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Kultur & Gesellschaft

Gibt es noch Piraten?

Gibt es noch Piraten?Gibt es noch Piraten?
iStockphoto

Als Fischer Hasbullah Zain fanden, war er halb verhungert und fast verdurstet. Piraten hatten den Kapitän der »Inabukwa« und seine Crew auf einer unbewohnten Insel vor Singapur ausgesetzt und sein Schiff entführt. Immerhin kamen die Männer mit dem Leben davon. Dies ist keine Geschichte aus Stevensons »Schatzinsel« oder von Sir Francis Drake, dem »Piraten der Königin«, der im 16. Jahrhundert im Auftrag der Queen spanische Schiffe kaperte. Doch wie damals kletterten die Seeräuber mit Enterhaken über die Reling, beschossen die Mannschaft und kidnappten den mit Zink und Zinn beladenen Frachter. Der Totenkopf ist wieder Symbol des Schreckens auf den Meeren.

Immer öfter und brutaler werden Yachten, Frachter und Tanker gekapert und geplündert. Im Jahr 2000 registrierte das International Maritime Bureau (IMB), eine Organisation von Banken, Versicherungen und Reedern, 469 solcher Angriffe. 56 Prozent mehr als im Vorjahr – und die Tendenz ist weiter steigend. Der Schaden durch Seeräuberei wird auf jährlich drei Milliarden Dollar geschätzt. Die modernen Piraten sind nicht weniger grausam als ihre historischen Vorbilder. Sie entern die Schiffe mit Langmessern und Macheten. Oder kommen als Mitglieder mafioser Banden mit Schnellbooten längsseits, Panzerfäuste im Anschlag. Einer der brutalsten Nachfahren Captain Kidds ist Aliasa Bungalo, genannt »Commander Alex«, der sein Unwesen in den Gewässern vor den Südphilippinen treibt. Er hat ein ganzes Heer Banditen unter sich, das sich so seinen Lebensunterhalt verschafft.

Bei Seefahrern besonders gefürchtet sind auch der Indische Ozean vor Sri Lanka, die Gewässer vor Somalia, dem Jemen, Ecuador, Ozeaniens oder die Straße von Taiwan. Dort stürmten 1998 Seeräuber in Zöllneruniformen den Frachter »Cheung Son«, erschlugen die 23 Besatzungsmitglieder und warfen sie, an Gewichte gekettet, über Bord.

Die Rotterdamer Reederei Kahn-Scheepvart rüstet ihre Schwergutfrachter jetzt mit Verteidigungstechnik aus: mit Beschallungsanlagen, die den Lärmpegel eines Kampfjets beim Überflug in 50 Meter Höhe erzeugen, und mit Elektroschockdrähten, jeder mit 10000 Volt geladen. Aber auch kleine Boote sind Opfer der Plünderer. In »Trans Ocean«, dem Fachblatt des Vereins der deutschen Hochseesegler, berichtete der Skipper der Segelyacht »Tangora« von sieben Über-fällen in einer Saison vor Guatemala: »Jeder hier bangt um seine Sicherheit.«

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