblick auf solche Warnsignale untersucht, und die Wissenschaftler sind durchweg fündig geworden: Stets spielen die Täter ihre Tatfantasien vorher durch, schreiben Droh-E-Mails oder machen entsprechende Anrufe, lassen sich in Schulaufsätzen, Briefen oder Internet-Blogs aus oder geben anhand von Zeichnungen Einblick in ihre Gedankenwelt.

 

Neben solchen direkten Tatankündigungen gibt es auch indirekte. Ein Schüler, der bei jeder Gelegenheit auf Krieg, Gewalt, Amoktaten und Massenmörder zu sprechen kommt und seine Zeit ausschließlich damit verbringt, sich weitere Informationen zu seinem „Lieblingsthema“ zu beschaffen, ist zwar noch kein todsicherer Amokläufer. Trotzdem muss hier, wie die untersuchten Fälle zeigen, von potenzieller Gefährlichkeit ausgegangen werden, die näherer Beobachtung bedarf. Auch das demonstrative Tragen von Tarnkleidung sowie Selbstmorddrohungen fallen unter diese Kategorie. Die gedankliche Vorbereitung einer Tat erstreckt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum – Zeit, die für die Früherkennung genutzt werden kann, wenn die dazu notwendigen Informationen bekannt sind. Zur Prävention zählt Scheithauer nicht zuletzt die Art der Berichterstattung in den Medien: Je weniger über Tat und Täter berichtet wird, desto besser werden Nachahmer-Effekte vermieden.

 

P.M. Fragen & Antworten 08/2012

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.3 (7 Bewertungen)
Autor/in: Minerva Fois

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